Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Programmhefte nur noch digital?

Konzertprogramme nur noch auf dem Handy?
Konzertprogramme nur noch auf dem Handy?

Die Digitalisierung schreitet voran. Dies könnte in absehbarer Zeit auch die Besucher der städtischen Veranstaltungen treffen. Wie sieht es in Kaiserslautern, Ramstein und Zweibrücken aus? Ein Lagebericht.

Der KaiserslautererKulturreferatsleiter Christoph Dammann hat angekündigt, dass die gewohnten gedruckten und ausliegenden Programmhefte durch eine digitale Form sukzessive ersetzt werden. Dies setzt voraus, dass die Zielgruppen der städtischen Konzertreihen in Kaiserslautern wie Kammer- und Sinfoniekonzerte sich moderner Technik bedienen können und wollen, sie vorab per Mail die Programmausarbeitung erhalten und sich entweder selbst ausdrucken oder bei der digitalen Nutzung bleiben. Zusätzlich zur Anfrage bei der Pressestelle der Stadt hat sich die RHEINPFALZ an andere Kulturämter gewendet.

Der Zweibrücker Kulturamtsleiter Thilo Huble betonte bereits bei der Abschlusspressekonferenz zum Festival Euroclassic, dass es während der Pandemiezeit eine Veränderung in der Informations- und Kommunikationsstruktur gegeben hat. „Das bedeutet, dass wir im Verbund aktuell daran arbeiten, alle Kommunikationsstränge zu bewerten und gegebenenfalls zu verändern. Dazu zählt eine verstärkte Neuausrichtung in Bereich digitale Kommunikation und Information.“ Ob dies dazu führe, dass die Euroclassic-Städte (Zweibrücken, Pirmasens, Blieskastel, Bitsch) auf das gedruckte Programmheft verzichten, sei noch nicht klar. Das Ganze sei auch im Kontext der vorhandenen finanziellen Ressourcen zu sehen. „Ich halte es aber für das Festival 2023 eher für unwahrscheinlich dass wir gänzlich auf das gedruckte Programmheft verzichten. Das gleiche gilt analog für die nächste Theater- und Konzertspielzeit in Zweibrücken.“

Im Ramsteiner Congress Centrum sieht Marco Stuppy kein Sparpotenzial mit dieser Umstellung, aber einen entscheidenden Störfaktor durch Lichtimpulse und Dauernutzung der Mobilgeräte nach dem Abrufen von Informationen zum gerade ablaufenden Konzert. Zumal nicht jedes Smartphone im Haus Empfang habe. Auch in der Karten- und Platzbuchung biete man zwar digitale Buchungen an, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit, per Telefon oder persönlichem Erscheinen zu reservieren.

Unsere Anfrage bei den Verantwortlichen der Stadt Kaiserslautern versuchte daher die Rahmenbedingungen zu erfragen, unter denen die digitalen Möglichkeiten genutzt werden können oder zukünftig sollen: Pressesprecherin Sandra Zehnle teilt mit, dass die kostenlosen Programmflyer nach wie vor angeboten würden. Zusätzlich könne man sich die Programme per Mail vorab schicken lassen. Außerdem bestünde die Möglichkeit, es sich „einige Tage“ vorab auf Kaiserslautern.de herunterzuladen. Direkt in der Fruchthalle könne das Programm per QR-Code heruntergeladen werden. Dort hingen auch die Programme aus.

Im Juni seien in einem Workshop mit anderen Kultureinrichtungen in Kaiserslautern erste Ansätze einer Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt worden. Ab der nächsten Saison sei geplant, das digitale Angebot auszubauen und den Druck auf Papier zurückzufahren. Allein die Druckkosten lägen zur Zeit pro Saison im oberen vierstelligen Bereich, Tendenz steigend. Vorstellbar sei, für Publikum ohne digitale Möglichkeiten eine geringe Anzahl Programme in Papierform gegen Gebühr vorzuhalten.

Digitale Kompetenz gefragt

Da das Publikum im Wesentlichen dem sogenannten Bildungsbürgertum angehöre, sei von einer weitgehenden digitalen Kompetenz auszugehen. Wer möchte, könne sich das Programm zu Haus noch ausdrucken beziehungsweise von Angehörigen oder Freunden ausdrucken lassen.

Diesem Gedanken widersprach bei einer Umfrage bei seit Jahrzehnten die Kaiserslauterer Konzertreihen nutzenden Besuchern wie der ehemaligen Lehrerin Christel Heil. Sie könne nicht alle Informationen vorab lesen und behalten und sei auf das Nach- oder Mitlesen vor Ort angewiesen. Heil bezweifelt, dass jeder Nutzer vor Ort den nötigen Empfang und Zugang habe und hält die Umstellung für nicht zielgruppenführend. Wolle man ökologisch nachhaltig umstellen, solle ein Moderator eingeführt werden, der alle Programmpunkte erläutert, schlägt sie vor.

Ihr Lehrerkollege Gerd Gaberdan, seit Jahrzehnten der Kulturszene verbunden , bringt es auf den Punkt: „Traurig, aber wahr! Typisch für unsere Gesellschaft, dass wieder an der Kultur und da an der kleinsten Stelle im Getriebe gespart werden soll.“ Die in der Kulturszene verwurzelten Pädagogen Gerd Forster und Heribert Molitor sehen keinen Nutzen für den Besucher, sondern die Gefahr, dass durch die Verlagerung auf digitale Technik Personengruppen ausgegrenzt werden, die durch Fehlen von Vorkenntnissen diese Technik nicht nutzen können oder wollen.

x