Zweibrücken Sechs Frauen, ein Mann und nur wenige Requisiten

Wenn ein Paar sich das Eheversprechen gibt, dann soll die Beziehung währen, „bis dass der Tod euch scheidet“. Das Leben zeigt jedoch oft, dass dies reines Wunschdenken ist. Eine Erfahrung, die auch Thomas machen muss, der Held in der britischen Komödie „Darf ich noch auf eine Ohrfeige mit rauf kommen?“. Im Homburger Saalbau erlebte man das Stück am Donnerstag in einer zunächst gewöhnungsbedürftigen Inszenierung der Paderborner Agentur „Großstadt Entertainment“.
Thomas ist von seiner Ehefrau verlassen worden. Da sie dabei auch weite Teile des Mobiliars mitgenommen hat, ist die Wohnung des frischgebackenen Junggesellen entsprechend spärlich eingerichtet. Statt eines Sofas gibt es nur Getränkekisten, eine alte Standuhr dient als Multifunktionsschrank, und die Regale sind aus diversen Kisten gezimmert. So kann das nicht weitergehen, findet Thomas’ Busenfreundin Heike und kommt auf die Idee, mit Kontaktanzeigen für Thomas eine neue Frau zu suchen. Rund 90 Minuten lang erlebten die rund 300 Zuschauer in Homburg diverse Treffen und verblüffende Erkenntnisse über die Liebe und das Leben. Unübersehbar war bei der Homburger Aufführung, dass die Inszenierung dieser Komödie ganz an die Finanznot der Veranstalter angepasst war. Nur zwei Personen spielten mit, wobei die eine Schauspielerin gleich sechs unterschiedliche Frauen verkörperte. Das Bühnenbild aus diversen bemalten Pappmaché-Elementen brauchte sicherlich keinen eigenen Bühnentechniker, denn es konnte ohne Probleme vom Thomas-Darsteller mit wenigen Handgriffen vom Wohnzimmer zum Flugterminal umgebaut werden. Das alles irritierte nicht nur verwöhnte Theater-Zuschauer. Zum Glück schufen die Leistungen der beiden Darsteller einen gewissen Ausgleich für die magere Optik der Sparkomödie. Das Miniensemble bestand aus der Kölner Schauspielerin Tanja Baumgart und ihrem Kollegen Christian Holdt. Der spielte mit viel Tempo überzeugend den sitzengelassenen Ehemann, der sich zunächst in sein trauriges Schicksal fügt. Drei mehr oder weniger qualvolle Ehejahre haben bei ihm ihre Spuren hinterlassen, und so sieht man den Mittdreißiger zu Anfang mit Morgenmantel und Staubsauger über die Bühne eilen. Doch bei den Treffen mit diversen Heiratskandidatinnen erwacht Thomas schnell aus seiner Lethargie und gibt mit tollpatschigem Charme den Freizeitcasanova. Engagiert und facettenreich legte Christian Holdt seine Rolle an, und damit weckte er schnell die Sympathien des Publikums. Weit komplizierter wurde die Sache für Tanja Baumgart. Denn sie musste eben sechs ganz unterschiedliche Frauen spielen, die das Leben von Thomas reichlich durcheinanderbringen. Zunächst die patente Busenfreundin Heike, dann die kühl auftretende Domina Svetlana. Ganz gegenteilig Ökoaktivistin Josy oder die quirlige junge Frau vom Flughafen. Tanja Baumgart spielte ihre Rollen so gekonnt, dass man zunächst gar nicht auf die Idee kam, es handele sich nur um eine einzige Person. Witzig und temporeich konfrontierte sie das Publikum mit unterschiedlichen Temperamenten. Dass diese letztendlich nicht als neue Partnerinnen des Helden der Komödie taugten, war zu vermuten. Auch das Happy End, als Thomas und Heike endlich erkennen, dass sie zusammengehören, war eigentlich schon von Anfang an vorhersehbar. Aber das tat dem Spaß im Homburger Saalbau an diesem Abend letztendlich keinen Abbruch. Regisseur Jan Käfer vermochte trotz magerer Ausstattung von Bühnenbild und Personal einen soliden Theaterabend zu inszenieren. Unterhaltsam und temporeich wurde das Publikum in die Welt der „Beziehungskisten“ geführt − und mancher Zuschauer dürfte sich in der Komödie „Darf ich noch auf eine Ohrfeige mit rauf kommen?“ wiedererkannt haben.