Handball
SV 64 Zweibrücken muss wieder an die Schmerzgrenze gehen
Zuletzt in Haßloch waren nicht nur die Coaching-Kenntnisse Bullachers, sondern auch seine medizinischen Fähigkeiten gefragt. Einen ausgekugelten kleinen Finger wieder in die Kapsel drücken, lautete dort die Aufgabe, die er erfolgreich meisterte. Es war die 22. Minute, als Benny Zellmer von links durch den Haßlocher Strafraum auf Philipp Hammann passte. Beim Fangen passte es beim SV-Kapitän nicht ganz genau, der kleine Finger sprang aus dem Gelenk. Per Kempa-Trick versenkte Hammann den Ball zwar im Haßlocher Tor, kam dann aber sofort zur SV-Bank. Mit schmerzverzerrtem Gesicht und wegstehendem Finger an der Wurfhand.
Wenn der Coach das Einkugeln übernimmt
„Der Finger war schon ein paarmal draußen“, wusste Hammann, dass der Schmerz nachlässt, wenn das Gelenk wieder in der Kapsel sitzt. „Und Philipp wusste, dass ich das schon mal gemacht habe“, meinte Bullacher zu seinem Nothelfereinsatz beim Einkugeln. Damit das mit dem Gelenk reindrücken klappe, brauche es zwei Dinge. Einen, der sich zutraut, das zu machen und das Vertrauen des betroffenen Spielers. Hammann hatte Vertrauen, schaute aber nicht hin, als Bullacher Hand anlegte. „Natürlich hat es beim ersten Versuch nicht geklappt“, schildert Bullacher die nervenaufreibenden Momente, während das Spiel weiterlief. Neuer Ansatz, „dann war der Finger drin“, so der Trainer. Hammann schnaufte auf der Bank tief durch, kam zurück aufs Spielfeld und traf noch zweimal.
„So etwas brauche ich aber nicht jedes Wochenende“, bekennt Bullacher. Am heutigen Samstag (18 Uhr, Westpfalzhalle) gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen sitzt in jedem Fall wieder der SV-Vorsitzende Jürgen Knoch als Mannschaftsarzt auf der Bank. Aber das, was die Situation aussagte, „das will ich natürlich auch heute sehen“, bestätigt der A-Lizenz-Inhaber. Denn die besagte Szene stand in Haßloch exemplarisch für den unbedingten Willen seines Teams, die Partie gewinnen zu wollen und die Bereitschaft, im wahrsten Sinne des Wortes bis an die Schmerzgrenze zu gehen.
Genau diese Leidenschaft wollen die Zweibrücker wieder einbringen, wenn es gegen die bisher noch sieglose, aber keinesfalls zu unterschätzende HG Oftersheim/Schwetzingen geht. Die Partie beschert den Zweibrückern bereits am dritten Spieltag ein Wiedersehen mit Ex-Spieler Tim Schaller. Der Linksaußen war zu Rundenbeginn nach Oftersheim/Schwetzingen gewechselt und hat ein Zweitspielrecht für den Zweitligisten Eulen Ludwigshafen, wo er regelmäßig mittrainiert. In Mannheim, geografisch zwischen Ludwigshafen und Schwetzingen gelegen, ist der Maschinenbaustudent mittlerweile zu Hause.
Schallers prominenter Patenonkel
„Wir freuen uns, Tim wiederzusehen“, sagt Stefan Bullacher. Dem gelernten Linksaußen hatte Bullacher in der Oberliga erstmals auch das Vertrauen geschenkt, das SV-Spiel von der Rückraum-Mitte aus zu dirigieren. Schaller hatte das mit Toren und guten Leistungen gerechtfertigt. Bei Oftersheim/Schwetzingen und den Eulen ist er auf seiner angestammten Linksaußen-Position vorgesehen. Das Eulen-Trikot trug er im Vorbereitungsturnier in Dansenberg, traf dort dreimal in einem Spiel.
In Oftersheim hat Schaller mit Frank Schmitt einen Trainer, der einen engen Bezug zu Schallers Heimatort Niederwürzbach hat. Als Schaller noch gar nicht auf der Welt war, feierte Schmitt mit dem TV Niederwürzbach 1992/93 den Gewinn der deutschen Vize-Meisterschaft. Ein Teamkollege damals: der spätere Handball-Weltmeister Christian „Blacky“ Schwarzer, Schallers Patenonkel.
Frank Schmitt setzt, wie zuvor schon als Trainer der SG Leutershausen, stark auf die Variante mit dem siebten Feldspieler. Eine Spieltaktik, die der SV 64 nicht mag, mit der er in beiden bisherigen Saisonspielen oft konfrontiert wurde und zwischenzeitlich besser zurechtkommt. In Haßloch war, dank der bärenstarken Abwehrleistung, jeder Ballgewinn ein Treffer ins leere Haßlocher Tor – wichtige Tore bei der SV-Aufholjagd.