Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Seybold-Epting: Eine Tradition endet nach 149 Jahren

 Monika und Jörg Mischke ziehen sich aus gesundheitlichen Gründen zurück.
Monika und Jörg Mischke ziehen sich aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Gerne hätten Monika und Jörg Mischke ihr Familienunternehmen Seybold-Epting unter seinem eingeführten Namen ins 150. Geschäftsjahr geführt. Nun übernimmt ein anderer Betrieb das Traditions-Einzelhandelsgeschäft. Ein Jahr vor dem Jubiläum.

Eigentlich sind die beiden Geschäftsführer Monika und Jörg Mischke ja noch zu jung zum Aufhören. Doch in den vergangenen Jahren hatte das Ehepaar einige gesundheitliche Rückschläge einstecken müssen. Diese sind der Grund dafür, dass Jörg Mischke schon seit Längerem seiner Arbeit im Laden nicht mehr nachgehen kann. „Wir ziehen uns ausschließlich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Denn mir hat die Arbeit mit unseren Kunden bis zuletzt sehr viel Spaß gemacht“, versichert die 55-jährige Monika Mischke. Lange hatte sie gehofft, dass ihr Mann vielleicht doch noch mal würde ins Geschäft zurückfinden können. Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht.

Nun übergeben die Mischkes ihr Geschäft zum 1. April an Kind-Augenoptik. „Nahtlos und mit Übernahme aller Gewährleistungen unseren Kunden gegenüber. Und mit dem bisherigen Mitarbeiterstamm. Das war uns sehr wichtig“, betont Monika Mischke mit Nachdruck. Auch sie war zuletzt wegen einer Erkrankung bereits an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt.

Nach fünf Generationen ist Schluss

„Kind ist – wie wir – immer noch ein Familienbetrieb“, sagt Mischke über den neuen Eigentümer. „Ich habe das Unternehmen als freundlich kennengelernt. Ich habe ein gutes Gefühl dabei, dass Kind unser Geschäft nun übernimmt.“

Das Ende für das 1873 gegründete Zweibrücker Brillen- und Kontaktlinsenfachgeschäft Seybold-Epting als Familienunternehmen sei auch aus anderem Grund absehbar gewesen. „Weil Jörg keine eigenen Kinder hat, wäre mit der fünften Familiengeneration hier sowieso Schluss gewesen.“

Abschied mit einem Gläschen Sekt

Fast sämtliche 149 Jahre hindurch lag das Fachgeschäft an jener Stelle, an der es die Zweibrücker nun unter neuer Leitung auch weiterhin finden sollen. Nur kurz hatte der Familienbetrieb mal ein Ausweichquartier bezogen. „1956 sollte das Haus renoviert werden. Dann wurde die geplante Renovierung seitens der Stadtverwaltung gestoppt. Durch das Bauamt“, erzählt Monika Mischke. „Weil man beschlossen hatte, die Poststraße zu verbreitern. Die war früher schmäler. Am Haus selbst war damals nicht viel zu machen. Es war vom Zweiten Weltkrieg nicht stark beschädigt. Aber weil die Poststraße verbreitert wurde, musste das alte Haus abgerissen und neu aufgebaut werden. Für diese Zeit sind wir kurzfristig umgezogen, waren aber auch in der Hauptstraße.“

Aus Erzählungen hat sie gehört, „dass das wohl im Gebäude der späteren Hypo-Vereinsbank war. Ich selbst weiß das aber nicht, weil ich ja zu jung bin, um das miterlebt zu haben.“

Wie lange war Jörg Mischke im Geschäft? „51 Jahre. Oder sagen wir 50“, meint seine Frau. „Seit er laufen konnte. Da war er dann der Knirps im Laden“, antwortet Monika Mischke und lacht. In verantwortlicher Leitung stand der Augenoptiker-Meister seit 1993 im Laden.

Am 2. April verabschieden sich die Mischkes von 10 bis 16 Uhr mit einem Glas Sekt von ihrer Kundschaft.

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