Montagsumfrage Sombreros und die politische Korrektheit
Auf der Bundesgartenschau (Buga) in Mannheim haben 17 Rentnerinnen die Zuschauer mit einer tänzerischen „Weltreise“ unterhalten. Passend zur Musik hatten die Damen vom Awo-Tanzkreis geplant, als Ägypterinnen, Mexikanerinnen mit Poncho und Sombrero und asiatisch kostümiert aufzutreten. Doch die Buga-Leitung war mit den ursprünglichen Kostümen nicht einverstanden – wegen „kultureller Aneignung“. Wir haben Zweibrücker nach ihrer Meinung gefragt.
Karin Reder: „Wenn es zum Tanz passt, warum sollte man dann das Kostüm verbieten? Wenn der Sombrero zur Musik passt, ist das doch in Ordnung. Ich würde das nicht so eng sehen. Ich habe mich früher an Fastnacht auch verkleidet. Je nachdem, was an Motiven so aktuell war. Das war dann meist in der Gruppe. Und wenn das zusammenpasst, warum nicht? Wenn sich jemand beim Fastnachtsumzug als Indianer verkleidet, stört mich das auch nicht. Wenn ich auf eine Veranstaltung gehe, zum Beispiel zum Fasching, dann muss ich akzeptieren, dass Leute sich verkleiden. Ob mir persönlich das jetzt gefällt oder nicht. Bei Trachten- und Folkloretanzgruppen regt sich ja auch keiner auf.“
Wolfgang Spies: „Wenn das eine kulturelle Veranstaltung ist in unserer Region, sollten die Tänzerinnen die Tracht des Bundeslandes anziehen, das sie repräsentieren. Wären die Tänzerinnen aus Mexiko, wären Sombreros und Ponchos in Ordnung. Da ist die Aufgabe Völkerverständigung und das Mexikanische voranzubringen mit der Kultur aus Baden-Württemberg. Als Kind war ich immer als Indianer auf der Fastnacht. Das ist ganz normal, getreu nach Karl May. Fastnacht ist eine andere Nummer, da ist die individuelle Normalität gefragt. Politische Korrektheit hört sich nach Zwangsjacke an. Wir sind ein Einwanderungsland.“
Margita Rehaag: „Dass die Gruppe nicht so tanzen durfte, wie sie wollte, finde ich nicht richtig. Das sollte doch international sein. Wenn zum jeweiligen Tanz Sombrero und das passende Kostüm dazugehören, dann sollten die auch auftreten können. Kulturelle Aneignung ist Schwachsinn. Der Ausdruck gefällt mir nicht. Die passende Kostümierung gehört dazu. Und wenn einer bei Fastnacht als Indianer herumläuft, mein Gott. Auch dieses Gendern ist neumodischer Quatsch.“
Fritz Münch: „Ich finde es unmöglich, dass die Seniorentanzgruppe nicht auftreten durfte. Diese Freiheit sollte man haben. Das Optische muss passen. Wenn sich Menschen an Karneval als Indianer oder Farbige verkleiden, ist das hingegen kritikwürdig. Da unterscheide ich schon. Das eine ist kulturelle Aneignung, wie beim Fasching als Mohr zu gehen, das andere ist eine besondere kulturelle Art, die Freizeit zu genießen.“
Susanne Wolf: „Unsere arabischen Zahlen sind auch kulturelle Aneignung! Was haben wir denn, was nicht angeeignet ist? Außerdem wollen wir doch multikulti sein. Das ist doch paradox. Die Entscheidung der Buga-Leitung finde ich daher inkonsequent. Und wenn einer an Fastnacht als Indianer geht, finde ich das in Ordnung. Man macht sich damit ja nicht lustig über die Ureinwohner.“
Georg Stucky: „Den Fall kenne ich nicht. Aber nur, weil Senioren in Sombreros tanzen wollten, finde ich die Reaktion überzogen. Ich finde das unter aller Sau. Das ist keine kulturelle Aneignung. Jeder ist mittlerweile auf dem Trip, dass er anderen kulturelle Aneignung vorwirft, weil sie anders gekleidet sind oder die Haare anders tragen. Ich war auch schon Cowboy und Indianer. Und das würde ich auch wieder machen.“