Jetzt ist sie weg, die Gelb-Rote Kartenkombination im Fußball. Anstelle der „Ampelkarte“ kommt die zehnminütige Zeitstrafe. Regionale Klubvertreter sagen, was sie davon halten.
Die Zeitstrafe ersetzt künftig die Gelb-Rote Karte. Das heißt, dass der gegen die Regeln verstoßende Spieler für zehn Minuten vom Spiel ausgeschlossen wird. Die RHEINPFALZ hat sich bei regionalen Fußballklubs umgehört, wie die neue Regel, die es so schon einmal gab, aufgenommen wird.
Höh: Hemmschwelle wird nach hinten verschoben
„Das ist natürlich schwierig einzuschätzen. Aber ich glaube nicht, dass die neue Regel viel Einfluss auf ein Spiel nehmen wird, dass da jemand benachteiligt oder bevorzugt werden könnte“, sagt Stefan Höh (39), Trainer des in die Bezirksliga aufgestiegenen SV Palatia Contwig. Er verfüge nicht über Erfahrungen mit der Zeitstrafe, könne sich aber „durchaus vorstellen, dass die Schiedsrichter damit entlastet werden könnten“. Zum Beispiel, wenn sie einem nörgelnden Spieler eine Pause verordnen können. Gleichwohl werde die Hemmschwelle ein Stück weit nach hinten verschoben, denn die Spieler wüssten, dass ein gelbwürdiges Foul wahrscheinlich nicht gleich einen Platzverweis nach sich ziehe. Höh sieht in der neuen Regelung daher ein „zweischneidiges Schwert“. Die Teams würden sicher über eine Art „Notfalltaktik wie im Eishockey“ verfügen, falls sie von einer Zeitstrafe betroffen sind.
Wadle: Die Zeitstrafe tut dem Spiel gut
„Ich kenne die Zeitstrafe noch aus meiner aktiven Zeit und finde: Sie tut dem Spiel gut“, sagt Reiner Wadle (50), der mit Bezirksliga-Aufsteiger SG Waldfischbach-Burgalben einen starken dritten Platz belegte. Die Zeitstrafe verhindere, dass nach Gelb gleich ein Platzverweis folgen muss. In den zehn Minuten, in denen ein Team in Überzahl agieren kann, könne ein Spiel durchaus kippen, prognostiziert Wadle. Und jedem Zehn-Minuten-Sünder sei klar: Noch ein weiterer Regelverstoß, „dann bin ich raus“. Ergo sei die Regelung „sinnvoll und ganz gut“.
Schweitzer: Kenne das von früher und finde es gut
„Ich bin Baujahr 1972 und zu meiner aktiven Zeit gab es die Zeitstrafe noch. Ich kenne die also ganz gut und muss sagen: Ich bin gut damit gefahren“, sagt auch Thomas Schweitzer, Sportvorstand des SV Bottenbach (B-Klasse West). Die Zeitstrafe sei eine Möglichkeit „weniger scharfe Vergehen“ adäquat zu ahnden. „Die Maßnahme hat in den allermeisten Fällen geholfen“, findet er. Denn die zurückkommenden Spieler hätten gewusst, dass bei einer weiteren Regelwidrigkeit Rot folgt. Zudem könne ein Trainer auf einen Zeitstrafen-Sünder Einfluss nehmen, auf dessen sportliches sowie taktisches Verhalten nach Ende der Zehn-Minuten-Pause.
Schön: Bis zur Bundesliga sollten alle mitmachen
Über den Sinn der neuen Regelung könne man „geteilter Meinung sein“, sagt Wolfgang Schön, Vorsitzende des Landesligisten TSC Zweibrücken. Und gerade Schön weiß, wovon er redet, denn „ich pfeife ja auch noch“. Als Schiedsrichter ist Schön häufig im Saarland unterwegs. Und da gibt es die Zeitstrafenregel bereits seit der vorigen Saison. Positiv sei, dass ein „hitzeblitziger“ Spieler, während er seine Zeitstrafe abbrummt, ruhiger werden könne. Negativ sei, dass meist die Mannschaft in Unterzahl versucht, auf Zeit zu spielen, was den Fußball nicht gerade attraktiv mache. Immerhin sei die Zeitstrafe grundsätzlich besser als Rot.
Was Schön kritisiert ist, dass die Regelung nur auf Verbandsebene gilt. „Bis zur Bundesliga sollten hier alle mitmachen“, fordert er. „Jedes Jahr gibt es neue Regeln. Für die Schiedsrichter wird es immer schwerer“, weiß Schön. Zumal der Unparteiische auf sich alleine gestellt ist und gerade in den unteren Klassen keine Unterstützung durch einen Assistenten hat – oder gar wie in anderen Sportarten durch Zeitnehmer. Schön sieht bei einigen Schiedsrichtern durchaus eine Überforderung. Er erinnert sich an die Einführung der Zeitstrafe im Saarland. Da hätten einige wenige Schiedsrichter trotzdem die Gelb-Rote Karte gezeigt, statt einer Zeitstrafe zu verhängen. Diese Spiele hätten dann wiederholt werden müssen.
Langner: Hat Vor- und Nachteile
Andreas Langner (49), der Trainer des B-Klässlers TuS Leimen erachtet die Gelb-Rote Karte für einen Regelverstoß als eine „härtere Bestrafung“ als die Zehn-Minuten-Strafe. Nach einer „Ampelkarte“ müssten Mannschaften zuweilen 60 Minuten oder länger mit einem Mann weniger auskommen, bei einer Zeitstrafe sind eben zehn Minuten festgeschrieben. Langner findet: „Eine Zehn-Minuten-Strafe ist nicht so schlimm“. Er sieht auch keine Notwendigkeit, sein Team auf eine zehnminütige Über- oder Unterzahl einzustellen. Und ja: Es gebe die Möglichkeit, auf einen Zeitstrafentäter deeskalierend einzuwirken. „Aber wenn der wieder auf dem Platz ist und in seinem Duell mit seinem Gegenspieler, dann ist doch alles wieder vergessen“, sagt er skeptisch. Der Platzverweis auf Zeit habe Vor- und Nachteile. „Wir können uns ja in einem Jahr noch mal unterhalten, dann können wir ein Fazit ziehen“, sagt er.
Preuß: Echt gespannt auf die Umsetzung
Auch Daniel Preuß (39), Spielertrainer der zweiten Mannschaft der SG Rieschweiler (A-Klasse) und Sportvorstand des Vereins befindet sich in einem „Zwiespalt“. Wenn ein Spieler in der Vergangenheit „zweimal richtig hingelangt hat, dann war für ihn mit Gelb-Rot Schluss. Jetzt pausiert er halt zehn Minuten und darf dann weitermachen.“ Erst danach drohe ihm ein Ausschluss (mit Rot) vom Spielgeschehen. Der Weg zum Platzverweis sei länger. Er sei „echt gespannt“, wie Schiedsrichter und Spieler mit der neuen Regel umgehen. Wichtig sei, so Preuß, dass man im Vorfeld nicht so viele Vorurteile hegt.
Memmer: Bringt etwas mehr Ruhe ins Spiel
Udo Memmer (53), Vorsitzender des SC Hauenstein, kennt die Zeitstrafe als Spieler und Schiedsrichter und sieht in ihr „ein geeignetes Mittel“ im Fußball. Eine Zeitstrafe habe stets „etwas mehr Ruhe ins Spiel gebracht“. Entweder der Spieler beruhigte sich in der Zwangspause, oder er wurde gleich ausgewechselt, um einer Roten Karte vorzubeugen. Die Zeitstrafenpause habe genutzt werden können, um dem betroffenen Spieler ins Gewissen reden können. Nicht zuletzt dadurch sei die Zahl der Roten Karten rückläufig gewesen. „Ich finde die neue Regel absolut gut“, sagt Memmer daher.