Zweibrücken
Stadtarchiv und Suchtberatung im Container-Exil
Seit Donnerstag, 31. März, sind das Zweibrücker Stadtarchiv und die städtische Suchtberatung statt im barocken Bau in der Herzogstraße in blauen Containern im Hof der Herzogstraße 13 untergebracht. Allerdings findet man dort nur Büros der Mitarbeiter. Die Archivbestände, darunter Dokumente für die Ewigkeit, lagern weiterhin im benachbarten Gebäude. Geschützt in Kartons und mit dicker Folie gegen Baustaub zugehängt. Dort wird jetzt die Heizung erneuert, nachdem aus rostigen Heizungsrohren Wasser ausgelaufen war. Die Stadtarchivarin, die auch das benachbarte Stadtmuseum betreut, weiß, dass Wasser der Feind sowohl von Ausstellungsstücken als auch von Akten ist.
Was wird im Stadtarchiv aufbewahrt? „Wir haben zwei wichtige Bereiche. Zum einen die Personenregister. Etwa die Kirchenbücher, die zurückreichen bis zur Französischen Revolution. Dazu erhalten wir regelmäßig Anfragen beispielsweise von Rechtsanwälten und Notaren. Wenn zum Beispiel jemand stirbt und dann herausgefunden werden muss, ob es Kinder gibt, die die Beerdigungskosten tragen“, erklärt Charlotte Glück. Das Archiv verwahrt auch Standesamtsbücher seit 1797. Und dann ist da noch das Zeitungsarchiv – durchgehend seit dem Zweiten Weltkrieg.
Lecks in rostigen Heizungsrohren
Die Ämter der Stadtverwaltung schicken stetig Nachschub, wenn die eigenen Aufbewahrungsfristen abgelaufen sind. Der Bestand wächst also ständig. Allmählich wird jedoch die Kapazitätsgrenze erreicht. „Wir haben neben unseren eigenen Räumen noch ein Depot im Dachgeschoss des Rathauses, aber das ist jetzt auch schon voll“, erklärt die Archiv-Chefin. Dazu kommt, dass die gesetzliche Aufbewahrungsfrist von Originalen einzuhalten ist. Papyrus halte sich Jahrtausende; Schriftstücke auf Papier der 1950er-Jahre fange schon an, sich zu zersetzen. Daher ist die Klimatisierung der Räume so wichtig.
Zurück zum eigentlichen Grund des zeitweiligen Umzugs: Mehrfach waren verrostete Heizungsrohre leck; einmal schlug der Rauchmelder an einem Freitagnachmittag an. Auslöser war eine Fontäne heißen Heizungswassers. Zusammen mit der Sozialarbeiterin Karin Bieg kehrte Charlotte Glück damals rasch das ausgetretene Wasser mit dem Besen aus dem Zimmer, weil die Archivregale nur wenige Zentimeter über dem Boden beginnen. „Die zehn Minuten, bis die Feuerwehr kam, waren die längsten meines Lebens“, erinnert sie sich.
Besucherräume im Container
Zwei Monate sollen die Bauarbeiten im Haus dauern. Charlotte Glück erwartet aber eher drei Monate Renovierungszeit. Wer jetzt dringend in den Archiven etwas zu recherchieren hat, dem stehen zwei Besucherzimmer in den blauen Leihcontainern im Hof zur Verfügung. Vorab muss man sich anmelden; dann bringen die vier Archiv-Mitarbeiter die angefragten Schriftstücke herbei. Wobei sich allein schon Regen als kritisch erweist, weil die wertvollen Akten aus dem Haus ja ungeschützt im Freien über den Hof in den Container getragen werden müssen.
Private Ahnenforscher – auch sie gehören zu den Stammkunden des Stadtarchivs – bittet Charlotte Glück um Geduld bis zum Abschluss der Arbeiten. Denn schon jetzt sind das ständige Öffnen und Wiederverschließen der Folie um die Archivregale sowie der An- und Abtransport der angefragten Dokumente zu und von den Übergangscontainern Arbeit genug. Für offizielle Zwecke muss auch während der Sanierung der Heizung eine ständige Verfügbarkeit garantiert sein. Für private Familienrecherchen gilt dies jedoch nicht.