Handball RHEINPFALZ Plus Artikel SV 64 Zweibrücken zeigt wenig Respekt vor dem großen Pokal-Gegner

Der SV-Halbrechte Niklas Bayer (beim Wurf,) sorgte zu Beginn für mächtig Wirbel im Rückraum und stellte die TuS-Abwehr vor Probl
Der SV-Halbrechte Niklas Bayer (beim Wurf,) sorgte zu Beginn für mächtig Wirbel im Rückraum und stellte die TuS-Abwehr vor Probleme.

„Wir haben unsere Aufgabe hier gut erledigt, aber die Heimmannschaft hat vielleicht ein paar mehr Herzen erobert“, meinte Gästetrainer Emir Kurtagic vom Bundesliga-Aufsteiger TuS N-Lübbecke nach dem Sieg im DHB-Pokal beim Drittligisten SV 64 Zweibrücken. „Es war ein tolles Spiel für die Zuschauer“, fand SV-Coach Stefan Bullacher. Es hatte mehrere Gründe, warum alle zufrieden nach Hause fuhren.

Da war einmal die Anfangsphase, in der die SV-Löwen loslegten wie die Feuerwehr, keinen Respekt vor dem großen Gegner zeigten. „Wir haben den SV 64 nicht unterschätzt, aber wir waren da ein wenig schläfrig und träge“, stellte Kurtagic hernach trocken fest. Und das, obwohl die Gäste extra tags zuvor anreisten und dem Vernehmen nach in Pirmasens übernachtet hatten. Der SV-Halblinke Philipp Kockler traf in dieser Phase aus dem Rückraum fast, wie er wollte. Nach 15 Minuten stand es überraschend 10:6 für die Gastgeber. „Es war ganz schön, mit vier Toren zu führen“, meinte Benjamin Zellmer, der nach einer Fußverletzung erst diese Woche wieder ins Training eingestiegen war, schmunzelnd.

Zuschauer sehen tolles Spiel

Emir Kurtagic hatte da in einer Auszeit schon nachjustiert – und auch Torwart Havard Asheim für den ziemlich glücklosen Aljosa Rezar zwischen die Posten geschickt. Mit ihm lief es besser für Nettelstedt. Auf der anderen Seite hatte SV-Keeper Marko Ivankovic eine Sahnetag erwischt, parierte unter anderem direkt hintereinander Wurf und Nachwurf von TuS-Rechtsaußen Peter Strosack. Der 28-jährige Ivankovic wehrte nach dem Spiel aber bescheiden ab, als er etwas zu seiner Leistung und der des SV-Teams sagen sollte. So viel ließ er sich aber doch entlocken: „Alle haben heute ganz viel Lust gehabt, ich auch. Der Anfang war sehr gut, bis die anderen angefangen haben, richtig Handball zu spielen.“

Richtig Handball spielte aber auch das SV-Team. „Da waren schöne Tore von uns dabei, mit Kempa, Dreher und Heber“, fand Benjamin Zellmer. Wie der Dreher des neuen Kreisläufers Kevin Knieps von Linksaußen zum 4:3 (6.), Philipp Hammanns Kempa-Tor zum 11:9 (21.) und sein Kempa-Abpraller zum 20:25 (50.), nachdem Zellmer per Heber an der Latte gescheitert war. „Wir haben viele Tore toll herausgespielt“, stellte Tom Grieser fest. Da hatten die Zuschauer viel zu beklatschen.

Nach und nach drehten die Gäste aber das Spiel. „Der SV wirft drei, vier freie Bälle nicht rein, die Bundesliga-Mannschaft bestraft das dann“, sagte dazu der Weltmeister von 2007, Christian „Blacky“ Schwarzer, der unter den 350 Zuschauern war. Dazu kam die Rote Karte gegen Niklas Bayer 29.), die die Dynamik des SV-Angriffs doch merklich ausbremste. Und die Gäste standen in der Abwehr nun deutlich kompakter. Dann nehme so ein Pokalspiel den eher typischen Verlauf. „Der SV 64 kann aber nach der Leistung mit Selbstvertrauen in die Runde gehen. Für den TuS Nettelstedt wird’s in der Ersten Liga schwer werden“, orakelte „Blacky“.

Vorfreude auf Rundenstart

In der Analyse des Spieles waren sich die beiden Trainer, Emir Kurtagic und Stefan Bullacher, hinterher einig. „Mit dem Spiel bin ich natürlich glücklich. Wir haben es geschafft, unter zehn Toren Differenz zu bleiben. Es war aber ein zu 100 Prozent verdienter Sieg für Nettelstedt“, sagte Bullacher. „Glückwunsch zum guten Spiel, deine Jungs haben das richtig gut gemacht. Gerade der Start hat ihnen viel Energie gegeben“, zollte Kurtagic den Gastgebern ein Lob. Seine eigene Mannschaft habe vor der Pause eine gute Reaktion gezeigt und in der zweiten Halbzeit dann das Spiel kontrolliert.

Am Ende trommelten die SV-Fans begeistert die letzten Spielminuten herunter. „Das war ja ein ganz normales Ergebnis“, meinte SV-Spieler Tom Grieser zufrieden grinsend. „Mit so einer Leistung brauchen wir uns nicht zu verstecken“, blickte Benjamin Zellmer schon mit Vorfreude auf den Saisonstart nächste Woche. „Wenn die Inzidenz mitspielt, können wir vielleicht schon wieder vor 500 Zuschauern spielen“, hoffte Bullacher.

So spielten sie

SV 64 Zweibrücken: Ivankovic, Dörr (ab 42.) - Bayer (1), Götz (5), Kockler (7) - Ihl (1), Huber (1) - Knieps (5/4) – Grieser, Hammann (2), Meister, Zellmer (1), Naumann

TuS N-Lübbecke: Rezar (1.-13., 49.-60.), Asheim (13.-49.) - Ebner (2), Petreikis (3), Heiny (1) - Strosack (3), Skroblien (10/4) - Petrovsky (2) – Kontrec (1), Nissen (4), Baumgärtner (1), Mundus (3)

Spielfilm: 3:3 (5.), 5:5 (9.), 10:6 (15.), 11:11 (25.), 12:15 (Halbzeit), 13:16 (33.), 16:21 (40.), 20:25 (50.), 20:27 (53.), 23:30 (Ende) - Zeitstrafen: 4:1 - Rote Karten: Bayer (29., grobes Foul), Grieser (55., dritte Zeitstrafe) - Siebenmeter: 1/1 - 5/4 - Beste Spieler: Ivankovic, Kockler, Knieps - Skroblien, Nissen, Asheim - Zuschauer: 350 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Bona/Frank (Remscheid/Radevormwald).

Stimmen von der Zuschauertribüne Endlich Emotionen beim Sport loswerden und ein paar Bekannte treffen

Endlich waren wieder Zuschauer zu einem Heimspiel der Drittliga-Männer des SV 64 Zweibrücken zugelassen. Seit Oktober 2020 gab es das coronabedingt nicht mehr. Ein volles Haus gab es zwar nicht, immerhin durften aber 350 Fans live vor Ort dabei sein. Beim DHB-Pokalkracher gegen den TuS Nettelstedt hat sich die RHEINPFALZ unter den Zuschauern umgehört, wie sie das empfanden.

„Es ist natürlich etwas Freizeit weggebrochen, die unter normalen Umständen für den Handball eingeplant war“, stellte der 53-jährige Stefan Krug fest. Er ist zum Ausgleich mehr Fahrrad gefahren. „Dann ging die Wochenendbeschäftigung im Handballbereich doch wieder etwas früher nach oben.“ Krug wurde nämlich Teil des Teams, das den Livestream bei den Heimspielen des SV 64 mit Videoübertragung und Ticker-Meldungen erstellt. „Das ist eine tolle Sache, den Fans wenigstens so ihren Sport anzubieten. Aber so wie heute Abend, mit echtem Publikum, das ist wieder ein ganz anderes Erlebnis.“

Etwas aufgeregt vor dem Pokalspiel war zugegebenermaßen Henri Mader aus St. Ingbert. Er freute sich, in seinem ersten Heimspiel nach einer gefühlten Ewigkeit direkt einen Bundesligisten zu sehen. „Ich drücke dem SV und vor allem Tom Grieser die Daumen, bin aber auch gespannt, was die Bundesliga-Mannschaft so alles kann, und wie sie spielen“, meinte der Neunjährige, der selbst für die E-Jugend der Löwen aufläuft.

Als „recht langweilig“ bezeichnete Karin Werle die Samstagabende ohne Handball in der Halle. „Es hat schlichtweg etwas Vergleichbares gefehlt“, so die 60-Jährige. Ihr Söhne waren beide Handballer, da gehört der Hallenbesuch und das Mitfiebern mit der Mannschaft für sie einfach dazu. An die Stelle des SV 64 rutschten dafür Gruppen-Chats mit ihren Freundinnen. „Jetzt, wo es wieder losgeht, müssen sich die Freundinnen am Samstagabend nun wieder anderweitig beschäftigen“, erklärt Werle mit einem Augenzwinkern.

Für Nina Schillo ist der Besuch der Heimspiele ihres Heimatvereins ein klares „Muss“. Darum freute sich die Torhüterin der dritten Damen-Mannschaft umso mehr, „dass es direkt mit einem echten Highlight für den Verein und die Fans losgeht“. Die 19-Jährige ist froh, wieder Handball-Feeling mit Zuschauern zu erleben. Das habe wohl jedem gefehlt in den vergangenen Monaten. „Heute kann man endlich wieder Emotionen beim Lieblingssport loswerden und dazu mal viele Bekannte wieder treffen.“ Ganz so langweilig war ihre Zeit in der Lockdown-Zeit trotzdem nicht. Die Zweibrückerin hat nämlich ihr Abitur gemacht, sich mit Dalmatiner-Labrador-Mischling „Herrmann“ einen Hund angeschafft – und sie begann, ihre eigene Musik aufzunehmen.

Im oberen Teil des Mittelblocks der Tribüne in der Westpfalzhalle hatte Bernd Weber aus Stambach Platz genommen. „Wir sind immer sehr sportlich unterwegs“, berichtete er und zeigte dabei auf seine Familie neben sich. „Meine beiden Töchter spielen in Stambach Fußball, und ich bin dort unter anderem als Torwarttrainer engagiert.“ Die Heimspiele sowohl der Löwen als auch der VTZ Saarpfalz besuchen sie regelmäßig. „Die lautstarke Unterstützung, die dauernde Spannung des schnellen Spiels, die oftmals hitzige Atmosphäre hier zu erleben, das ist doch etwas anderes als beim Fußball“, gibt der 59-Jährige offen zu. Auch wenn es nur 350 Zuschauer waren, ist es für ihn doch wieder ein Stück weit ein vertrautes Gefühl. „Beim Fußball sind Sensationen von den unterklassigen Mannschaften eher mal drin als im Handball, dennoch soll die Bullacher-Truppe es genießen und sich so teuer wie möglich verkaufen“, drückte der Stambacher die Daumen.

Ähnlich sah es Meike Zutter. „Sie sollen so gut mitspielen, wie es geht. Die Spieler und das Trainerteam werden genauso froh sein wie wir hier oben, dass endlich wieder was los ist in der Halle und glücklich über die Unterstützung sein. Auch wenn unter normalen Umständen die Halle sicher ausverkauft gewesen wäre.“ Aber mit dem Anfang müsse man zufrieden sein, meinte die 25-Jährige. Ihr blieb, wie so vielen, in den vergangenen Monaten nichts anderes übrig, als Sport am Fernsehen zu verfolgen. „Es wurde schon mehr Fußball geschaut als sonst.“

Mit dem vorherrschenden Hygienekonzept am Samstagabend mit einem freiem Sitzplatz zum Nachbarn, der Registrierung per Luca-App und dem Vorzeigen eines gültigen negativen Coronatests oder dem Nachweis über die vollständige Impfung war sie wie alle Befragten einverstanden. „Das dient der allgemeinen Sicherheit, für die Teilnahme am öffentlichen Leben nimmt man das in Kauf“, fand sie.

SV-Torwart Marko Ivankovic (hier beim Strafwurf gegen den sicheren Tom Skroblien) erwischte eine klasse Anfangsphase mit vielen
SV-Torwart Marko Ivankovic (hier beim Strafwurf gegen den sicheren Tom Skroblien) erwischte eine klasse Anfangsphase mit vielen tollen Paraden.
Stefan Krug
Stefan Krug
Henri Mader
Henri Mader
Karin Werle
Karin Werle
Nina Schillo
Nina Schillo
Bernd Weber
Bernd Weber
Meike Zutter
Meike Zutter
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