Zweibrücken Pilotabschluss findet breite Zustimmung

Der gestern in Baden-Württemberg gefundene Tarif-Pilotabschluss für die Metall- und Elektroindustrie findet in Zweibrücken Zustimmung. „Die Mitarbeiter sehen’s positiv. Die 4,3 Prozent Lohnerhöhung plus Zusatzgeld sind gut. Der Streik vergangene Woche hat gewirkt“, sagt Marc Möller, der Vertrauensleute-Vorsitzende der IG Metall bei John Deere. „Über die Entgelt-Erhöhung im Paket kann man unterschiedlicher Meinung sein. Insgesamt aber geht der Kompromiss in Ordnung“, äußerte sich Terex-Personalgeschäftsführer Frank Schättle.
Die gut 3500 Beschäftigten in den Zweibrücker Betrieben griffen gestern zum Taschenrechner, multiplizierten die ab 1. April geltenden 4,3 Prozent mit ihrem Lohn, addierten die Einmalzahlungen von je 100 Euro für Januar bis März sowie die erstmals 2019 auszuzahlende, neue Sonderzahlung (27,7 Prozent eines Monatsgehaltes plus 400 Euro einmal). „Das Sondergeld bedeutet noch mal eine Lohnerhöhung von knapp vier Prozent. Bei uns wird es auch einige geben, die von der Möglichkeit Geld gegen Zeit Gebrauch machen“, sagt der Pallmann-Betriebsratsvorsitzende Klaus Patsch. Dass die Forderung der Gewerkschaft auf ein verbrieftes Recht auf Absenkung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden in der Woche mit Rückkehrgarantie zur Vollzeit sich im Pilotabschluss findet, ist für Eduard Glass, dem Betriebsratsvorsitzenden von Terex, ein echter Fortschritt. Wie viele davon Gebrauch machen werden, sei schwer abzuschätzen. „Entscheidend ist die Möglichkeit“, so Glass. Dass die Arbeitgeber nun auch auf freiwilliger Basis Mitarbeiter über die Quote von 13 Prozent der Belegschaft hinaus länger als 35 Wochenstunden beschäftigen können, spiele in der betrieblichen Praxis in Zweibrücken kaum eine Rolle. „Wir haben außer im Servicebereich kaum noch 40-Stunden-Verträge. Die Quote ist bei Weitem nicht ausgeschöpft“, sagt Eduard Glass von Terex. Auch Klaus Patsch sieht eher kein Begehr seitens der Pallmann-Geschäftsführung. „Mit unseren Zeitkonten, die 120 Überstunden zulassen und auch 120 Stunden ins Minus gehen können, sind wir sehr flexibel. Ich glaube kaum, dass darüber hinaus Bedarf besteht.“ Ralf Reinstädtler, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Saarpfalz, sagte gestern: „Das Ergebnis stimmt.“ Überschlägig bringe es den 14 000 Beschäftigten der Branche – 4000 in Zweibrücken, 10 000 in Homburg – über die gesamte Laufzeit des Tarifvertrages von 27 Monaten (bis März 2020) 81 Millionen Euro mehr in die Geldbeutel. Die Zweibrücker Kaufkraft werde um 27 Millionen Euro gestärkt.