Zweibrücken
Schicksale von 4000 Zwangsarbeitern
„Wir sind alle fleißig am Schreiben. Verschiedene Leute schreiben verschiedene Teile des Buches“, erzählt Schanne-Raab auf Anfrage. Ziel sei es, im Sommer mit der Schreibarbeit fertig zu sein und noch in diesem Jahr das geplante Buch zu veröffentlichen.
Nachdem vor 20 Jahren das Buch „Zweibrücken unter dem Hakenkreuz“ erschien, das sich mit dem Schicksal der jüdischen Mitbürger beschäftigt, solle nun Band zwei erscheinen, ein Buch über die Zwangsarbeiter, erklärt Schanne-Raab. Band eins über die Stationen jüdischen Lebens war ebenfalls von einem VHS-Arbeitskreis erstellt worden, damals unter Leitung des damaligen VHS-Leiters Michael Staudt. Dennoch wird es entscheidende Unterschiede zwischen beiden Bänden geben, wie Schanne-Raab andeutet: „In dem Buch über das Schicksal der Juden gibt es sehr viele Einzelgeschichten. Bei uns sind die Fallbeispiele eher kurz und werden in einen größeren Zusammenhang gestellt.“ Dies sei auch dem Umstand geschuldet, dass zu Juden sehr viel mehr geforscht worden sei als zu Zwangsarbeitern.
Erst in den 1980er Jahren habe man mit Studien zu Zwangsarbeitern begonnen und dies in erster Linie überregional. „Auf regionaler Ebene ist da wenig passiert“, so Schanne-Raab. Hier in der Region sei lediglich vor knapp zwei Jahren das Buch zu Zwangsarbeitern in der Völklinger Hütte erschienen.
Für Zweibrücken nennt Schanne-Raab Iwan Kluczynski, der aus der Ukraine kam und auf dem Bickenaschbacherhof nahe Mittelbach arbeitete. Sein Schicksal diene als Aufhänger, die Gruppe der Zwangsarbeiter aus der Ukraine zu beleuchten. Grundsätzlich sei die Auswertung der Datenmengen, die man habe, „mühsam“, merkt Schanne-Raab an. Man verfüge über Daten von mehr als 4000 Zwangsarbeitern, zusammengetragen durch tagelange Suche an den Computern des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen. Dort hielt sich die kleine, nicht einmal zehn Personen zählende Forschergruppe mehrmals auf. Auch kurze Porträts der Firmen, in denen die Zwangsarbeiter beschäftigt waren, wie etwa Dingler, Lanz, Buchholz, Dorndorf, versuche man einzuflechten, ebenso wie Informationen zu dem, was die Leute verdienten. So lägen beispielsweise auch Lohnabrechnungen von Kriegsgefangenen vor, die bei der Herzog-Wolfgang-Stiftung arbeiteten. Ein besonderes Augenmerk habe man auf Krankenakten des Katholischen Krankenhauses gelegt, ergänzt sie. Das Projekt „Demokratie leben!“ bezahle den Druck. Schanne-Raab: „Wir haben einen Antrag gestellt und dafür Geld gekriegt.“ Für eine Hochglanzproduktion reiche es freilich nicht, doch das sei auch nicht notwendig. Wenn es so weit sei, müsse man mit Druckereien in Verhandlung treten, dann werde auch über das Format entschieden. Der Druck des Buches „Zweibrücken unter dem Hakenkreuz“ wurde Schanne-Raab zufolge von einem privaten Sponsor finanziert.