ZWEIBRÜCKEN RHEINPFALZ Plus Artikel Prozess in Zweibrücker Landgericht: Staatsanwaltschaft fordert Psychiatrie

Die Staatsanwaltschaft fordert, die Angeklagte in einer Psychiatrie unterzubringen.
Die Staatsanwaltschaft fordert, die Angeklagte in einer Psychiatrie unterzubringen.

Sie habe Leute in einem Biergarten beleidigt und bespuckt, Polizisten angegriffen und einem Bekannten Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Am Dienstag stand sie vor Gericht. Dort erzählte die 42-Jährige ihre Geschichte: vom 20 Jahre älteren Mann, vom abgebrochenen Studium und wie sie hochschwanger nach Marseille floh.

Am Landgericht Zweibrücken hat Staatsanwalt Patrick Langendörfer die Vorwürfe vorgetragen: Die Angeklagte habe im Juni 2018 dem Bekannten einer Mitbewohnerin Pfefferspray ins Gesicht und ins rechte Auge gesprüht. Im November 2018 habe sie Gäste eines Zweibrücker Biergartens beleidigt und bespuckt und versucht, Polizisten zu verletzen. Das bedeutet: gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung. Doch sie leidet laut Staatsanwalt unter einem psychotischen Syndrom und sei schuldunfähig. Ihre Einsichtsfähigkeit sei eingeschränkt, die Steuerungsfähigkeit ausgeschlossen. Langendörfer beantragte, sie in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Laut Verteidiger Rainer Fuchs habe die Angeklagte die Vorwürfe eingeräumt und sich entschuldigt.

„Ich habe Mist gebaut“

Dann erzählte die 42-Jährige ihre Geschichte: Bis zum Abitur hatte diese einen normalen Verlauf. Sie wollte Schauspielerin und Tänzerin werden, studierte in Köln und Berlin – und schmiss hin. Erste Depressionen traten auf. Sie nahm Medikamente, kellnerte in einem Kölner Restaurant. Zwei Beziehungen scheiterten. Sie kam mit Drogen und Alkohol in Berührung. „Ich habe auch Mist gebaut“, sagte sie. 2017 ging sie eine Beziehung mit einem 20 Jahre älteren Mann ein. 2018 kam das gemeinsame Kind zur Welt. Als Studentin lebte sie in Zweibrücken in einer Wohngemeinschaft. Hochschwanger sei sie nach Marseille geflüchtet, weil sie befürchtet habe, wegen einer Bewährungsstrafe ihr Kind im Gefängnis zur Welt bringen zu müssen. Im November 2018 befand sich ihr Kind dann in einer Pflegefamilie, sie selbst war als Patientin in einer Klinik in Pirmasens. Sie hatte Freigang und ging zu ihrer Anwältin.

„Ich habe mich stark gefühlt und ging zum Jugendamt Pirmasens. Ich wusste nicht, ob ich mein Kind jemals wieder sehe“, erzählte sie. Erfolglos sei sie zum Jugendamt nach Zweibrücken gefahren. „Ich wollte dem Kindsvater das Sorgerecht entziehen“, sagte sie. Dann sei sie in einem Zweibrücker Biergarten gelandet. „Ein Mann hat mich dort angeguckt. Ich dachte, der will mich anmachen. Ich war ziemlich in Fahrt. Ich war dann irgendwann in der Psychiatrie“, erzählte sie. Das Kind ist inzwischen beim Vater.

Mit Spuckhaube in die Psychiatrie

Der Mann, den sie angespuckt und beleidigt haben soll, sagte ebenfalls aus: „Sie saß uns gegenüber, war die erste halbe Stunde normal. Sie hat eifrig mit dem Handy telefoniert und Nachrichten verschickt. Und dann ging es los.“ Sie habe seine Begleitung mit übelsten Worten beschimpft, „Worte, die ich hier nicht wiedergeben möchte“. Und: „Sie hat in einer halben Stunde drei bis vier Gläser Rotwein gekippt, bis die Polizei kam.“ Einer der Beamten erzählte: „Sie spuckte mich an, beleidigte uns und versuchte, sich der Festnahme zu entziehen. Sie war merklich alkoholisiert. Wir haben sie auf dem Boden fixiert, ihr eine Spuckhaube angezogen, sie zur Dienststelle gefahren und von dort aus in die Psychiatrie nach Pirmasens.“ Laut Richterin hatte sie zu dieser Zeit 1,8 Promille Alkohol im Blut. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt.

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