Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Plant Tadano-Demag nach Massenentlassung Leiharbeit im großen Stil?

Saure-Gurken-Zeit. So wurde die aktuelle Lage beim Kranbauer Tadano-Demag am Donnerstag vorm Arbeitsgericht beschrieben. Seit Ok
Saure-Gurken-Zeit. So wurde die aktuelle Lage beim Kranbauer Tadano-Demag am Donnerstag vorm Arbeitsgericht beschrieben. Seit Oktober wird in der Montage im Werk Wallerscheid wieder kurzgearbeitet.

Im Januar hat Tadano-Demag einem Viertel seiner Belegschaft gekündigt, 392 Mitarbeiter entlassen. Vorm Arbeitsgericht klang am Donnerstag an: Der Kranbauer wollte sich im Juli – ein halbes Jahr danach – den Einsatz von bis zu 330 Leiharbeitern genehmigen lassen. Der Betriebsrat stellt sich quer.

Zum 1. April war die Insolvenz in Eigenverwaltung von Zweibrückens bis dato größtem Arbeitgeber beendet worden. Die Hoffnung: Das maßgeblich von firmenfremden Unternehmensberatern ausgearbeitete Sanierungskonzept soll dem Mobilkranen-Bauer festen Boden unter die Füße bringen, die Arbeitsplätze der verbliebenen 1045 Mitarbeiter sichern. Der Preis: 449 zum Teil mehr als 20 Jahre bei Tadano und den Vorgängern beschäftigte Mitarbeiter wurden betriebsbedingt gekündigt, rund 50 davon versetzt, 392 mussten das Unternehmen verlassen. Rund 300 wechselten in eine immer noch laufende Transfergesellschaft. Die Entlassenen bekamen eine Abfindung. Die nach den Regeln eines Insolvenzverfahrens aber weit geringer ausfiel als bei üblichen betriebsbedingten Trennungen.

Personalchef Schättle: „Saustall“ aufräumen

Am Donnerstag nun stritt sich die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat vor dem im Zweibrücker Schloss tagenden Arbeitsgericht.

Kläger war die Geschäftsführung, vertreten durch Personal-Chef Frank Schättle. Der Grund: Der Betriebsrat hatte im September seine Zustimmung zur Einstellung von Leiharbeitern verweigert. In der Güteverhandlung ging es um drei Vollzeitkräfte für die Werkslogistik, in zwei Wochen steht eine Verhandlung über drei Leiharbeiter für den Stahlbau an. Die Geschäftsführung begründet den Leiharbeitereinsatz mit vorübergehendem Mehraufwand. Konkret sei, von Personalchef Schättle drastisch ausgedrückt, „ein Saustall“ in einem Lager aufzuräumen. Für das „Projekt“ benötige man, befristet bis zum 31. Dezember, die Leiharbeiter für die Logistik. Die Stahlbauer sollen hingegen länger eingesetzt werden: 18 Monate.

Andreas Gehrhardt, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, sagte gestern schlicht: nö. Zum 1. Oktober erst seien wieder 40 Mitarbeiter der Autokranen-Montage im Werk Wallerscheid in Kurzarbeit geschickt worden. Personalchef Schättle begründete dies mit fehlendem Material, der Arbeitsausfall liege auch nur knapp über der Grenze von zehn Prozent. Gehrhardt: „Wir haben das immer so gemacht, dass wir bei Engpässen Montagemitarbeiter auch mal in der Logistik eingesetzt haben. Die Leute haben Staplerführerscheine. Warum holt man jetzt Leiharbeiter rein, wenn wir eigene Leute in Kurzarbeit haben?“ Schättle sagte, ein stundenweiser Einsatz der reduziert Arbeitenden bringe einen zu großen Planungsaufwand mit sich.

Betriebsrat: Haben viel zu viele entlassen

Einigen konnte man sich am Donnerstag nicht. Die nun bei einem Kammertermin des Arbeitsgerichts im Februar – lange nach Ende des geplanten Einsatzes der Leiharbeiter im Lager – zu entscheidende Auseinandersetzung ist tatsächlich ein Stellvertreter-Konflikt. Öffentlich gemacht durch den Betriebsrat wurde am Donnerstag, dass die Tadano-Geschäftsführung mit Jens Ennen an der Spitze im Juli – kaum ein halbes Jahr nach der Massenentlassung – von der Mitarbeitervertretung verlangte, eine Rahmenbetriebsvereinbarung Leiharbeit abzuschließen. Laufzeit: vier Jahre. Kernpunkt: Der Leiharbeiter-Anteil bei Tadano-Demag soll bis zu 30 Prozent ausmachen dürfen. Der Weg, den die Geschäftsführung einschlagen wolle, sei vollkommen falsch. „Wir haben massiv Leute entlassen, viel zu viele, das zeigt sich jetzt. Jetzt sollen Leiharbeiter die Löcher stopfen. Dazu reicht der Betriebsrat nicht die Hand. Stellen sie fest ein“, verlangte Andreas Gehrhardt gestern von Personalchef Frank Schättle.

Personalchef: Lage zu unsicher für Festanstellungen

Dem war es daran gelegen, klarzustellen, „dass wir nie vorhatten, jetzt auf einen Schlag 300 Leiharbeiter reinzuholen. Oberstes Ziel ist es, die Stammbelegschaft, das sind die erwähnten 1045 Mitarbeiter, abzusichern. Und das geht nur, wenn vorübergehende Arbeitsspitzen mit Zeitarbeit aufgefangen werden können.“ Die Auftragslage bei Tadano-Demag sei zu unsicher, um schon wieder befristet oder fest einzustellen. Trotz einiger guter Signale. „Glauben sie mir, ich bin kein Freund von Zeitarbeit“, sagte der Tadano-Personalchef. Fraglich, ob ihm die in der Arbeitsgerichtsverhandlung am Donnerstag anwesenden Betriebsräte dies abkauften.

x