Zweibrücken Saatkrähen-Sterben in Zweibrücken: Experten äußern sich
Peter Spieler vom Naturschutzbund (Nabu) im Zweibrücker Land schließt weitgehend aus, dass Saatkrähen in der Zweibrücker Allee vergiftetes Futter gefressen und an ihre Jungvögel verfüttert haben. Das sagte er auf Anfrage. Seine Einschätzung teilt auch Wolfgang Fiedler, Biologe der Vogelwarte des Max-Planck-Institutes in Radolfzell am Bodensee.
Saatkrähen seien Fußgänger, die Nahrung am Boden suchen. Fiedler und Spieler sind sich deshalb einig, dass Saatkrähen von ihrer Brutkolonie hinausfliegen in die Graslandschaft und auf Felder, um Nahrung zu suchen. Die Saatkrähe bevorzuge weichen Boden, wo sie mit dem Schnabel nach Insekten, Larven, Engerlingen, Würmern, Mäusen, Kleintieren, Gelegen von Vögeln, und Nacktschnecken stochert. Bei einem Futterengpass würden auch Nahrungsreste auf Mülldeponien und Aas auf Straßen gesammelt. Beliebt seien bei Saatkrähen frisch bestellte Felder. In der Milchreife fressen sie laut Fiedler und Spieler auch Getreidekörner und Mais. Den festgetretenen und festgefahrenen Untergrund in der Allee meiden sie laut Spieler eher, ebenso wie sonstige befestigte Flächen. Demnach hätte das Auslegen von Gift unter den Brutbäumen keine Wirkung gezeigt. Es gab auch keine toten Tauben, die dort von Spaziergängern häufig gefüttert werden, sodass vermutlich kein Gift im Spiel sei, sagt Spieler. Er führt noch eine andere Beobachtung ins Feld, die er im Frühjahr gemacht habe. Es sei bereits im April für diese Jahreszeit viel zu heiß gewesen. Die Wetterlage habe den Jungtieren stark zugesetzt, da sie nur über das Futter aus dem Kehlsack der Eltern ein wenig Feuchtigkeit aufnehmen können. Das habe die Jungtiere deutlich geschwächt.
824 Nester in der Allee
Die Untersuchung von toten Zweibrücker Saatkrähen in einem Münchner Labor ergab zwar, dass sich in einer Krähenleber ein Rückstand von Rattengift fand. Doch laut Spieler stellt sich die Frage, ob dies eine tödliche Dosis war. Er erhofft sich Klarheit, wenn die nun damit befasste Staatsanwaltschaft die Gutachten genau unter die Lupe genommen hat. Es komme auch immer wieder vor, dass Vögel Nahrung an ihren Nachwuchs verfüttern, an der Spritzmittel gegen Schädlinge haftet, das die Jungvögel nicht vertragen. Deshalb finde man in Nistkästen immer wieder komplett verendete Bruten. Spieler zählt seit rund zwei Jahrzehnten die Krähenvorkommen in Zweibrücken für die Untere Naturschutzbehörde. Er zählt jedoch nur die Nester, was deshalb geht, weil jeder Baum eine Nummer hat. 2018 zählte er 824 Nester in der Allee. Dies sei der bisher höchste Wert gewesen. Der Zuwachs habe sich dadurch ergeben, dass ein anderes Wohngebiet der Vögel verloren ging. 2017 verteilte sich der Bestand von 658 Nestern auf Dr.-Ehrensberger-Straße, Allee und Rennwiese. 2016 gab es zusammen 565 Nester.
Hoher Verlust an Jungvögeln
Die genaue Zahl der Vögel zu ermitteln, ist laut Spieler unmöglich. Bei den Krähen habe man wie bei vielen anderen Vögeln einen hohen Verlust an Jungvögeln. Bei Gelegen mit vier bis fünf Eiern kämen in der Regel nur zwei Jungtiere durch, so Spieler. Zudem würden nicht alle vorhandenen Nester besetzt. Feinde der Saatkrähen sind vor allem Parasiten und Rückstände von Pestiziden, so die Vogelkundler. Außerdem Uhu, Habicht, Steinmarder, Baummarder, Falken und ungünstiges Wetter bei der Aufzucht der Jungvögel. Die Auswirkungen natürlicher Feinde seien in einer Kolonie jedoch bescheiden, da sich die Krähen im Verbund gegen die Eindringlinge wehren. Der Habicht sei bei uns selten geworden, und der große Uhu könne im dichten Baumbestand auch nur begrenzt jagen. Spieler: „Wegen natürlicher Feinde werden die Krähen ihren Platz in der Stadt nicht verlassen.“
Unter Artenschutz gestellt
Biologe Fiedler findet es eigentlich erfreulich, dass es eine so stabile Kolonie in Zweibrücken gibt. Vor zwei Jahrzehnten galt die Saatkrähe als vom Aussterben bedroht. Sie wurde unter anderem mit Schrot und vergifteten Eiern bejagt. Deshalb wurde sie unter Artenschutz gestellt. Wie mehrfach berichtet, wurden im Mai Hunderte tote Krähen in der Allee gefunden. Tierschützer vermuten eine Vergiftung, die Pollichia hat Strafanzeige gegen unbekannt erstattet.