Zweibrücken
Rundgang über den Friedhof: Zeitreise durch Zweibrückens Geschichte
Der Hauptfriedhof ist besonders. Das sagt Heiko Wunderberg, beim Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) für die Friedhöfe verantwortlich. Es ist nicht der älteste Friedhof in Zweibrücken. Besonders aber ist seine Geschichte. Die wohl ältesten Friedhöfe im Stadtgebiet gehen auf Kelten und Römer zurück. Der Friedhof der Kelten war beim Kugelfangwald, der römische am Ende der August-Bebel-Straße in Ernstweiler und am Niederauerbacher Kissel, berichtet Wunderberg. Der erste christliche Friedhof ist der in Wattweiler: Eine Urkunde aus dem Jahr 1180 zeugt von einer Kirche mit angrenzendem Friedhof. „Und der Friedhof in Wattweiler ist noch immer in Betrieb.“
Nachdem Zweibrücken Stadtrechte bekommen hatte und als Festungsstadt dalag, gab es die Alexanderkirche. Dahinter war aber kein Platz für einen Friedhof, weil dort die Stadtmauer entlangführte. Der Friedhof war deshalb dort, wo sich jetzt die Straße „Winkel am Wall“ befindet − beim heutigen katholischen Krankenhaus. Diese Fläche wurde aber oft überflutet und war irgendwann zu klein. Also musste der Hauptfriedhof umziehen. „Man war sich einig, dass er überm Spital angelegt werden sollte. Das Spital war da, wo jetzt Radsport Sieber ist“, sagt Wunderberg.
Landstraßen-Bau hat Friedhof beschnitten
Der erste Abschnitt des Hauptfriedhofs war dort, wo heute der Bahneinschnitt entlang führt. 1870 folgte die erste Erweiterung nach oben, 1892 die zweite in Richtung Vogelgesangstraße. Weil zwischenzeitlich der Bahneinschnitt samt Landstraße gebaut wurde, fiel ein Großteil des alten Hauptfriedhofs weg, erklärt Wunderberg. Viele der Grabsteine wurden umgesetzt – die ältesten, die heute noch vorhanden sind, stammen aus den Jahren 1791 und 1792. Der ältere Grabstein ist jener von Peter Joseph Faber, der nur 27 Jahre alt wurde. Der Stein aus dem Jahr 1792 gehört zum Grab von Georg Cochard.
Alte Grabsteine, pompöse Familiengräber, manche sogar samt Gruft, sind auf dem Hauptfriedhof zu finden. Die meisten tragen alte Zweibrücker Familiennamen. Wunderberg zeigt beim Rundgang mit der RHEINPFALZ auf die pompösen Gräber der Familie Hofenfels, Mannlich, Pörringer und Lützel. Manch Familiengrab ist noch in einem guten Zustand. Die Familie Heck hat ihres erst vor wenigen Jahren – bei der jüngsten Beisetzung – für etliche Tausend Euro saniert. Ist keine Familie mehr da und handelt es sich um ein Grab mit besonderer Bedeutung, dann steht dieses meist unter Denkmalschutz. „Der ganze Friedhof ist eine Denkmalzone. Wir haben hier aber mindestens 40 denkmalgeschützte Gräber.“
Zeichen für ein aufgeklärtes Zweibrücken
Der Hauptfriedhof ist für Wunderberg aber aus einem weiteren Grund besonders. Für den UBZ-Mann steht er sinnbildlich für das aufgeklärte Zweibrücker Bürgertum. Er verweist auf die Gräber der Familie Ritter, die früher die Druckerei besaß, in der die Flyer zum Hambacher Fest angefertigt wurden. Dann zeigt Wunderberg auf die Ehrenstatur Napoleons. Am Kriegerdenkmal inmitten des Hauptfriedhofs sind sowohl französische Soldaten als auch die des Kaiser Wilhelms bestattet − zu erkennen daran, das manch Kreuz mit einer Kaiserkrone geschmückt ist, die anderen nicht. Und gegenüber liegt dann laut Wunderberg noch der jüdische Friedhof. „Für die Zweibrücker war damals klar, dass ihre jüdischen Mitbürger auf dem gleichen Friedhof bestattet werden.“
Die Grab-Regeln im jüdischen Teil sind etwas anders. Im Judentum glaube man daran, dass die Gräber für immer in Ruhe gelassen werden sollen, sagt Wunderberg. Bei den Christen sei das anders. Deshalb sehen die Grabsteine auf dem jüdischen Abteil auch sehr verwittert aus. Familien, die sich um die Pflege kümmern, gibt es − vor allem wegen des Holocausts − keine mehr. Darum kümmert sich die Stadt. „Wir bekommen von der ADD eine Pflegepauschale“, schildert Wunderberg. Viele der jüdischen Gräber stammen aus der Zeit vorm Dritten Reich. „Die Nazis haben die Gräber geschändet, abgeräumt und neu belegt“ – für die Juden eine weitere Erniedrigung, befindet Wunderberg. Die Amerikaner haben die Gräber nach dem Krieg neu aufgebaut.
Friedhofsführung
Heiko Wunderberg veranstaltet in den kommenden Wochen mehrere Friedhofsführungen in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule. Der nächste Termin ist am Samstag, 30. August, 14 bis 15.30 Uhr.