Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Roberto Capitoni liebt Italien

Man sieht ihm an, wie sehr es ihn beutelt, dass ein halber Schwabe und ein halber Italiener in ihm wohnen: Roberto Capitoni (62)
Man sieht ihm an, wie sehr es ihn beutelt, dass ein halber Schwabe und ein halber Italiener in ihm wohnen: Roberto Capitoni (62) erzählt in Zweibrücken von Kulturunterschieden, Sex und seiner Kindheit.

Der schwäbische Italiener Roberto Capitoni war in der Zweibrücker Alten Feuerwache am Samstag gut in Form. Sein Comedyprogramm bot Gesellschaftskritik, eine Zuhörer-Zurechtweisung, und brisant-orgastische Enthüllungen.

Immer, wenn er von seinem geliebten Italien redet, mutieren seine Augen zu riesigen Tellern. Roberto Capitoni kommt gut gelaunt auf die Bühne in der Zweibrücker HHG-Halle. „Wir haben volles Haus“, meint er selbstironisch, und lässt den Blick über die nur gut 25 Besucher schweifen. „Wir haben gesagt: Wir laden nur die intelligenten, hübschen und klatschfreudigen ein. Davon gibt“s nicht so viele in Zweibrücken.“ Vielleicht wollten die nach dem Straßentheaterspektakel auch schnell nach Hause – denn dazu gehört sein Auftritt, quasi als Beitrag zum Kultursommer-Motto „Sterne des Südens“.

Seine gute Laune verflüchtigt sich so schnell wie der Wasserdampf beim Pasta-Kochen. Denn der 62-jährige Comedian ist innerlich zerrissen. Im Allgäu geboren, schlummert auch ein Italiener in ihm, der raus will aus dem allzu deutschen Käfig der Spießigkeit. Der Halbitaliener – aber nur, wie er sagt, ab der Hüfte abwärts – führt tagtäglich einen ewigen Kampf gegen Tristesse und Dolce Vita. In Italien drehe sich alles um Liebe und Erotik, und „in Deutschland ist der Gruppensex der Kreisverkehr. In Italien ist der meistgesuchte Begriff auf Google Sex, in Deutschland ist es Routenplaner“.

Er rauft sich die Haare

Das ist endgültig zu viel für den Mann, der mit seinem Programm „Italiener leben länger … außer mit Betonschuhen“ 2021 sein 40. Bühnenjubiläum feiert. Er rauft sich die Haare, seine Augen treten hervor. Im Programm hat er seine besten Gags aus 43 Jahren als Lachmuskelbeauftragter; manches werden seine Zweibrücker Anhänger von seinem vorigen Programm kennen, das er vor sechs Jahren in der ehemaligen ACH-Eventhalle am Flugplatz zum Besten gab.

Capitoni, der seinen Namen schnarrt wie ein Mafia-Boss, hat noch weitere Vornamen: „Ich heiße eigentlich Roberto Emilio Francesco Lionello Paolo Sergio Capitoni. Wegen meinem langen Vornamen wäre ich fast im Taufbecken ersoffen!“

Er ist auch Schwabe

Aber er ist ja nicht nur Italiener, sondern auch Schwabe. Als solcher dachte er sich: „Koscht jo nix im Bauch von de Mutter, bleibe ma noch bissel drin.“ Er flutschte sieben Monate zu spät aus dem Bauch. Der Trick: Sein Vater war mit Käsespätzle, Hefezopf und einem Bausparvertrag in den Kreißsaal geeilt. „Direkt war ich geboren, und ich hab’ den im Flug noch unterschrieben.“

Obwohl nur wenige Zuschauer da sind, ist die Stimmung von Anfang an gut. Denn Capitoni hat eine charmante, lockere Art. Die kommt ihm auch mal abhanden, als die Nostalgie ihn umfängt und er von seiner Kindheit plaudert. Da hat er gerne die ZDF-Sendung „Wetten, dass …?“ geguckt. Früh aufstehen am nächsten Tag musste er trotzdem – der Sonntagsspaziergang stand an. „Wer musste das morgens auch machen?“, will er wissen. Eine Frau sagt, nach dem Mittagessen war das bei ihr auch so. Darauf er: „Das war nicht meine Frage. Beton ist schon angemischt für dich.“

Vegan mit Schnitzel

Es ist seine Art, sich, die Besucher und die beiden Kulturen auf die Schippe zu nehmen, die mitreißt. Er psalmodiert von nackt – oder war es nass? – putzen, macht Vespa-Geräusche und ahmt seinen Onkel Luigi mit italienischem Akzent nach. Immer wieder streut er die Unterschiede zwischen Deutschen, Italienern und Schwaben ein. Während man den Orgasmus eines Italieners durchs ganze Dorf höre, hört sich das bei einem Schwaben so an: „Sodala.“

Seine Meinungen zu allen möglichen Themen sind eindeutig. „Vegan ist gut, wenn man ein Schnitzel drauflegt“, sagt er und erzählt, dass er schon die Polizei rufen wollte, als die Nachbarn ihrem Sohn eine Dinkelwaffel servierten. Die Kinder dürften heute ja eh gar nix mehr. Sie werden nicht an die Schule, sondern in die Schule gefahren. „Im Klassenzimmer gibt’s schon Kreisverkehr.“ Früher konnte man noch Streiche spielen, „nicht wie heute: abstechen und dabei filmen. Das macht mich wahnsinnig, alles.“ Wahnsinnig gemacht hat er auch die Besucher – aber auf positive Weise. Und warum leben Italiener jetzt länger? Vielleicht ist es der Wein oder das Meer – auf jeden Fall aber der Humor.

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