Zweibrücken Poesie mit Pellkartoffel im Druckmuseum
Kaum ist man im Druckmuseum, riecht man ihn: den Geruch der gesetzten Lettern. Dem Geruch folgt das Bild: Nach dem kleineren Vorraum gelangt man in einen großen Raum. Überall stehen Druckerpressen, Lettern, und die Bilder und Drucke der fünf Künstler, die sie am Sonntag und Montag erschaffen haben.
Erschaffen kann man vieles: Mit den ziemlich kleinen Lettern, die je nach Buchstabe in den Fächern liegen, kann man in einem langen Prozess Wörter setzen. Ein großer Aufwand, der heute gar nicht mehr denkbar ist.
Auch die Einladungskarten hat Kurt Werle selber gesetzt. Dem Zweibrücker gehören die Gerätschaften. In der Maxstraße 1, im Kulturamt, wird restliches Material, zum Beispiel zusätzliche Lettern, verwahrt. „Ich habe 1200 Buchstaben pro Stunde geschafft“, erzählt Werle. Man merkt schnell, dass die Druckkunst seine Leidenschaft ist.
Eine ehrerbietende Atmosphäre liegt über dem Museum. Die Leute gehen herum, beobachten die Künstler bei den Druckprozessen, fragen nach. „Wir sind wegen einer bekannten Künstlerin hier, Marie-Anne Soyez“, erzählt Heidemarie Quasten. Sie ist mit ihrem Mann Heinz aus Blieskastel gekommen. Außer Soyez, Werle und Seyler lassen sich Charlotte Liebrecht aus Kaiserslautern und Hamdy Reda aus Kairo über die Schulter gucken.
Wegen Corona dürfen nur fünf Besucher in einen Raum, aber das hat auch seine guten Seiten: So kann man sich besser mit den Künstlern unterhalten und zusehen, wie sie die alten Maschinen zum Leben erwecken. Marie-Anne Soyez aus Tübingen erzählt der RHEINPFALZ über ihre Kunst, die sie geschaffen hat. Ein Gedicht über die Pellkartoffel von Ringelnatz hat sie am Sonntag gesetzt, „und Kurt Werle hat es dann mit der Druckmaschine gedruckt.“ Passend dazu hat sie eine Pellkartoffel aus einem Linoleumschnitt gemacht. „Das hat schon zwei halbe Tage gedauert.“
Viele Experten sind am Montag hier. Man kennt sich, ist froh, sich treffen zu können. „Gestern hat mich eine Besucherin gefragt, ob sie an Druck-Kursen teilnehmen kann“, verrät Iris Seyler. „Sie guckt jetzt, ob sie eine größere Gruppe zusammenbekommt.“
Nächstes Jahr zum Tag der Druckkunst kann sich Seyler „auf jeden Fall vorstellen, wieder was in der Art zu machen.“ Dieses Jahr ist es das erste Mal, dass sie zusammen mit Kurt Werle so etwas organisiert. Es sei gut angenommen worden, erzählt Iris Seyler, die am Hofenfels-Gymnasium Kunst unterrichtet. Mit ihren Schülern kommt sie manchmal her und setzt mit ihnen Buchstaben. „Ich wollte einfach, dass Künstler da sind, die haben ganz andere Herangehensweisen.“ Etwa 80 Leute seien an den beiden Tagen gekommen. „Da sind ein paar Künstler dabei, die haben zum ersten Mal mit Lettern und Bleisatz gedruckt.“ Die Lehrerin wollte, dass sie „mit dem Material künstlerisch umgehen“. Bleisätze, Plakatschriften, Druckformen.
Woher kam früher überhaupt die Tinte zum Drucken? Kurt Werle weiß es. Der Zweibrücker ist ein wandelndes Lexikon in Sachen Druck. „Früher hatte man Ruß mit anderen Flüssigkeiten vermischt.“ Der RHEINPFALZ zeigt er Raritäten wie das kleinste Buch der Welt. Es ist vier mal vier Millimeter groß und wurde im Original-Buchdruck hergestellt. Von was handelt es? „Es ist das Vater Unser – in sieben Sprachen“. Es ist ins Guinness-Buch der Rekorde gekommen.