Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Roman von Claudia Birkheuer: „Hör mit dem blöden Zeichnen auf!“

Das Cover hat die Autorin selbst gemalt.
Das Cover hat die Autorin selbst gemalt.

In ihrem dritten Roman „Anna“ bleibt Claudia Birkheuer dem künstlerischen Milieu treu: Die Autorin, die auch Malerin ist, beschreibt den Weg einer jungen Frau, die eine künstlerische Bestimmung in sich fühlt.

„Hör’ endlich mit dem blöden Zeichnen auf und hilf' mir! Du hast nur Flausen im Kopf.“ Schon mit dem ersten Satz des Buches wird klar: Anna Leitner hat es nicht leicht. Das junge Mädchen soll Köchin werden und mit ihrer alleinerziehenden Mutter Margit deren Düsseldorfer Altstadtkneipe betreiben, ihren Vater kennt sie nicht.

Von Kindesbeinen an hat Anna gezeichnet. Doch dieses Talent stößt in ihrer Umgebung auf Unverständnis, ihre Mutter hat nichts übrig für „brotlose Kunst“. Nur ein Stammgast, der Lehrer und ehemalige Maler Heiner Walther, Absolvent der Düsseldorfer Kunstakademie, erkennt ihre Begabung und ermutigt sie.

Kochlehre abgebrochen

Während ihrer Kochlehre wird Anna bewusst: Das ist nicht ihr Leben. Also bricht sie kurz vor der Prüfung ab und nimmt mit der Abendkasse ihrer Mutter Reißaus nach München. Durch Zufall wird der Künstler Ron Sullivan auf sie aufmerksam. Er ist von Annas Bildern so beeindruckt, dass er sie als Mäzen fördert und in seine Künstlerfinca auf Fuerteventura einlädt. Dort trifft sie Simon Dunst, Rons Assistenten, einen erfolglosen Maler, der sich als versierter Agent und Manager erweist.

Annas erste Bilder verkaufen sich gut, renommierte Galerien stellen sie aus. Anerkannte Künstler suchen den Kontakt zu ihr, auch Marc van der Bellen. Annas Erfolg weckt Simons Neid. Er ist als Heimkind aufgewachsen und sieht jetzt seine Chance auf Anerkennung und ein gutes Leben. Als Ron für längere Zeit nach München fährt, schließt Simon Anna auf der Finca ein, zwingt sie zum Malen und verkauft ihre Bilder als seine eigenen Werke.

Angst vor der Heimatstadt

Nach Monaten wird Anna befreit, der Schwindel fliegt auf. Der darauffolgende Presserummel fördert Annas Karriere. Eine Ausstellung in ihrer Heimatstadt Düsseldorf ist geplant, außerdem wird Simon Dunst dort vor Gericht gestellt. Anna hat panische Angst vor der Rückkehr in ihre Heimatstadt, weil sie Ron über ihre Herkunft belogen hatte. Doch sie überwindet sich und gesteht Ron ihre wahre Geschichte.

Durch einen Zufall keimt in ihr die Vermutung auf, Marc von der Bellen könne ihr Vater sein. Denn ihre Mutter hat ihr immer erzählt, dass sie beim Karneval einen One-Night-Stand mit einem als Pirat verkleideten Mann hatte. Nach einem positiven Vaterschaftstest besuchen sie gemeinsam ihre Mutter.

Späte Liebe

Zwischen Marc und Margit entspinnt sich eine späte Liebesgeschichte mit Happy End. Marc stimmt zu Annas Befremden vielen Ansichten Margits zu, vor allem , was den Künstlerberuf anbelangt. Selbst für Simon nimmt alles einen glücklichen Ausgang: Er übernimmt Margits Kneipe, als sie zu Marc nach Fuerteventura zieht.

Claudia Birkheuer erweist sich auch in ihrem dritten Roman als eine gute Erzählerin. Flüssig und spannend geschrieben, rollt sie vor dem Leser die verschiedenen Stationen im Leben einer jungen Frau auf – nicht einer durchschnittlichen jungen Frau, sondern einer begabten Künstlerin, die ihren Weg finden muss.

Seifenoper-Züge

„Anna“ fängt vielversprechend in der Tradition der Entwicklungsromane an. Mit großem Einfühlungsvermögen zeichnet Birkheuer (Jahrgang 1955) das Bild einer jungen Frau auf der Suche nach ihrer Persönlichkeit und ihrer Lebensaufgabe. Doch der interessante psychologische Ansatz des Künstlerromans flacht immer mehr ab. Der Plot nimmt jedoch zunehmend Züge einer Seifenoper mit Fortsetzungen an und bedient – ungeachtet guter Szenekenntnisse der Autorin – gängige Klischees über das Leben von Künstlern und wird immer vorhersehbarer. Ebenso die auftretenden Komplikationen in Annas Leben, wie die kriminelle Attacke Simons, die sich nach durchaus beklemmenden Momenten in eitel Sonnenschein auflöst.

Die Darstellung innerer Konflikte verliert an Tiefgang, Rosamunde Pilcher lässt grüßen. Die sprudelnde Originalität, die Claudia Birkheuers zweiten Roman „Seven“ (2020) ausgezeichnet hat, sucht man hier vergebens. Stereotype Schemata bestimmen mehr und mehr sowohl die Handlung als auch die Entwicklung der Charaktere. Am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf, ein sehr konstruiert wirkendes Happy End à la „Traumschiff“.

Lesezeichen

Claudia Birkheuer: „Anna“, Roman, Neue Folzsche Verlagsanstalt für Aesopterik, Homburg 2023, 223 Seiten, 22 Euro. Erhältlich in der Galerie Beck in Homburg-Schwarzenacker und im Buchhandel.

Claudia Birkheuer
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