Zweibrücken
Staffellauf mit dem Taktstock
Die Diskussion um den bevorstehenden Abschied des Pfalztheater-Dirigenten Uwe Sandner ruft Erinnerungen wach an wunderbare Hörerlebnisse bei Bühnenaufführungen wie Konzertauftritten. Wenn er zum Ende der aktuellen Spielzeit das Pult verlässt, dürfte das Publikum vor allem sein Engagement für zeitgenössische Musik und für die Neuentdeckung vergessener Komponisten im Gedächtnis behalten.
Uwe Sandners „besonderer Einsatz für die Wiederentdeckung fast vergessener Opern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ wurde schon 2009 mit dem Spittelmüller-Preis der Stiftung des Fördervereins „Freunde des Pfalztheaters“ gewürdigt. Der 1961 geborene Mainzer studierte in Berlin und Köln, außerdem bekam er ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Nach Engagements an den Opernhäusern von Ulm und Mannheim war er ab 1991 zunächst Erster Kapellmeister in Kaiserslautern. Einem Intermezzo in Karlsruhe folgte 2006 die Berufung zum Generalmusikdirektor in der Barbarossastadt. Als Dirigent, Kammermusik- und Liedpianist konzertiert Uwe Sandner seit fast vier Jahrzehnten, außerdem hat er diverse Rundfunk- und Plattenaufnahmen eingespielt. Der stets freundlich-aufgeschlossene Musiker mit der schütter gewordenen Künstlermähne führt damit seit 14 Jahren den Taktstock im Dreispartenhaus.
Auf eine noch längere Amtszeit kommt lediglich Wilfried Emmert, der das Orchester von 1969 bis ’89 leitete. Ihm ist es zu verdanken, dass das zuvor ausschließlich im Theater auftretende Ensemble zum Bestandteil des städtischen Konzertlebens wurde. Auch nach seiner aktiven Zeit lebt der gebürtige Stuttgarter, der in wenigen Wochen seinen 89. Geburtstag begehen kann, in Kaiserslautern.
Nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand übernahm der Tscheche Jiri Stárek (1923-2011) das Amt des GMD, der später als Chefdirigent der Staatsoper Prag reüssierte.
Eine Sprosse auf der Karriereleiter war die Pfalz auch für Lior Shambadal (Jahrgang 1950), der von 1993 bis 2000 an der Lauter wirkte und bis zum vorigen Sommer die Berliner Symphoniker leitete.
In Kaiserslautern wurde Shambadal von Francesco Corti (Jahrgang 1963) beerbt, der unter anderem durch gefeierte Inszenierungen von „Aida“, „Lohengrin“, „Salome“, „Arabella“ und des selten gespielten Wagner-Werks „Die Feen“ in Erinnerung geblieben ist. Seine folgenden Stationen waren Magdeburg und Glasgow, 2016 dirigierte er die erste Eigenproduktion der Nationaloper im taiwanesischen Taichung.