Zweibrücken Stimmungsvolles abstraktes Klanggemälde
Ein zauberhaftes Frühlingskonzert mit Werken aus Barock und Romantik präsentierten die jungen Musikerinnen Aida Petrossian, Yasmin Mai, Clara Dicke und Theresa Fuhrmann am Samstagabend in der Kreuzkapelle in Käshofen.
Etwa 60 Besucher hatten sich in der kleinen Kreuzkapelle eingefunden, bei den sommerlichen Temperaturen musizierten die jungen Künstlerinnen bei offenen Türen mit Blick auf die idyllische Natur. Dazu passte die Nocturne von Michael Glinka (1804-1857) hervorragend. Clara Dicke an der Harfe gestaltete das weich-perlende Thema mit schöner Anschlagskultur, klar umrissenen Konturen und emphatischem Ausdruck, der Akzente in dem melodischen Fluss setzte. Gebrochene Akkorde in klaren Klangwellen leiteten eine kleine Kadenz ein und glitten dann nahezu unmerklich in ein nostalgisch-verträumtes Fragment über, das seinem eigenen Klang nachzulauschen schien. Die ungemein differenzierte, sehr fein ausschattierte Spieltechnik von Clara Dicke ließ dieses besinnliche Zwischenspiel zu einem zeitenthobenen Ruhepol werden. Wie auf der Suche nach sich selbst schlug die Harfenistin dann mal schwungvolle, mal zart-verhaltene Akkorde an, die zunehmend intensiver im Ausdruck wurden, schneller im Tempo und tiefer in der Tonlage. Im Forschen nach dem Erleben des eigenen Klanges entwarf die junge Harfenistin hier ein stimmungsvolles abstraktes Klanggemälde. Über den hellen, tragenden Orgelklängen von Theresa Fuhrmann, deren sehr direkte und unmittelbare Liegetöne sich in einem Stufengang bewegten, entwickelte Geigerin Aida Petrossian das Thema des ersten Satzes von Louis Viernes (1870-1932) „Les Angelus“ op. 57 mit schöner Intonation und fesselnd gestalteten, weit gespannten Klangbögen. Auffallend an ihrem Spiel war die große Ausdrucksintensität. Die Verflechtung der beiden Instrumente gab auch Anstoß für neue Bewegungen der Orgelstimme, bevor sich die immer dichter werdenden Klänge ins Nirgendwo verströmten. Ihre spieltechnische und interpretatorische Bandbreite konnte die junge Geigerin aus Armenien in der Fantasie Nr. 9, Siciliana und Vivace, von Georg Philipp Telemann (1681-1767) zeigen. Das klare, dynamisch sehr nuancenreich ausdifferenzierte Thema mit seinen subtilen Echonachhalleffekten schien selbstvergessen vor sich hin zu träumen, bis die Stimmung abrupt umschlug in eine übermütige Melodie voll kunstvoller Koloraturen, die Aida Petrossian sehr schnell und geschmeidig ausgestaltete. Markante, rassige Rhythmen charakterisierten die Melodia di Arrabal für Violine und Cello von Carlos Gardet (* 1935), deren Thema Aida Petrossian und Cellistin Yasmin Mai parallel anstimmten. Petrossians Geigenmelodie strömte in großen, weit gespannten Bögen von höchster Eindringlichkeit durch den Raum der malerischen Kapelle, in sehr präziser Intonation, technischer Vielfalt und einer durchdachten Interpretation. Yasmin Mai steuerte dunkle, klangschöne Cellofarben bei. Auch in der Prélude aus der Suite II von Johann Sebastian Bach (1685-1750) konnte die junge Cellistin mit dem sonoren Klang ihres Instruments, klar abgesetzter Formgebung und stetem melodischem Fluss in einer sehr plastischen Gestaltung von hoher Klangtransparenz überzeugen. Wie alle vier Instrumente dieses ungewöhnlichen Kammerquartetts zusammen klingen, konnten die Besucher im Kanon in D-Dur von Johann Pachelbel (1653-1706) erleben, der durch die emphatische Geigenmelodie zu einem Lied ohne Worte wurde. Und mit den warmen, dunklen Klängen der romantischen Pavane von Gabriel Fauré (1845-1924) entließ das Quartett sein Publikum in den lauen Frühlingsabend.