Stabhochsprung
LAZ-Athletin Tamineh Steinmeyer verpasst DM-Medaille und bekommt Lob: „Tami ist die Zukunft“
Dass Tamineh Steinmeyer vor einigen Tagen Geburtstag hatte, war Friedelinde Petershofen entgangen. Als die frisch gebackene deutsche Meisterin im Stabhochsprung es erfährt, nimmt sie die gerade 20 Jahre alt gewordene Sportlerin des LAZ Zweibrücken kurzerhand in den Arm. „Jetzt liegen nur noch neun Jahre zwischen uns“, sagt die Athletin von Werder Bremen.
Vor sieben Jahren gewann Petershofen zuletzt eine Medaille bei den nationalen Meisterschaften, nun holt sie den Titel mit gerade mal übersprungenen 4,20 Meter. Steinmeyer schafft 4,10 Meter und landet auf dem vierten Platz. Dass beide dicht beieinander liegen und sie doch fast zehn Jahre trennen, zeigt, woran es im deutschen Stabhochsprung der Frauen hapert. Es fehlt fast eine ganze Generation an Athletinnen. „Wir haben da schon eine Lücke“, sagt Steinmeyer im RHEINPFALZ-Gespräch, „wir haben die, die um die 30 Jahre alt sind und dann kommen schon die 20-Jährigen.“ Und der Nachwuchs muss es erst einmal nach oben schaffen.
Mischung aus Freude und Enttäuschung
Steinmeyer ist auf einem guten Weg dahin. In diesem Jahr war sie bereits erstmals bei den deutschen Hallenmeisterschaften am Start, nun ist sie auch unter freiem Himmel dabei. Ihre Saisonbestleistung liegt bei 4,20 Metern. Dass sie um den Sieg hätte mitkämpfen können, wenn sie diese Leistung abgerufen hätte, ist ihr bewusst. Deshalb mischt sich in die Freude über ihre DM-Premiere auch Enttäuschung. „Wenn man sieht, von welchen Höhen wir reden, kann man eigentlich gut eine Medaille mitnehmen“, sagt sie. Zumal Clara Rentz auf dem Bronzerang ebenfalls nur 4,10 Meter knackte. Entscheidend für die Platzierungen ist die Anzahl der Fehlversuche.
In den Wettbewerb startet Steinmeyer tadellos. 3,90 Meter zum Auftakt im ersten Versuch. „Bei 4,20 Meter waren meine Sprünge fast schon zu gut“, sagt die 20-Jährige – auch wenn die Latte zweimal fällt. „Meine Stäbe wurden alle zu weich“, sagt Steinmeyer, „für den Dritten musste ich dann einen härteren nehmen, was nie so wirklich ideal ist.“ Zumal es nicht die einzige Umstellung für sie ist. Mitten in der Saison war sie endgültig von elf auf 13 Schritte Anlauf gewechselt, nun kommt sie mit höherer Geschwindigkeit am Einstichkasten an. „Langsam klappt es echt gut, ich komme immer besser zurecht“, sagt sie, „Anlaufveränderungen sind ein langer Prozess.“
Vor 10.000 Zuschauern
Und: Bei großen Meisterschaften anzutreten sind auch immer Erfahrungen, die eine junge Athletin sammelt. Mehr als 10.000 Menschen sind im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion, auch wenn am Vormittag noch nicht alle Plätze besetzt sind. „Bei jedem Sprung haben uns alle angefeuert, das war schon echt cool“, sagt Steinmeyer.
Nach dem Wettkampf lädt sie die neue deutsche Meisterin zum Meeting „Sky is the limit“ Mitte August nach Zweibrücken ein, doch Friedelinde Petershofen muss passen. Dafür nimmt sie ihre Konkurrentin noch einmal in den Arm und sagt: „Tami ist die Zukunft.“ In zwei Wochen feiert Petershofen ihren 30. Geburtstag.