Handball
SG Zweibrücken verliert packendes Regionalliga-Derby
Ein intensives Derby lieferten sich die SG Zweibrücken und Spitzenreiter TV Homburg. Trotz wirtschaftlicher Schieflage und Aufstiegsverzicht unterstrichen die Homburger ihre Titelambitionen. Das Fan-Duell in der lauten Westpfalzhalle entschieden die Westpfälzer klar für sich. Auf dem Spielfeld setzten sich die Homburger durch.
Bis zum Abpfiff feuerten die lautstarken Zweibrücker Fans – das waren nahezu alle der über 600 Zuschauer – ihr Team bedingungslos an. Sportlich war die Partie Mitte der zweiten Hälfte entschieden. Homburgs starker Mittelmann Jan-Philipp Valda traf zum 21:22 und 21:23. SG-Trainer Marek Galla nahm die Auszeit. Die blieb wirkungslos. Der kroatische Rückraumspieler Ante Grbavac und Valda erhöhten auf 21:25. Am Ende stand eine 28:33 (16:15)-Niederlage der Zweibrücker. Valda und Robin Egelhof, der in Zweibrücken das Rüstzeug für seine professionelle Handballkarriere bekam, hielten die Homburger auf Meisterkurs. Die Zweibrücker gaben in einem intensiven Spiel nie auf. Sie ließen aber einmal mehr zu viele Chancen ungenutzt.
Internationale Truppe
Valda, bereits im Hinspiel der Matchwinner, brachte den Tabellenführer mit den ersten beiden seiner 13 Tore in Führung. Die international besetzten Gäste mit reichlich Erst-, Zweit- und Drittligaerfahrung forcierten das Tempo, waren schnell im Rückzug. Tempogegenstoß-Chancen eröffneten sich nicht. Gegen die defensive 6-0-Abwehr der sehr groß gewachsenen Homburger musste der SG-Angriff Schwerstarbeit leisten.
Wie man einen erfahrenen Torwart Patrick Schulz von außen überwindet, zeigte Max Kroner, der auf der linken Außenbahn treffsicher agierte und den 3:4-Anschluss erzielte (8.). Dass man gegen ein Abwehrbollwerk auch zaubern kann, bewies der Treffer zum 5:8. SG-Spielmacher Nils Wöschler – fast immer aufmerksam bewacht – passte perfekt hinter dem Rücken an den Kreis, wo Tim Eisel das Anspiel verwertete.
Zajacs Paraden
Zweibrücken ließ sich nicht abschütteln. Kapitän Philipp Hammann und Stephan Jahn brachten die SG auf 10:11 heran. An diesem Spielverlauf hatte Torwart Damian Zajac seinen Anteil. Seine acht Paraden in Durchgang eins waren ein Grund, warum Zweibrücken die Partie bis zum Halbzeitpfiff drehen konnte.
„Eines unserer Probleme ist sicher, dass wir momentan keinen Linkshänder im rechten Rückraum haben“, stellte SG-Trainer Marek Galla fest, dass sich dieses Manko auf Dauer nicht kompensieren lässt. Die Rechtshänder sind im Wechsel auf der ungewohnten Position gefordert. Martin Leufke – normalerweise den defensiven Part für den angreifenden Joshua Eberhard spielend – fand sich auch im rechten Zweibrücker Rückraum wieder. Er traf zum 11:12 und markierte beim 14:14 (25.) erstmals den Zweibrücker Ausgleich. In der Abwehr war der 31-Jährige, der sein bislang bestes Heimspiel für die SG bestritt, zweikampfstark. „Ja, es macht Spaß, wenn es intensiv zugeht. Das gehört zum Handball“, sagte Leufke. Es sei aber nie unfair gewesen: „Keine Angriffe von hinten oder der Seite – so soll Handball sein.“ Seiner in Homburg Medizin studierenden Freundin ist der aus Baden stammende Leufke in den Saar-Pfalz-Kreis gefolgt, arbeitet bei Thyssen-Krupp.
Pfiffe für Egelhof
Dass das Torewerfen zur Herausforderung wurde, daran hatte Homburgs Kapitän Egelhof seinen Anteil. Der frühere Zweibrücker zog sich im ersten Durchgang Unmut und Pfiffe der SG-Fans zu – vor allem nach einem Foul an Kroner. Es sei noch immer schön, bei toller Handballstimmung in der Westpfalzhalle zu spielen – „vor allem wenn man ein Derby für sich entscheidet“, erzählte Egelhof. Der 27-Jährige studiert in Homburg im vierten Semester Medizin. Zur Gesamtsituation im Homburger Handball merkte er an: „Es ist für uns gerade sehr belastend und schwierig. Wir wissen absolut nicht, wie es weitergeht.“ Er hoffe noch, dass es weitergeht. „Ich würde gerne in Homburg bleiben“, versicherte der in Kaiserslautern wohnende Linkshänder. Studium, Handball, Wohnort – das Paket habe gut gepasst. Die Mannschaft sei ein verschworener Haufen, „und wir haben uns vorgenommen, Meister zu werden. Die Feier wollen wir auf jeden Fall noch haben“, betonte Egelhof. Dass die Mannschaft aus finanziellen Gründen in der aktuellen Formation nicht zusammenbleiben wird, ist klar. Ob zum Beispiel aus dem gerade gekürten Verbandsligameister TV Homburg II die erste Mannschaft wird, ist offen.
Kurz vor dem Halbzeitpfiff warfen die beiden Außen Kroner und Hammann die 16:14-Führung für Zweibrücken heraus. Direkt nach dem Wechsel gelang Joshua Eberhard das 17:15. Es folgte eine Phase, „in der wir unsere Chancen nicht konsequent genutzt haben“, resümierte Galla. Das nutzten Egelhof und Valda, um die Entscheidung zu Gunsten der Homburger einzuleiten. Für Zweibrückens jungen Kreisläufer Samuel Reitz (53.) und José Resende, einen der Portugiesen im Homburger Trikot (58.), endete die Partie nach der jeweils dritten Zeitstrafe vorzeitig.
Nach dem 25:31 (57.) deckte Zweibrücken offen, kam auf 28:31 heran (59.). Aber Egelhof machte mit zwei Treffern alles klar.
SO SPIELTEN SIE
SG Zweibrücken: Zajac, 45. Dentzer – Jahn (7), Wöschler (3/2), Eberhard (6) – Hammann (3), Kroner (5) – Eisel (2) – Leufke (2), Abel, Reitz, Graeber