Zweibrücken
Tadano: Gläubiger entscheiden über die Zukunft des größten Arbeitgebers der Stadt
Wo es normalerweise eher ausgelassen zugeht, herrscht am Donnerstag bitterer Ernst. Es geht um viel Geld, um Arbeitsplätze und schlussendlich um nichts Geringeres als den Fortbestand von Zweibrückens größtem Arbeitgeber, dem Kranbauer Tadano Demag. Stimmen die Gläubiger in der Festhalle dem Sanierungsplan des Unternehmens zu und verzichten auf viel Geld, kann es weitergehen. „Dann ist das Verfahren beendet“, sagt Klaus Biehl, Direktor des Zweibrücker Amtsgerichts, das das Verfahren durchführt.
Senken die Gläubiger den Daumen, folgt für das Unternehmen das Insolvenzverfahren, an dessen Ende das Ende des Kranbauers stehen könnte. Momentan betreibt Tadano-Demag ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das heißt, die Geschäftsführung ist weiterhin im Amt und kann Entscheidungen treffen, allerdings hat das Amtsgericht einen Sachverwalter eingesetzt. Das ist Arndt Geiwitz (Neu-Ulm), der auch die Insolvenzverfahren von Karstadt und Schlecker begleitete.
Ziel: schuldenfrei in bessere Zukunft
Ein Ziel des Insolvenzverfahrens in Eigenregie ist der Abbau von Schulden. „So, dass der Schuldner schuldenfrei ist und weitermachen kann“, erklärt Biehl. Wie Ende Januar berichtet, schätzt Tadano die Forderungen seiner Gläubiger auf 128 Millionen Euro. Rund 13,7 Millionen Euro könne der Kranbauer aufbringen. Das heißt, die Gläubiger bekommen rund 10,5 Prozent ihre Geldes zurück, wenn sie zustimmen – mehr als das Geld, mit dem bei einer echten Insolvenz zu rechnen wäre, so der Schluss eines Gutachtens.
Das Amtsgericht erwartet zur nichtöffentlichen Gläubigerversammlung mehr Personen als unter den aktuellen Umständen im Gerichtssaal Platz hätten. Deshalb wird in die Festhalle ausgewichen, die für die Dauer der Versammlung zum Gerichtsgebäude umgewidmet wird. Das heißt, es gelten die gleichen Regeln wie im originären Gebäude des Amtsgerichts. „Auch unsere Wachtmeister werden vor Ort sein“, informiert Biehl.
Das Gericht habe im Vorfeld große Anstrengungen unternommen, um Gläubiger zu Gruppen zusammenzufassen, die von einem Rechtsanwalt vertreten werden. So, dass statt mehreren Personen pro Gruppe jeweils nur eine anwesend sein muss. Zu den Gläubigern können auch Mitarbeiter des Unternehmens gehören, sofern sie noch Forderungen haben. Eine solchen Forderung kann laut Biehl auch sein, wenn Mitarbeiter nicht mit ihrer Kündigung einverstanden sind.
Dass viele Mitarbeiter noch Löhne und Gehälter ausstehen haben und deshalb als Gläubiger auftreten werden, glaubt Peter Vollmar von der IG Metall in Homburg nicht. „Den meisten Beschäftigten wurde ja Insolvenzgeld bezahlt“, so Vollmar. Die Gewerkschaft selbst kann bei der Versammlung nicht dabei sein, „denn wir sind kein Gläubiger“, erklärt der für Tadano zuständige Gewerkschafter. Aktionen oder Proteste seien von Seiten der IG Metall am Donnerstag an der Festhalle nicht geplant.
Was bisher geschah
Im Oktober entschloss sich der Kranbauer, der in Zweibrücken rund 1600 Mitarbeiter beschäftigte, ein Schutzschirmverfahren für Tadano Demag und die Tadano Faun GmbH in Lauf zu beantragen. Die Unternehmen waren zu dem Zeitpunkt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, aber nicht zahlungsunfähig. Mit dem Schutzschirmverfahren waren die Löhne gesichert, und das Unternehmen hatte drei Monate Zeit, dem Amtsgericht einen Sanierungsplan vorzulegen. Diesen fand das Gericht schlüssig. Somit konnte Tadano im Januar in ein selbstverwaltetes Insolvenzverfahren eintreten. Kurz darauf wurden als Teil der Sanierungspläne 392 Mitarbeiter in Zweibrücken und 114 im fränkischen Lauf entlassen.
Die Pläne
Die Werke in Zweibrücken und Lauf sollen enger zusammenarbeiten. Lauf soll künftig den Unterbau für die Autokrane liefern, die in Zweibrücken ihren Oberbau samt Ausleger bekommen und hier fertiggestellt werden. Der Stahlbau in den Werken am Wallerscheid und der Dinglerstraße mit rund 100 Mitarbeitern soll ausgegründet werden. Auf doppelte Strukturen will das Unternehmen auch bei Verwaltung und Modellen künftig verzichten.