Pferdesport RHEINPFALZ Plus Artikel Sprung in eine neue Reitturnier-Normalität

Andreas Rubly aus Kleinbundenbach präsentiert das selbst gezogene Nachwuchspferd Camille Malone in der Springpferdeprüfung.
Andreas Rubly aus Kleinbundenbach präsentiert das selbst gezogene Nachwuchspferd Camille Malone in der Springpferdeprüfung.

Endlich kann wieder vor der Haustür geritten werden. Nach der Corona-Zwangspause sattelten Profis und Amateure beim Springturnier im Zweibrücker Landgestüt. Für die Berufsreiter aus der Region ist das eine riesige Erleichterung. Denn das Geschäft hatte zuletzt gelitten. Jetzt sind sie hoffnungsfroh, dass die Wiederaufnahme des Turniersports eine Rückkehr zur Normalität bedeutet. Auch wenn diese mit Auflagen verbunden ist.

„Man vermisst den Turniersport, definitiv“, sagt Steffen Hauter vom Großsteinhauserhof nach drei Monaten Turnierzwangspause. „Das ist mein sechstes Turnier im fünften Bundesland“, ergänzt er mit Blick auf das Springturnier des Clubs Saar-Pfälzischer Springreiter am Samstag und Sonntag im Landgestüt. Seit dem 23. Mai stellt er seine Pferde wieder im Parcours vor. „Das ist extrem wichtig“, fügt Hauter an. Denn der 41-Jährige lebt vom Handel mit Sportpferden. Er bildet sie aus, stellt sie auf Turnieren vor und verkauft sie.

Heimkehr in den Lockdown

Kurz vor dem Corona-Lockdown war Hauter Ende Februar noch in den USA, betrieb Kundenakquise. „Das Auslandsgeschäft fehlt jetzt. Der Binnenmarkt hat sich seit Mai aber unheimlich schnell erholt. Er ist auf vergleichbarem Niveau wie vor Corona“, berichtet er. Die Nachfrage nach Sportpferden ist da. Er hofft, dass sich das Geschäft nur verschoben hat. „Turniere haben Zug- und Strahlkraft. Gerade hier in Zweibrücken kann man auch super Videos von den Ritten machen“, bemerkt er.

Die Pause hat sich auf den Leistungsstand der Pferde ausgewirkt. „Ich drehe immer noch viele Aufbau- und Trainingsrunden. Ich habe viele junge, unerfahrene Pferde. Mein Ziel ist es, sie in eine höhere Klasse zu bringen“, fasst er die aktuelle Situation zusammen. Sportlich muss Hauter kleinere Brötchen backen. „Mir fehlt ein Zugpferd“, erklärt er. Balugata, sein bestes Pferd im Stall, mit dem er die Rückkehr in die Leistungsklasse 1 geschafft hat, hat er verkauft.

Im Sattel eines Toppferdes

Der Kleinbundenbacher Andreas Rubly führt einen Zucht- und Ausbildungsstall. Und er ist Bereiter, schwingt sich also in den Sattel von Pferden anderer Leute. Am Wochenende kam er dadurch in den Genuss, mit Camargo ein international erfolgreiches Spitzenpferd vorstellen zu dürfen. Mit einer sicheren Runde pilotiert er den Hengst im abschließenden schweren Springen über 1,40 Meter hohe Hindernisse auf Rang vier. Camargo steht als Deckhengst derzeit im Landgestüt, da spielt der Sport eine nachrangige Rolle. „Der Chef ist zufrieden“, sagt Rubly lachend mit Blick auf Ralf Jünger, der den Hengst gezüchtet hat und den Ritt verfolgte.

Acht Wochen kein Schulbetrieb

Rubly, der seit einigen Jahren mit seinem Pferde- und Reit-Know-how in China vertreten ist, musste während der Corona-Krise kürzer treten. Der Schulbetrieb im Landgestüt wurde für acht Wochen geschlossen. „Das Geld hat schon gefehlt“, bemerkt er. Seine zwei Angestellten mussten in Kurzarbeit. Mittlerweile läuft der Schulbetrieb mit Corona-Auflagen. „Ich plane von Woche zu Woche“, sagt der 48-Jährige. Wer derzeit bei Turnieren starten möchte, muss ein bisschen Glück haben. Die meisten Turniere sind nach der Öffnung des Nennungszeitraums binnen Minuten ausgebucht.

Dass es drei Monate keine Turnierstarts gab, hat Rubly weggesteckt. „Mir hat das nicht gefehlt“, sagt er. Denn privat hat er „ein anderes Projekt angefangen“, wie er mit Blick auf ein Haus, das er zusammen mit seiner Frau gerade renoviert, erzählt. Seine China-Aktivitäten liegen derzeit auf Eis. „Die Chinesen würden gerne kommen, im Moment bekommen sie aber kein Visum“, erklärt er.

Turnierleben vermisst

„Wir haben die Zeit mit unseren Einstellern gut über die Runden gekriegt“, berichtet Pferdewirtschaftsmeister Karsten Schäfer, der in Käshofen einen Zucht- und Reitstall führt, als Bereiter und Trainer tätig ist. Die Ungewissheit der zurückliegenden Monate habe ihm zu schaffen gemacht. „Keiner konnte sagen, wann es wieder los geht“, sagt er. Seit Ende Mai sind die Profis wieder unterwegs. „Es war schön, wieder rauszukommen“, bemerkt Schäfer. „Selbst mit den Auflage hier kann man gut reiten“, sagt er mit Blick auf die Hygiene- und Abstandsregeln, die beim Turnier im Landgestüt gelten. Schäfer ist froh, dass es wieder Turniere gibt, dass er wieder starten kann. Nächste Woche sattelt der 39-Jährige seine jungen Pferde in Walshausen und Losheim. Es sind weitere Ritte in der neuen Corona-Normalität. Keiner der Reiter weiß, wie lange die anhält.

Ergebnisse

A*-Springpferdeprüfung: 1. Martin Hammel (RSV Hubertushof Linkenheim) mit Qualita’s Rubin 8,5, 2. Joel Gansemans (CH du Nord) mit Contello 8,3, 3. Hans-Günter Klein (RFV Namborn) mit Quimey 8,2, ... 6. Steffen Hauter (RV Großsteinhauserhof) mit Latina 8,0, ... 8. Karsten Schäfer (RSV Käshofen) mit Qurina S 7,9.

A**-Springpferdeprüfung: 1. Abteilung: 1. Samantha Theis (RFV Zeiskam) mit Cas Laquero 8,5, 2. Lena Knecht (RRV Herxheim) mit Cara de la Luna 8,2, 3. Sebastian Kirst (RC Mittelmosel Simmenach) mit Lonbetto 8,1, 4. Karsten Schäfer (RSV Käshofen) mit Caspari 7,9; 2. Abt.: 1. Steffen Hauter (RV Großsteinhauserhof) mit Latina 8,4, 2. Andreas Rubly (RFV Zweibrücken) mit Camille Malone 8,2, ... 4. Rubly mit Empire 7,9.

L-Springpferdeprüfung: 1. Steffen Hauter (RV Großsteinhauserhof) mit Dragonfly 8,5, 2. Laura Monier (PZSV St. Wendel) mit Attaque 8,4, 3. Hans-Friedrich Kletscher (RV Friedrichtsthal-Bildstock) mit Madame Bellini 8,2.

A**-Springen: 1. Abt.: 1. Marika Oberle (RFV Zweibrücken) mit Grafchristo 0/50,91, 2. Christina Kuhn (CJD Wolfstein) mit Calela 0/51,36, 3. Malu Schumacher (PSV Kördorf) mit Chanteur du noir 0/53,87, ... 5. Katharina Burkhart (RFV Zweibrücken) mit California 0/55,86; 2. Abt.: 1. Andreas Wilhelm (RV Großsteinhauserhof) mit Dr. House 0/51,16, 2. Stephanie Hlavka (RC Eichenhof Herxheim) mit Patmos 0/51,38, 3. Maike Kirst (RSV Käshofen) mit Cora-Lee 0/53,98.

L-Springen: 1. Abt.: 1. Beate Schmitt (RFV Neunkirchen-City) mit Candicci 0/49,99, 2. Charlotte Stuppi (RSV Käshofen) mit Asterix 0/53,00, 3. Diane Kettmann (CR Luxembourgeois) mit Amutrichta 0/53,69, ... 11. Maike Kirst (RSV Käshofen) mit Cora-Lee 0/60,88; 2. Abt.: 1. Beate Schmitt mit Caro 0/52,08, 2. Hendrik Heuser (RV Idar-Oberstein) mit Chrystal Rose 0/53,19, 3. Caroline Fritz (RFV Goldbergerhof) mit Shamrock 0/53,71, 4. Andreas Rubly (RFV Zweibrücken) mit Douros d’Helby 0/55,23.

M*-Springen: 1. Abt.: 1. Thies Beyer (RFV Illtal) mit Qui Vie 0/60,88, 2. Fabio Thielen (RFV Losheim) mit Castor 0/62,19, 3. Diane Kettmann (CR Luxembourgeois) mit First Vleut 0/63,61, 12. Andreas Rubly (RFV Zweibrücken) mit Camargo 0/70,38; 2. Abt.: 1. Thomas Lunkes (TGS Lunkeshof) mit Clio 0/61,53, 2. Thielen mit Clarino de Luxe 0/62,68, 3. Charlotte Stuppi (RSV Käshofen) mit Asterix 0/63,35, ... 10. Steffen Hauter (RV Großsteinhauserhof) mit Queesy Boo PJ 0/67,90.

S*-Springen: 1. Thies Beyer (RFV Illtal) mit Superior 0/71,31, 2. Alan Kelly (CH du Nord) mit Tourano 0/73,34, 4. Linda Schwinn (RRV Honzrath) mit Calino 0/74,84, 4. Andreas Rubly mit Camargo 0/77,02, ... 8. Anne Oberle (beide RFV Zweibrücken) mit Crunchip 4/72,42, ... 11. Steffen Hauter (RV Großsteinhauserhof) mit Kikiwaka 4/75,72.

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Raus aus dem Stiefel, rein in die Slipper: Steffen Hauter nach seinem Ritt.
Raus aus dem Stiefel, rein in die Slipper: Steffen Hauter nach seinem Ritt.
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