Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel S-Bahn: Saar-Grünen-Chef will Güterwaggons rollen sehen

John Deere transportiert seine großen Erntemaschinen wie diese Feldhäcksler bisher mit Lastern, die zuweilen als überbreite Schw
John Deere transportiert seine großen Erntemaschinen wie diese Feldhäcksler bisher mit Lastern, die zuweilen als überbreite Schwertransporter auf der Autobahn unterwegs sind. Das Unternehmen plant nach eigenen Angaben nicht, vom Lastwagen auf die Schiene umzusteigen, obwohl die neue, alte Bahnstrecke durchs Firmengelände verläuft .

Noch bis zum 7. Mail liegen die Pläne der S-Bahn-Verlängerung im Zweibrücker Bauamt aus. Das Planfeststellungsverfahren läuft, spätestens 2025 sollen Züge über die 11,4 Kilometer lange Strecke rollen. Personenzüge. Der saarländische Bundestagsabgeordnete Markus Tressel würde gerne auch Güterwaggons sehen.

Die Deutsche Bahn, Netz, die das Planfeststellungsverfahren betreibt, stellt klar, dass auf der in wenigen Jahren reaktivierten Verlängerung der S-Bahn zwischen dem Homburger und Zweibrücker Bahnhof nur Personennahverkehr vorgesehen ist. Bedarf für Gütertransporte wurde bei den seit 2000 zäh laufenden Gesprächen zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz nicht gesehen. Der rheinland-pfälzische Projektbeauftragte, Beauftragter der Ministerpräsidentin für grenzüberschreitende Verkehre, Werner Schreiner, verweist auf die Verständigung, das zuletzt auf 37 Millionen Euro Gesamtkosten geschätzte Projekt nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz zu stemmen. Vorgesehen ist die Verbesserung der Schienenpersonennahverkehr, Alltagsverkehr wie touristische Verkehre. Kein Gütertransport.

Der Landesvorsitzende der Grünen im Saarland, Markus Tressel, Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages, unterstützt seit Jahren die Reaktivierung, sieht in der Ausklammerung von Gütertransport eine verpasste Chance. Eine Anfrage beim zuständigen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, hatte ergeben, dass die 1989/1991 stillgelegte Strecke zwar für hohe Belastungen (Klasse D) ausgebaut, elektrifiziert wird, „eine regelmäßige Nutzung für den Güterverkehr nur auf dem ersten Teilstück im Bereich des Homburger Bahnhofs vorgesehen ist“. Tressels Argument: „Richtigerweise legen wir heute bei der Ausweisung neuer Industriegebiete Wert darauf, dass Schienenanschlüsse wo immer möglich mitgeplant werden. Güterverkehr muss so weit wie möglich von der Straße geholt werden. Auch reaktivierte Strecken sollten dazu dienen.“

Aber wo ist der Bedarf? Tressel fordert insbesondere, die große Massen bewegenden Zweibrücker Maschinenbauer Tadano-Demag, John Deere sowie Bahnanrainer Paletten Gölz anzusprechen. Die Antwort kommt prompt: John Deere plane keine Nutzung der Schiene, heißt es kategorisch vom Erntemaschinen-Werk. Auch Axel Gölz von Paletten Gölz winkt ab: „Wir haben gar keinen Bedarf für die Schiene.“ Von den Kunden habe kaum einer einen Bahnanschluss, von daher fehle definitiv der Absatz. Gölz hatte vor einigen Jahren einen eigenen LKW-Fuhrpark aufgebaut, gerade um die in Zweibrücken gefertigten Euro-Paletten und Spezialmaße punktgenau und minutengenau anliefern zu können. „Das wird gefordert. 26 unserer 31 Zugmaschinen fahren mit Flüssiggas und wir strecken unsere Fühler auch schon nach Wasserstoffantrieb aus. Wir tun was“, sagt Axel Gölz. Und wiederholt: Schienenverkehr sei für Gölz keine Option. Kranbauer Tadano-Demag äußerte sich nicht.

Der Verkehrspolitiker der Grünen hält die momentane Bedarfsanalyse für zu kurz gedacht. „Ich bin mir sicher, dass bei künftigen Ansiedlungsanfragen Schienentransportmöglichkeiten eine entscheidende Rolle spielen werden. Auch für die strukturelle Entwicklung der Südwestpfalz.“ Dazu müsste aber auch auf der Strecke Landau-Rohrbach, an der Zweibrücken liegt, Güterverkehr wieder eine Rolle spielen. Das tut er seit Anfang des Jahrtausends nicht.

Tressel gibt unumwunden zu, dass es ihm und den saarländischen Grünen, insbesondere den Homburger Grünen, auch darum geht, Argumente gegen den Neubau der Bundesstraße 423, Ortsumgehung Schwarzenbach/Schwarzenacker, ins Feld zu führen. Das naturbelassene Naherholungsgebiet Mastau, die Bliesaue im Beedener Bruch, dürfe als wichtiger Lebensraum von gefährdeten Tieren und Pflanzen, nicht einem Straßenneubau zum Opfer fallen. Wenn es gelänge, auf der Trasse der S-Bahn-Verlängerung nach Zweibrücken neben Personenbeförderung auch Güterverkehr auf die Schiene zu bringen, wäre nach Meinung der Grünen dem Bauvorhaben B 423 die Grundlage entzogen. Der Homburger Stadtrat sieht dies in Mehrheit anders, drängt auf den bereits in Verzug befindlichen Bau. Auch das saarländische Verkehrsministerium hatte jüngst erneut versichert, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um den Baubeginn bald zu ermöglichen.

Mähdrescher.
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