Zweibrücken Starke Mädchen, schöne Namen
Zugegeben, der Volkstrauertag ist ein Tag im trüben November, an dem humorvolle Veranstaltungen eher selten sind. Eigentlich verwunderlich, dachten sich wohl die Veranstalter der katholischen Erwachsenenbildung Contwig. Denn gerade an solch kalten, dunklen Sonntagen braucht der Mensch erheiternde Unterhaltung.
Daher hatte man am Sonntag zu zwei ebenso skurrilen wie clownesken Stunden eingeladen. Drei höchst bemerkenswerte Damen waren angereist, um den 150 Zuschauern im ausverkauften katholischen Pfarrsaal die Tücken des Lebens zu erklären. „Rosa, Elsa und die Musi“ war der Abend überschrieben und hielt, was er versprach. Da war zunächst einmal die Musi in Form einer adretten jungen Frau, die mit ihrem Akkordeon verwachsen zu sein schien. Mit strahlender Miene unterhielt sie die Zuhörerschaft mit bekannten Melodien, die allerdings oft ganz andere Text bekamen. Neben der Musikclownfrau gab es noch die füllige Hausfrau, die mit roter Clownsnase ebenso ungeschickt wie schusselig durchs Leben stolperte. Und nicht zu vergessen Frau Weis, die akkurate Pfarrhelferin, die sich ständig auf der Suche nach dem „Herrn Pfarrer“ befand. Diese drei starken und lustigen Frauen wechselten sich in ihrem Vortrag ab und erst ganz zum Schluss durfte man das Trio beim gemeinsamen Singen erleben. Einen so schön schrägen Abend erlebt man nur selten. Musik, Kabarett und clowneske Pantomime, mit dieser eher seltenen Mixtur treten Elsa & Co. quer durch Deutschland auf und verblüffen landauf, landab ihr Publikum. Etwa durch skurrile Liedinterpretationen. Zum Auftakt gab es eine Hommage an Contwig. So etwas hebt natürlich die Stimmung. „No, je ne regrette rien“ wurde mit schriller, rauer Stimme fast geschrien. „Oh mein Papa“ hingegen hinreißend emotional präsentiert. Und „Starke Mädchen haben schöne Namen“ schließlich verleitete das Publikum zum begeisterten Mitmachen. Dass manche Melodie für Jüngere kaum zu erkennen war, dürfte nicht wirklich gestört haben. Denn die Mehrheit des Publikums kannte die Titelmusik zur Fernsehserie „Ein Herz und eine Seele“ mit Ekel Alfred Tetzlaff noch aus den 70er Jahren. Herrlich komplex und mit feinen Gesten handelte die Clownfrau mit stämmiger Figur. Zunächst erlebte man sie mit den Tücken des Wäscheaufhängens. Beziehungsweise bei der Schwierigkeit, einen widerspenstigen Wäscheständer aufzuklappen. Kein Wunder, dass sie sich anschließend ausruhen musste, in Liebesromanen schmökerte und das Radio als Gitarre umfunktionierte. Hausfrau zu sein, ist eben nicht genug. Und so erlebte man die mit roter Clownsnase geschmückte Dame als Verkäuferin verführerischer Backwaren. Und in der dritten Szene ging es in den wohlverdienten Badeurlaub. Das war einer der Höhepunkte des Contwiger Kleinkunstabends. Bewaffnet mit Sonnenschirm und Liegestuhl gelang das Kunststück, sich vor den Augen der erstaunten Zuschauer umzuziehen. Wie auch immer das unter dem bunten, Umkleideumhang zu bewerkstelligen war. Jedenfalls am Ende kam ein hinreißender Badeanzug zum Vorschein – natürlich im rosafarbenen Nostalgielook. Kaum weniger verzweifelt agierte die fromme Pfarrhelferin Frau Weis, Isolde mit Vorname. Sie wartete vergeblich auf den Herrn Pfarrer, der bekanntlich immer zu spät kommt. Die Wartezeit verging natürlich viel schneller, wenn man mit dem Publikum plaudert und die neuesten Erlebnisse aus der Pfarrei nebst Erkenntnissen und Tipps fürs Leben preisgibt. Am Ende stand ein zufriedenes und gut gelauntes Publikum, das sich durch nicht enden wollenden Applaus noch einige Zugaben verdiente.