Zweibrücken
Start-Ups in Zweibrücken: „Ich wusste nicht, dass das so knifflig ist“
Heute kann man für KFZ-Zulassungen im Saarpfalz-Kreis online Termine ausmachen, Anträge können online gestellt werden, es gibt seit vergangenem Jahr eine neue Webseite. All das liegt auch an Mareike Beier: Während ihres Praxissemesters unterstützte sie die „digitale Transformation“ im Saarpfalz-Kreis. An der Hochschule Zweibrücken studierte die 27-Jährige zu dem Zeitpunkt noch technische Betriebswirtschaft. Nachdem sie eine Weile beim Ventilatoren-Hersteller TLT gearbeitet hatte und dort die Webseite und das Online-Marketing der Firma betreut hatte, kam ihr eine Idee: Warum nicht andere Firmen bei Digitalisierung und Online-Strategien unterstützen? „Für meinen Master musste ich sowieso kündigen. Neben dem Studium habe ich mich dann selbstständig gemacht“, erzählt Beier. Als Beraterin für Online-Marketing unterstützt sie nun Firmen zum Beispiel beim Aufbau von Webseiten und Online-Werbung, etwa in Google oder dem sozialen Netzwerk Facebook.
Größte Herausforderung: Vermarktung
Ironischerweise war gerade die Vermarktung zu Beginn ihre größte Herausforderung: „Hier in der Region war es zunächst schwierig, Kunden für Online-Marketing zu finden. Viele denken, sie bräuchten das nicht.“ Inzwischen sei sie zwar durch Mund-zu-Mund-Propaganda in der Region angekommen, doch die meisten Kunden habe sie über die sozialen Medien gefunden. „Die sehen dort, was ich bisher umgesetzt habe und kommen dann auf mich zu“, erklärt sie. Daher habe sie einige Kunden aus dem Ausland, aus Österreich etwa und der Schweiz. Die Entfernung sei kein Problem: „Wir treffen uns über Skype und die Verträge kommen per Post.“ Ihr erster Kunde kam aus der Schweiz: Ein Modelabel, für das sie die Webseite gestaltet, einen Webshop eingerichtet und eine Kampagne über die sozialen Medien gestartet hat.
Die nächste Herausforderung: Rechtssichere Verträge erstellen. „Ich wusste nicht, dass das so knifflig ist“, erzählt sie und muss lachen. Bei Webseiten müsse außerdem das Impressum rechtlich wasserdicht sein. Doch hier war schnell Hilfe zu finden: „Ich habe meinen Rechts-Professor gefragt. Er hat eine eigene Kanzlei und hat ein Grundgerüst für meine Verträge erstellt“, erzählt Beier. Das müsse sie jetzt nur noch an die einzelnen Kunden anpassen. Im Gegensatz zu den rechtlichen Fragen, begeistere sie vor allem der technische Teil ihrer Arbeit: Webseitengestaltung, Programmieren und Formatieren. „Während des Studiums haben mich die Informatik-Kurse immer besonders interessiert“, sagt sie.
Noch betreibe sie ihr Unternehmen allein, doch sie würde gern weiter ausbauen. Ihr großes Ziel: Beratungen für Augmented Reality. Das bedeutet computergestützte erweiterte Realität. Sie erklärt das mit dem Beispiel eines Immobilienmaklers: Normalerweise läuft er mit potenziellen Kunden durch das Haus und weist hier und da auf Besonderheiten hin. Wohnen die Kunden weit weg oder gibt es andere Probleme – wie etwa die Corona-Krise – greifen die Makler auf Fotos und Beschreibungen zurück. Augmented Reality könnte hier mithilfe von speziellen Brillen umgesetzt werden. Der Makler würde mit einer solchen Brille durch das Haus laufen und die Käufer könnten das auf einem Bildschirm verfolgen und würden genau das sehen, was der Makler gerade sieht. „Gerade in der Corona-Krise könnte das für viele Unternehmen interessant sein“, überlegt Beier.
Drei Monate keine Aufträge
„Nach meiner Masterarbeit Mitte des Jahres möchte ich das Unternehmen weiter ausbauen“, sagt sie. Als nächstes könne sie sich vorstellen, einen Vertriebler oder Web-Designer in ihr Team mit aufzunehmen. Allein sei es bisher zwar noch möglich, sie habe aber auch schon Kunden abweisen müssen, wenn gerade zu viele Projekte auf einmal liefen.
Ihr Tipp für Gründer: Nicht aufgeben. „Die ersten drei Monate waren hart“, erzählt sie, „ich hatte keinen Auftrag, obwohl ich mich sehr bemüht habe.“ Doch sie habe durchgehalten und sei jetzt im Markt angekommen. Und: Wenn man etwas nicht kann, sollte man nicht zögern, Hilfe zu holen. Ihr habe das Gründungsbüro der Hochschule viel geholfen. Das biete zum Beispiel eine Sprechstunde mit einem Anwalt an, von dem sie einige rechtliche Tipps bekommen habe.
Zur Sache: Ab wann holen sich Gründer Hilfe?
Eines der wichtigsten Dinge beim Gründen laut Bernhard Lorig vom Gründungsbüro der Hochschule Kaiserslautern: Mit anderen sprechen. „Am besten erklärt man jemandem, der nichts mit dem Thema zu tun hat, die Idee“, sagt Lorig. Häufig redeten Gründer mit Experten – aber die hilfreichsten Ideen kämen oft von Leuten mit einer anderen Perspektive. „Man sollte so schnell und so oft wie möglich die Perspektive wechseln.“
Stoßen Gründer auf Probleme, zum Beispiel bei Buchhaltung, Recht oder Vertrieb, ist Lorigs Tipp ein anderer: Zunächst solle man versuchen, selbst herauszufinden, was zu tun ist. „Das sollte der erste Impuls sein, das hat etwas mit Selbstständigkeit zu tun“, sagt er. Gerade bei Buchhaltung sollten Gründer ein Grundverständnis haben, aber alle Details müsse man nicht wissen. „Sobald man ungefähr verstanden hat, wie’s läuft, kann man sich Hilfe für die Details holen“, sagt er. Denn müsste man etwa einen Steuerberater bezahlen, um sämtliche Grundlagen zu erklären, wäre das zu teuer. Dabei müsse man aber aufpassen, sich nicht zu „verzetteln“: Diejenigen, die zum Beispiel das Produkt entwickeln, sollten sich auf das konzentrieren, was sie am besten können, so Lorig. Denn mit Buchhaltung verdienen sie kein Geld – sondern mit einem guten Produkt. Sein Tipp: Frühzeitig Zeit freischaufeln für das, mit dem das Unternehmen Geld verdient.