Zweibrücken Schwimmbadkurve statt Copacabana
ZWEIBRÜCKEN. Wenn morgen ab 13.30 Uhr auf der Zweibrücker Rennwiese der Sommerrenntag nachgeholt wird, sitzt Larissa Bieß wieder im Rennsattel. Die 25-Jährige wurde für ihr Heimrennen zweimal gebucht, beide Male hat sie Chancen auf eine vordere Platzierung. Derzeit tanzt die Studentin aus Münchweiler auf zwei Hochzeiten: Sie vertritt Deutschland in der Fegentri, der Weltmeisterschaft der Amateurrennreiter, und sie führt seit Sonntag wieder die deutsche Rangliste an.
Zwei Siege in Honzrath – einmal für Startrainer Maria Hofer, einmal für den Bottenbacher Christian Peterschmitt – brachten ihr die Saisonerfolge acht und neun ein und damit auch die Führung im Amateurrennreiterinnen-Championat. Jetzt ist sogar die Titelverteidigung möglich – ein Ziel, das Bieß gar nicht auf dem Zettel hatte. Doch seit Ende August rollt sie das Feld von hinten auf. Siege in Miesau, Lebach und Mannheim, Doppelerfolge in Billigheim und zuletzt in Honzrath führten sie an Eva Herresthal vorbei. In der Fegentri-Weltmeisterschaft liegt Bieß derzeit auf Rang vier. „Es ist ungewöhnlich, dass ich so weit vorne bin, weil ich noch kein Rennen gewonnen habe“, erzählt sie. Gewonnen hat sie aber viele neue Eindrücke von den Rennbahnen in aller Herren Länder, wo sie als Botschafterin des deutschen Amateurrennsports starten darf. Brasilien, die USA, der Nahe Osten und Europa waren die Ziele auf der Bieß’schen Weltreise. „Das macht unheimlich Spaß, auch wenn man nicht immer so viel Zeit hat“, berichtet sie. Weil sie bereits im letzten Semester ihres Lehramtsstudiums ist, im Oktober ihr Referendariat beginnt, konnte sie so viel Zeit für die Reisen aufbringen. Wenn Larissa Bieß von Rio erzählt, wo sie im März reiten durfte, strahlt sie. „Das war so toll. Die Leute sind völlig durchgedreht, als sie die Rennreiterinnen gesehen haben, das war wahnsinnig“, schildert sie die Begeisterung, die den Reiterinnen aus 14 Nationen entgegenschlug. „Amerika war auch eine supertolle Erfahrung, da waren wir mit richtigen Pferdemenschen zusammen“, berichtet sie von ihrem USA-Trip. In Rio blieb der Fegentri-Tross fünf Tage, Bieß besuchte die Copacabana und die Christusstatue. In Amerika hatte sie vier Ritte, blieb eine ganze Woche. „Da habe ich viel gesehen vom Land“, erzählt sie. Wenn sie in Europa unterwegs ist, sind es oftmals nur Tagesreisen zu den Rennen. Der Stellenwert der Frauenrennen sei in den Ländern ganz unterschiedlich, das gelte auch für die Rolle der Frauen im Rennsport. „In Frauenfeld in der Schweiz war unser Rennen das Hauptrennen, in Chantilly wird man mit aufs Podest gestellt“, beschreibt Bieß die Unterschiede bei der Wertigkeit. Und dennoch hat die Bahn in Chantilly sie am meisten beeindruckt. „Ich genieße das einfach und finde es toll, dass das so super geklappt hat“, sagt Bieß. Eine Konkurrenzsituation gebe es unter den 14 Rennreiterinnen nicht. „Eigentlich mag ich sie alle“, bemerkt sie. Wenn sie länger unterwegs sind, teilt sie sich das Zimmer mit der Norwegerin Silja Storen, mit der sie sich gut versteht. „Schweden war richtig toll, das ist eine der besten Sandbahnen überhaupt“, erzählt Bieß. Wobei die Skandinavierinnen einen größeren Aufwand betreiben, um zu ihren Rennen zu kommen. „Die fliegen in ganz Skandinavien hin und her, egal ob Dänen, Norweger oder Schweden, die reiten immer zusammen.“ Zwei Ziele verfolgt Larissa Bieß auf der Fegentri-Tour: Sie möchte noch ein Rennen gewinnen – sie hat in Europa noch zwei Gelegenheiten in Wien und Pisa – und sich als eine der besten sieben Rennreiterinnen für das Finale qualifizieren. Das ist Anfang Dezember auf Mauritius.