Zweibrücken Schwebende Klänge zum Jubiläum

Es sind schöne Klänge, die am Sonntagnachmittag durch die Martin-Luther-Kirche in Contwig hallen. Organist Christoph Jakobi aus St. Ingbert fühlte sich geehrt, die Orgel zu ihrem 175. Jubiläum spielen zu dürfen. Unterstützt wurde er bei manchen Liedern von Jessica Weißenauer an der Querflöte. Zusammen bildeten die beiden ein harmonisches Duett.
Die Kirche ist mit ihren weiß gestrichenen Bänken und der erhöhten Kanzel ein Hingucker. Noch beeindruckender ist die ebenfalls in Weiß gehaltene Orgel, die hinter dem Publikum thront, was den Nachteil hat, dass man Jakobi und Weißenauer nicht beim Spielen zuschauen kann. Die Stumm-Orgel ist an diesem Sonntagnachmittag das Geburtstagskind. Das Jubiläum wollte Pfarrerin Silke Gundacker gebührend würdigen, als sie zum Konzert einlud. 30 Gäste sind zur Feier gekommen. Einer der Höhepunkte des Konzerts ist das berührende Lied „When the Love Falls“ (im Lied in deutscher Übersetzung: „Liebe fällt aus mir heraus“) von Yiruma. Die Vertonung des 2001 veröffentlichten Songs des südkoreanischen Komponisten und Pianisten spielen Weißenauer und Jakobi gemeinsam. So hat man das Lied noch nicht gehört: In ganz neuer Form wehen weiche Orgeltöne durch die Kirche, harmonisch ergänzt von zarten Querflöteklängen. Teilweise legt sich der Klang des Holzblasinstruments ganz sanft über die Fülle der Orgel und erzählt so die Geschichte von Leid, Tod und Liebe, ohne dass auch nur ein Ton gesungen werden muss. „Die Stumm-Orgel wurde erbaut, als Mendelssohn in die Pfalz kam“, gibt der Organist Einblick in die Entstehungsgeschichte der altehrwürdigen Orgel. 1843 wurde sie von den Gebrüdern Franz Heinrich und Carl Stumm gebaut, die die vierte Generation der Stummschen Orgeldynastie bildeten. Ihre Arbeit war und ist beeindruckend, denn: „Die Stumm-Orgel ist die älteste erhaltene Orgel in den west- und saarpfälzischen Dekanaten Zweibrücken und Homburg“, zeigt Christoph Jakobi sich begeistert. Und das nutzt der Organist aus. Beim „Präludium in G-Dur“ aus op. 37 Nr. 2 von Felix Mendelssohn Bartholdy lässt Jakobi in gekonnter Virtuosität die Finger über die Tasten gleiten, die stellenweise ein paar Hänger hat. Diesen Effekt hat man oft bei älteren Orgeln: Die schweren Tasten lassen sich nicht mehr so gut anschlagen und gleiten dann nur schwer wieder nach oben. Das tut dem Orgelkonzert aber keinen Abbruch. Dem Publikum gefällt der Nachmittag gut. „Es hat mir durchweg gut gefallen“, meint eine Zuhörerin. „Er spielt die Lieder weicher und freundlicher als andere Organisten, nicht so hart. Ich gehe sowieso gern zu Christoph Jakobi.“ Zweifellos ist Jakobis Spiel brillant, aber die Orgel selbst hat im Vergleich zu anderen in der Umgebung keinen allzu guten Klang mehr. So hat die Orgel der protestantischen Kirche zu Battweiler einen volleren, schöneren Klang. Silke Gundacker selbst schreibt auf der Homepage der Kirchengemeinde Contwig: „Leider ist ihr Zustand durch häufige Renovierungen in den vergangenen Jahren schlecht geworden.“ Wichtige Holzteile seien durch Metallteile ersetzt worden, und der Klang habe gelitten. Dies hat man im Jahr 2005 geändert, als die Orgel für 97 000 Euro renoviert und in ihren Ursprungszustand zurückversetzt wurde. So schön die insgesamt 13 Lieder sind – eines fällt aus der Reihe: Das Choralvorspiel „Eine feste Burg“ aus op. 79 b Nr. 2 von Max Reger reiht viele Misstöne aneinander – zwar gewollt, aber in dieser Form zu viel der Disharmonie. Ausgerechnet bei diesem Stück wechselt der Klang der Orgel – ohne dass Jakobi dies hätte steuern wollen – in harte, brüske Töne. Dafür kann Jakobi aber nichts: Das liegt schlicht und einfach am Alter der Orgel. Alle anderen Lieder aber waren ein purer Genuss. Leicht gespielt und umrahmt vom wunderschönen Spiel Weißenauers. Am Ende des Konzerts kommen die beiden nach vorne. „Ich fühle mich geehrt, auf einer so schönen Orgel spielen zu dürfen“, lautet Jakobis Fazit. Ein würdiger Geburtstag einer an Altersschwäche leidenden Orgel.