Zweibrücken
Rekordsommer nicht nur in puncto Sonnenschein
2022 haben wir den zweitwärmsten Sommer in den vergangenen 25 Jahren erlebt – mit einer Mitteltemperatur von 20,4 Grad. Wärmer war nur der Jahrhundertsommer 2003, der es auf noch deutlich wärmere 21,6 Grad im Sommermittel gebracht hatte. Die kältesten Sommer gab es in den Jahren 2000, 2007 und 2011; damals wurde eine Sommermitteltemperatur von 17,8 Grad verzeichnet.
Schauen wir uns die Extreme der Temperaturspitzen an, so finden wir mit 2,1 Grad die absolute Tiefsttemperatur am 8. Juni 2005. Als Gegenpart wurden 38,6 Grad am 25. Juli 2019 registriert, knapp gefolgt von 38,3 Grad im Sommer 2003. Als Sommertage, sprich Tage mit mindestens 25 Grad Celsius, wurden die meisten im Supersommer 2003 mit 71 Tagen an der Zahl registriert. Doch der Sommer 2022 hatte mit 67 Sommertagen nur etwas weniger zu bieten.
29 heiße Sommertage
Die geringste Anzahl an Sommertagen gab es 2012 mit nur 28. Heiße Tage, sprich mindestens 30 Grad Celsius, wurden im jüngsten Sommer so viele wie noch nie verzeichnet, nämlich 29. Selbst im Jahr 2003 waren es mit 24 deutlich weniger.
Den meisten Regen brachte der Sommer 2000 mit 346,8 Litern Regen auf den Quadratmeter. Unter Sommer verstehen die Meteorologen jeweils die kompletten Monate Juni bis August. Am trockensten war der Sommer 2022 mit nur 103,3 Litern Regen pro Quadratmeter: Dementsprechend herrschte über weite Strecken die höchste Waldbrandstufe. Wiesen vergilbten, Flusspegel gingen dramatisch zurück. Auch in unserer Region kam es zu Flächenbränden.
Noch nie war es so sonnig
Auch in Sachen Sonne markiert der Sommer 2022 einen neuen Rekord. Noch nie war es sonniger in einem Sommer, die Sonne brutzelte 963,5 Stunden auf uns nieder. Das Jahr 2011 brachte im Gegensatz dazu nur 500,1 Sommersonnenstunden.
Mit Blick auf die Sommersonnenstunden stellt man fest, dass es immer sonniger wird, auch wenn es jedes Jahr größere Schwankungen gibt. Rechnet man die Daten durch, so lässt sich sagen, dass im Sechsjahres-Zeitraum 2017 bis 2022 die Sonne um 25 Prozent, nämlich 954,4 Stunden, mehr schien als zuvor in den sechs Jahren von 2011 bis 2016. Dazu passt die Entwicklung der Sommertage. Im Zwölfjahres-Zeitraum von 1998 bis 2009 wurden durchschnittlich 38 Sommertage gezählt. In der folgenden Phase von 2010 bis 2022 gab es durchschnittlich 45 Sommertage, was einer Steigerung um 18 Prozent entspricht. Parallel dazu hat sich auch die jährliche Sommer-Mitteltemperatur nach oben entwickelt. Diese betrug von 1998 bis 2009 18,6 Grad und von 2010 bis 2022 19,1 Grad, was einer deutlichen Steigerung um 0,5 Grad entspricht. Begleitet wird dies durch zunehmende Trockenheit: Von 1998 bis 2009 fielen im Sommer durchschnittlich 225,2 Liter Regen auf den Quadratmeter, von 2010 bis 2022 waren es noch 200,6 Liter, was eine Abnahme um elf Prozent bedeutet.
Für Meteorologen ein sehr kurzer Zeitraum
Kurzum: Unsere Sommer werden auch in Zweibrücken nachweislich immer wärmer, trockener und sonniger. Das lässt sich schon an den vergangenen 25 Jahren klar analysieren, obwohl dies nach meteorologischen Maßstäben ein sehr kurzer Zeitraum ist.
Im gesamten Juli 2022 fielen nur 2,1 Liter Regen pro Quadratmeter: Trockener war es noch nie. Dazu war es mit 353,7 Sonnenscheinstunden auch so sonnig wie noch nie zuvor.
Folgende Mittelwerte ergeben sich aus den Daten der vergangenen 25 Jahre:
- Durchschnittliche Sommertemperatur: 18,8 Grad Celsius
- Durchschnittliche Regenmenge: 212,4 Regen auf den Quadratmeter
- Durchschnittliche Sonnenscheindauer: 719,9 Stunden (2011 bis 2022)
Markante Sommerereignisse seit 1998
- Der Juli 2000 war der kälteste Sommermonat in den vergangenen 25 Jahren. Er brachte es auf eine Monatsmitteltemperatur von nur 16 Grad Celsius. Gleichzeitig war er der nasseste Monat mit 195,6 Litern auf den Quadratmeter.
- Auch wenn es nicht Zweibrücken betraf, so soll das schwere Hochwasser in Ost- und Südostdeutschland im Jahr 2002 nicht unerwähnt bleiben. Damals waren Milliardenschäden und Tote zu beklagen.
- Der Juni 2003 war mit einer Monatsmitteltemperatur von 21,6 Grad um sechs Grad zu warm und somit der wärmste Juni seit Messbeginn.
- In der Nacht zum 28. Juli 2005 kühlte es auch nachts nicht unter 20,2 Grad ab: eine echte, noch sehr seltene Tropennacht.
- Am 11. Juni 2006 schüttete es 63,3 Liter Regen in kurzer Zeit. Es gab regional schwere Überschwemmungen. Mehr Regen fiel in so kurzer Zeit noch nie in Zweibrücken.
- Der Juli im Jahr 2006 war der wärmste Sommermonat aller Zeiten. Er brachte es auf eine Monatsmitteltemperatur von 23,6 Grad. Über weite Strecken der Fußball-WM in Deutschland herrschte gutes Wetter, so dass Partylaune aufkam. Markant: Der darauffolgende August war mit einer Monatsmitteltemperatur von 16,1 Grad der kälteste August seit Messbeginn. Die Sonne schien nur 50 Prozent so viel wie üblich, der Juli zuvor war um 30 Prozent zu sonnig.
- Der Stadtfest-Freitag am 23. Juli 2010 begann mit heftigem gewittrigem Regen. 60,5 Liter prasselten auf Zweibrücken nieder. Pünktlich zum abendlichen Bühnenprogramm wurde es dann trockener.
- Der Juni 2011 sparte mit nur 118,7 Stunden an Sonnenschein: Weniger Sonne hat es in keinem Sommermonat gegeben.
- Im Juli 2011 wurde an fünf Tagen Nebel registriert: absolut ungewöhnlich für einen Sommermonat.
- Am 6. Juli 2014 zog eine sogenannte Böenwalze, eine starke Windböe mit über 90 Stundenkilometern, durch Zweibrücken. Es gab Ziegelbruch, das Dach des Dorfgemeinschaftshauses in Mittelbach wurde abgedeckt.
- Der 19. Juli 2015 brachte einen sehr starken Regenschauer. Innerhalb von nur zehn Minuten prasselten 11,5 Liter auf den Quadratmeter, zudem tobten Windböen bis 90 Stundenkilometer.
- Der 19. Juni 2017 brachte der Südwestpfalz eine dünne Hagelschicht, die Hagelkörner waren bis zu 15 Millimeter groß.
- Der 25. Juli 2019 brachte mit 38,6 Grad den höchsten je in Zweibrücken gemessenen Wert. An 25 Stationen des Deutschen Wetterdienstes wurde an diesem Tag die 40-Grad-Marke geknackt. Als deutschlandweit anerkannter Höchstwert wurden 41,2 Grad verzeichnet. Die gemeldeten 42,6 Grad an der Wetterstation Lingen wurden später wegen Messfehlern gestrichen.
- Vom 12. bis 16. Juli 2021 ergoss sich mit 53,5 Litern ergiebiger Regen vom Himmel. Wettermodelle hatten bis zu 140 Liter Regen vorhergesagt, die dann glücklicherweise doch nicht fielen. Anders traf es hingegen das Ahrtal im Norden von Rheinland-Pfalz und Gebiete im südlichen Nordrhein-Westfalen. Dort gingen bis zu 200 Liter Regen nieder, reißende Flüsse rissen Häuser mit. Es gab mehr als 150 Tote.