Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Polizei stellt fest: Drogen laufen Alkohol den Rang ab

Die meisten Fahrer, die die Polizei 2020 wegen Trunkenheit aus dem Verkehr zog, hatten zuvor Drogen konsumiert.
Die meisten Fahrer, die die Polizei 2020 wegen Trunkenheit aus dem Verkehr zog, hatten zuvor Drogen konsumiert.

Nachdem sie Drogen genommen haben, setzen sich immer mehr Zweibrücker hinterher noch ans Lenkrad und fahren durch die Stadt – bis sie manchmal von der Polizei gestoppt werden. Die Anzahl der Delikte hat deutlich zugenommen. „Die Zahlen sind erschreckend“, meint der Polizeichef.

Während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr vergangenen Jahres (22. März bis 4. Mai) erwischte die Zweibrücker Polizei sieben Autofahrer, die unter dem Einfluss von Alkohol (zwei) und Drogen (fünf) unterwegs waren. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2019 war die Anzahl der Alkohol- und Drogenfahrten mit 15 etwas mehr als doppelt so hoch. Sieben wurden mit Alkohol am Steuer aus dem Verkehr gezogen, acht hatten zuvor Drogen konsumiert. Den deutlichen Rückgang in diesen sechs Wochen nimmt der Zweibrücker Polizeichef Matthias Mahl erfreut zur Kenntnis, verweist aber darauf, dass sich bei den Trunkenheitsfahrten das Verhältnis hin zu den Drogenfahrten verschoben hat. Das kann auch daran liegen, dass Kneipen in der Coronazeit schließen mussten.

Einen gewaltigen Anstieg der Trunkenheitsfahrten von 52 (2019) auf 181 Fälle (2020) vermeldet die Zweibrücker Polizei für den Zeitraum von Mai bis Dezember, ein Plus von fast 250 Prozent. Nach Angaben von Mahl ist dies zum überwiegenden Teil „auf die immense Steigerung der festgestellten Drogenfahrten um 650 Prozent zurückzuführen“. Binnen eines Jahres nahmen die Drogenfahrten – fast ausschließlich in Zweibrücken – von 18 auf 135 Fälle zu, die Fahrten unter Alkoholeinfluss von 34 auf 46 Fälle. Die Annahme, dass durch die Corona-Einschränkungen und die geschlossenen Kneipen weniger Autofahrer unter Alkoholeinfluss am Steuer sitzen, erwies sich dabei als Trugschluss. Es gab scheinbar auch andere Gelegenheiten, bei denen reichlich Alkohol floss.

Für die Entwicklung bei den Drogenfahrten sind laut Mahl mehrere Gründe verantwortlich. Der Leiter der Zweibrücker Polizeiinspektion nennt den allgemeinen, sich weiter ausbreitenden Trend der leichten Verfügbarkeit von Drogen. „Eine ganz wesentliche Rolle für den explosionsartigen Anstieg der Drogenfahrten dürften aber auch die Einflüsse der Corona-Beschränkungen gespielt haben“, so Mahl.

Er verweist darauf, dass Drogen eher im privaten, abgeschlossenen Bereich konsumiert werden. „In aller Regel werden Drogen in den eigenen vier Wänden genommen, wo man sich vor staatlichem Zugriff weitgehend sicher fühlt“, so der Polizeichef. In den längeren Phasen der Corona-Beschränkungen hätten sich die Menschen viel länger in ihren Wohnungen aufgehalten.

Weil viele von zu Hause aus im Homeoffice gearbeitet hätten und die Möglichkeiten, Freunde außerhalb der eigenen Wohnung zu treffen, beschränkt gewesen seien, sei der Drogenkonsum vermutlich angestiegen. Und in der Folge komme es dann auch öfter zu Drogenfahrten, erklärt sich Mahl diese neue Entwicklung.

Dass mehr Drogenfahrten entdeckt werden, hänge auch damit zusammen, dass viel kontrolliert werde und die jüngeren Polizisten – was das Erkennen von Drogenkonsum betrifft – gut ausgebildet seien. Zudem spiele auch der Umstand eine Rolle, dass Drogen viel länger im Blut nachweisbar seien als Alkohol.

Drogenfahrten scheinen ein dauerhaftes Phänomen zu sein. In den ersten fünf Monaten 2021 habe es bei den Fällen nochmals einen deutlichen Zuwachs gegeben, so Mahl.

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