Zweibrücken
Singen wir noch Weihnachtslieder? Manchmal übernimmt die Enkelin
„Rudolph the red nosed Reindeer“ ist das Lieblings-Weihnachtslied von Alena Killinger. „Wir sind halbe Amerikaner, das ist für mich Kindheit“, erinnert sie sich. Meist hört sie Weihnachtslieder online auf vorgefertigten Playlists, die man je nach Stimmung auswählen kann.
„Vor allem, wenn wir zu Hause schmücken oder gemütlich zusammen sind. Und an Heiligabend singen die Kinder. ,Jingle Bells’ kann ich vielleicht auch noch auswendig“, ergänzt Alena Killinger. „Das hilft auf jeden Fall, um in Weihnachtsstimmung zu kommen.“
Günther Opp bevorzugt traditionellere Weihnachtslieder. „,O du fröhliche’ und ,Leise rieselt der Schnee’, den wir nicht mehr haben“, sagt er. „Das haben wir als Kinder gesungen. Und ,O Tannenbaum’, das hat meine Tochter bis nachts um eins gesungen, bis sie eingeschlafen ist“, erinnert er sich. Opp findet es schade, dass auf dem Weihnachtsmarkt so wenig Weihnachtslieder gespielt worden seien. Die eher rockigere Musik passe nicht so richtig. Die wohlige Stimmung bekommt er an Heiligabend jetzt durch die Weihnachtslieder im Fernsehen. „Last Christmas“ und Ähnliches kann Günther Opp nicht mehr hören: „Das läuft jeden Morgen im Radio von Anfang September bis an Weihnachten.“ Mit seinen Kindern singt Opp zu Weihnachten nicht mehr. „Die wohnen in der Vorderpfalz und sind dafür schon zu alt. Und ich mit meinen 80 Jahren sing’ auch nicht mehr“, erklärt er.
Dagegen ist „Last Christmas“ für Andrea Munk-Staniszewski sogar ein Lieblingslied. Eines von vielen. „,Kling Glöckchen’. Das musste ich immer unterm Tannenbaum singen“, erinnert sie sich an ihre Kindheit. „Ich hab’ auch mal die Weihnachtsgeschichte erzählt oder eben gesungen. Die Erwachsenen waren irgendwann genervt. Die hab’ ich strapaziert, aber für mich hat das dazugehört.“ Auch „O du Fröhliche“ oder „Alle Jahre wieder“ und viele mehr sind Lieblings-Weihnachtslieder. Mittlerweile singt nicht mehr sie, sondern ihre Enkelin. „Die ist fünf und ziemlich fit, die kann das. Sie singt und sagt Gedichte auf.“ Meistens hört Munk-Staniszewski die Lieder im Radio oder auf ihrem Handy. „Manche nervt das ja mit ,Last Christmas’, aber mir gefällt das. Und ich bin da flexibel, ob traditionell oder modern. Mir gefällt alles.“
Als Kind hat Michael Simon in der Kirche an Heiligabend oft „Ihr Kinderlein kommet“, gesungen; daher würde er das als sein Lieblingslied bezeichnen. Noch immer singt er manchmal mit den Enkelkindern Weihnachtslieder. „Aber das kommt drauf an, wann sie kommen, und auf den Hunger. Aber vor der Bescherung singen wir immer“, erklärt er. Auswendig kann er keine mehr. Meist hört er CDs. Die Lieder im Radio, findet er, „sind alle schön, jedes auf seine Art und jedem sein Geschmack. Meiner ist das jetzt nicht so, aber ich schalte sie auch nicht weg. Aber im Radio wird man ja ab dem ersten Advent damit bombardiert.“
„Fairytale of New York“ von den Pogues ist Stefanie Bastians Lieblingsweihnachtslied, weil es sie an Irland erinnert. „Das ist ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen. Ich liebe Irland.“ Auswendig kann sie noch viele Lieder, aber zu Weihnachten wird bei ihr weniger gesungen. „Ich singe meistens beim Putzen. In der Vorweihnachtszeit, wenn die im Radio laufen. Das macht gute Laune.“ „Last Christmas“ und ähnliche Ohrwürmer liebt sie auch. „Das gehört zu Weihnachten“, sagt Stefanie Bastian.
Sabine Brendels liebstes Weihnachtslied ist „,Stille Nacht’, ganz traditionell“. Auch andere klassische Lieder hört sie auf CDs. „Die dürfen erst ab Heiligabend laufen. Vorher hab ich nicht so die Muße. Vormittags wird der Weihnachtsbaum angeputzt, und da hör ich die dann. Das geht dann drei Tage.“ Wenn im Radio ,Wham’ und andere moderne Songs laufen, schaltet sie die nicht weg. „Aber an Weihnachten läuft das nicht“, erklärt sie. Singen und Gedichte sind in ihrer Familie eher nicht der Fall. „Ich würde mich freuen, wenn mal einer kommt und sagt, er liest uns jetzt eine Weihnachtsgeschichte vor.“ Brendel beginnt, „Schneeflöckchen Weißröckchen“ zu singen. Aber mehr als die erste Zeile kann Brendel von den meisten Liedern nicht auswendig. „Traditionelle Weihnachtslieder erinnern mich an meine Kindheit, meine Eltern und den großen Baum, immer mit Wachskerzen. Der Duft, die Musik. Das kommt alles wieder hoch, das ist so ein warmes Gefühl. Und je weiter das Leben fortschreitet, umso weniger Zeit hat man manchmal, und dann ist das sehr schön“, gerät Sabine Brendel ein wenig ins Schwärmen.