Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtfest-Erfinder über die Anfänge, Mythen und Anekdoten

Kofferquiz aus dem Jahr 1990: Aus der Kiste steigt ein Lambada-Tanzpaar. Ganz links Fritz Presl, neben ihm Kofferträger Rudi Man
Kofferquiz aus dem Jahr 1990: Aus der Kiste steigt ein Lambada-Tanzpaar. Ganz links Fritz Presl, neben ihm Kofferträger Rudi Manderscheid und rechts Kofferträger Heribert Rauch. Man beachte auch den eher quaderförmigen Würfel, auf dem sich die 1 und die 6 eigentlich gegenüberliegen müssten.

1980 hat Fritz Presl das erste Stadtfest auf die Beine gestellt. Heute erzählt er Anekdoten: Gospelchöre, Travestie-Shows und eine enge Kiste kommen darin vor.

„Wir wollen auch ein Stadtfest.“ Mit dieser Forderung der CDU im Stadtrat hat alles im November 1979 begonnen. Damals, so erzählt es Fritz Presl, war er noch nicht Chef des Kulturamts – den Posten sollte er erst zum Jahreswechsel übernehmen. Aber: Mit genau dieser Forderung wurde Geld im Haushalt für die Riesenfete locker gemacht. „Man muss wissen, dass es damals woanders schon solche Feste gab. Neunkirchen hat 1978 damit begonnen, das Blieskasteler Altstadtfest gab es erstmals 1979“, erzählt Presl. Und die Rosenstadt? Die wollte nachziehen. Die Aufgabe bekam Fritz Presl, frisch gebackener Kulturamtsleiter.

Beim ersten Stadtfest 1980 wurde offiziell nur an zwei Tagen gefeiert: Samstag und Sonntag. Am Freitag gab es aber schon Musik. „Auf der großen Bühne am Alexanderplatz gab es ein Gospelkonzert. Zu der Zeit waren ja viele Amerikaner hier, die hatten viele solcher Chöre“, erinnert sich der Stadtfest-Erfinder. Die Festmeile war damals deutlich kleiner: Alexanderplatz, Fußgängerzone und ein Teil des Hallplatzes – „der war damals ja noch ein Brascheplatz“. Dennoch: Schon in den ersten Jahren gab es acht Bühnen. Die standen teilweise in den Nebenstraßen. Presl erinnert sich an die Jazzbühne in der Sonnengasse; und auch die Bühne in der Poststraße gibt es schon von Anfang an. Presl hat beim Programm auch auf kleinere Acts gesetzt. Vor dem Café Knauber etwa ließ er Straßenmusiker auftreten.

Fritz Presl mit Rosenkönigin Natalie I., Michael Fleischer (Karlsberg-Brauerei) und OB Helmut Reichling beim Fassanstich im Stad
Fritz Presl mit Rosenkönigin Natalie I., Michael Fleischer (Karlsberg-Brauerei) und OB Helmut Reichling beim Fassanstich im Stadtfest-Jahr 2006.

Nein, das Bier war nicht leer

Über die Jahre hat das Stadtfest zahlreiche Geschichten geschrieben, manche sind im Laufe der Zeit eher in Richtung Mythos umgedichtet worden. Die Story, dass beim ersten Stadtfest das Bier ausgegangen sei, stimmt laut Presl nicht. „Damals waren nur die 30-Liter-Fässer leer. Es gab aber noch genug Bier.“

Dann hat es am Eröffnungstag eines Stadtfests der Anfangsjahre enorm geschüttet. Presl hat beim Flugplatz-Tower angerufen und gefragt, wie sie die Wetterlage laut Satellit einschätzen. „Ich bekam die Antwort, dass wir noch bis 20 nach acht warten sollen, danach gibt es besten Sonnenschein. Das habe ich dann so auch auf der Bühne verkündet. Und es ist genauso eingetroffen.“

Einmal hat ein Vater seinen Sohn aus den Augen verloren. Von der Bühne gab es eine Durchsage, kurz darauf wurde das verlorene Kind nach vorne gebracht – dann aber war der Papa weg. Und Presl erinnert sich an die Jahre, in denen es spätabends Travestie-Vorstellungen gab. „Wir mussten dann manchen Eltern sagen, dass sie bitte mit ihren Kindern gehen sollen.“

In Stein gemeißelt: Das letzte Juli-Wochenende

Viele Dinge haben sich beim Stadtfest über die Jahrzehnte verändert. Das weiß auch Presl. Viel ist in Sachen Sicherheit passiert. „Früher hat sich da niemand Gedanken gemacht. Vor dem ersten Stadtfest habe ich kurz bei der Polizei angerufen und denen Bescheid gesagt. Das war’s dann auch.“

Anderes ist von Anfang an gleich geblieben. Seit Beginn findet das Stadtfest am letzten vollen Juli-Wochenende statt. „Wir hatten dafür damals auch unsere Gründe“, verrät Presl. Erstens hatten andere Städte ihre Stadtfeste schon im Juni veranstaltet – Zweibrückens Stadtfest war also konkurrenzlos. Dann sind zu dieser Zeit Schulferien, und die Leute haben Urlaub. Dritter und wichtigster Grund ist das Wetter: Presl hat früher einmal mit einem Spezialisten des Deutschen Wetterdienstes gesprochen. Der hat ihm gesagt, dass Ende Juli die regenärmste Zeit des Jahres sei.

Fürs Kofferquiz zwei Wochen Dehnübungen gemacht

Zweite Stadtfest-Tradition – seit der zweiten Auflage des Festes: das Kofferquiz. „Ich wollte den Leuten zum Auftakt einfach etwas Besonderes anbieten.“ Einmal war Presl sogar selbst im Koffer. Das war aber noch nicht der aktuelle Koffer, der eher eine Kiste ist und in den problemlos eine Person passt. „Das war eine Spielzeugkiste vom Jugendamt. Und weil die so klein war, habe ich zwei Wochen vorher begonnen, jeden Abend zu Hause Dehnübungen zu machen. Mein Hauptkummer war, dass ich in der Kiste einen Krampf bekomme.“

Das Stadtfest versprüht für Presl jede Menge Heimatgefühl. Im vergangenen Jahr hat er sich mit vielen Leuten unterhalten, die inzwischen ganz woanders wohnen und extra fürs Stadtfest nach Zweibrücken zurückkommen, um dort ihre Freunde zu treffen. Presl sagt dazu nur: „Erstaunlich.“ Er selbst geht noch immer jedes Jahr aufs Stadtfest, meistens abends. „Heute genieße ich das“, bekennt er mit einem breiten Lächeln.

x