Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Sina Mayer: Lohn ist der Start bei der Team-EM in Madrid

Hatte Mitte Mai in Pliezhausen schon einen prima Saisoneinstieg und wurde dort mit zwei Siegen zur „Sprintkönigin“ gekürt: Sina
Hatte Mitte Mai in Pliezhausen schon einen prima Saisoneinstieg und wurde dort mit zwei Siegen zur »Sprintkönigin« gekürt: Sina Mayer.

Sie schwebt nicht auf Wolke sieben, sie rennt darüber hinweg: Sina Mayer, Sprinterin des LAZ Zweibrücken, ist nach sieben Jahren Wartezeit eine neue Bestzeit gelaufen.

Am Donnerstag flog Sprinterin Sina Mayer vom LAZ Zweibrücken von Frankfurt nach Madrid, dort ist sie Teil der 45-köpfigen deutschen Mannschaft bei der Team-Europameisterschaft. Am Freitag war noch mal Staffeltraining angesetzt, am Samstagabend könnte sie ab 21.38 Uhr als Teil der deutschen 4x100 Meter-Staffel (neben Jolina Ernst, Sophia Junk, Lisa-Marie Kwayie oder Lisa Mayer) auf der Bahn stehen.

„Ich bin selbst überrascht, wie gut das gerade läuft“, sagt Sina Mayer im Vorfeld der Team-EM. Vor einer Woche stand für die 30-Jährige, die aus Schönenberg-Kübelberg stammt und in Saarbrücken trainiert, nach dem 100-Meter-Finale als Drittplatzierte des 27. Anhalt-Meetings in Dessau eine unglaubliche Zeit auf der Anzeigetafel: 11,03 Sekunden. Dass in Dessau ungewohnterweise von rechts nach links gelaufen wird, störte sie dabei nicht. „Das hab’ ich vorher auch bei anderen Meetings schon gemacht.“

Hammer! 11,03 Sekunden auf der Anzeigetafel

Schade nur, dass der Rückenwind mit 2,5 Meter/Sekunde die zulässige Geschwindigkeit um 0,5 Meter/Sekunden überschritten hatte und die Zeit daher nicht als neue Bestzeit anerkannt wird: Dennoch beflügelt die Zeit ungemein, gibt sie zu. „Nur 0,5 weniger Rückenwind und sie wäre ja gültig gewesen, sicher auch um die 11,20 Sekunden.“ Dabei sei es vom Gefühl gar kein Top-Rennen gewesen, „es fühlte sich eher unrund an, aber es war halt sauschnell“, sagt sie lachend.

„Und ich war einfach so nah dran wie nie an Gina“, sagt Mayer mit Blick auf Gina Lückenkemper, die in dem Lauf mit 10,93 Sekunden gestoppt wurde. Sie war sogar deutlich besser gestartet als Deutschlands Top-Sprinterin. „Es ist schon cool, so die eigene Entwicklung zu sehen“, stellt Mayer fest. Eine Woche zuvor hatte sie auf Malta mit 11,20 Sekunden sogar eine neue Bestmarke aufgestellt, ihre alte (11,25 sec) stammte noch auf dem Jahr 2017. Besagte 11,20 Sekunden sind zudem die Bestätigungsnorm für die Weltmeisterschaften im japanischen Tokio (13. bis 21. September), „um übers World-Ranking reinzukommen“, sagt Mayer. Bei der WM möchte sie, nach ihrer Teilnahme 2023, gerne noch mal mitlaufen.

Mayer ist 2025 vor allem gesund geblieben

Woher kommt Mayers Leistungsexplosion in diesem Jahr? „Wenn man gesund ist, kann man auf lange Zeit einfach gut trainieren“, unterstreicht sie – und man hört sie praktisch am Telefon im Hintergrund auf Holz klopfen. Denn im Jahr 2024, dem Olympia-Jahr, hatte sie gerade das Gegenteil erlebt. Erst hatte sie sich zu Beginn der Saison die Außenbänder im linken Fuß gerissen, samt unangenehmem Kochenmarksödem. Und im April warf sie dann ein Infekt aus der Bahn, der Traum von Olympia in Paris war ausgeträumt. Auch der Status als Olympia-Kaderathletin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) war danach futsch.

Derzeit gehört sie also keinem DLV-Kader an, hofft aber für die Förderung mit guten Leistungen wieder reinzurutschen. Seit Januar 2025 arbeitet sie wieder: 20 Stunden pro Woche als Assistentin des Geschäftsleitung der Victor’s Group. Für die Olympia-Hoffnung hatte sie ihren vorherigen Job extra an den Nagel gehängt.

Vorfreude auf die Team-EM, Hoffnung auf die WM

„Wir haben auch technisch im Training noch mal so viel gemacht, was ich jetzt in den Wettkämpfen umsetzen kann“, erklärt die süddeutsche Hallenmeisterin von 2025 ihren Leistungssprung. „Wir“ – das ist ihr eigenes kleinen Team: mit Lena Barthel, der saarländischen Landestrainerin als der sportlich Hauptverantwortlichen, der für Management zuständige Ulrich Knapp (der auch Coach von Weitspringerin Malaika Mihambo ist) und Trainer und Betreuer Ralph Mouchbahani. „Ich treffe mich vom Start weg im Moment einfach gut in den Läufen“, sagt sie.

Ob es letztlich für die WM im September reicht? „Mal sehen, es gibt in Deutschland viele Mädels, die schnell laufen können“, weiß Mayer. „Ich muss einfach gesund bleiben und meine Leistung stabilisieren.“ Auf die Team-Europameisterschaft in Spaniens Hauptstadt jedenfalls freut sie sich sehr. „Ich habe ein gutes Gefühl und hoffe, dass wir viele Punkte für das deutsche Team holen können“, sagt sie.

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