Zweibrücken Pionierin räumt den Platz
Im Dezember ist Irmgard Wolf in den Ruhestand gegangen. Sie war die erste Frau in Rheinland-Pfalz, die Präsidentin eines Landgerichts wurde – in Zweibrücken. Zuletzt wirkte sie fast neun Jahre am Landgericht Frankenthal, pendelte aber immer von ihrem Wohnort Waldfischbach in die Vorderpfalz.
Um ihr Büro zu räumen, kam Irmgard Wolf kurz noch einmal ins Landgericht Frankenthal zurück. Ihr Monitor auf dem Schreibtisch ist um 90 Grad gedreht – er steht vertikal statt horizontal. „Ich muss viele Briefe beantworten, so habe ich den besseren Blick auf die Din-A4-Seite beim Schreiben“, erklärt sie. Sie liebe pragmatische Lösungen, sagt Wolf über ihre Arbeit als Präsidentin beim Landgericht Frankenthal. Achteinhalb Jahre stand sie ganz oben beim größten Landgericht der Pfalz und einem der größten im ganzen Bundesland. Täglich ist sie aus der Westpfalz angereist. „300 000 Kilometer bin ich gefahren und habe drei Autos verschlissen.“ Mit der Pensionierung ging ihre 37-jährige Karriere bei der Justiz zu Ende, die 1979 in Frankenthal ihren Anfang nahm. „Der Kreis schließt sich hier“, sagt Wolf. Beim Leerräumen ihres Büros schaut sie auch noch mal ins E-Mail-Postfach. „Es sind schon wieder 100 Mails.“ Wolf war zuständig dafür, Dienstaufsichtsbeschwerden nachzugehen. Die Hälfte davon komme von so genannten Reichsbürgern. „In den meisten Fällen sind die Beschwerden nicht gerechtfertigt. Oft muss man den Leuten nur noch mal erklären, wie das Urteil zustande gekommen ist.“ In ihrer Amtszeit habe sie wegen einer Beschwerde nie einen Richter kritisieren müssen. „Urteile bewerten darf ich ohnehin nicht.“ Früher selbst als Richterin bei den Verfahren dabei, delegierte und organisierte sie in der Rolle der Präsidentin hauptsächlich. Vieles machte sie zur Chefsache, so auch die Vorbereitungen zum 200-jährigen Bestehen des Gerichts. „Ich habe selbst die Beschriftungen unter den Exponaten gemacht. Vielleicht hätte ich da mehr delegieren müssen.“ Wolf war zuständig für etwa 100 Richter, die am Frankenthaler Landgericht und den umliegenden Amtsgerichten arbeiten. „Ich kenne fast alle persönlich und weiß, wer wie viele Kinder hat.“ Bei allen sechs Amtsgerichten in ihrem Bezirk habe sie sich persönlich verabschiedet. „Alle Richter sind hier überlastet. Ich muss nicht nur Arbeit an die Richter verteilen, zusammen mit dem Präsidium. Ich muss auch motivieren.“ Jeder am Landgericht sei aus Überzeugung Richter, aber die stetige Überarbeitung sei ein Problem. Vor allem die Qualität der Strafverfahren habe sich geändert. „Verteidiger suchen heute eher Fehler in den Verfahren, die sich dann schnell aufblähen.“ Es gebe kaum noch Verhandlungen mit nur zehn Hauptverhandlungstagen. Aus einem Schrank holt Wolf ihre erste und einzige Robe aus dem Jahr 1979 und legt sie auf den Karton mit den persönlichen Sachen. Dann sagt sie Tschüss. |hest