Zweibrücken Phantom-Einbrecher in Zweibrücken: Autos spurlos geöffnet
„Nein, das kann doch nicht sein! Nicht schon wieder!“ Eine 44-Jährige, die vier Jahre am Fasanerieberg in der Wilhelm-Schultz-Straße lebte, kennt dieses Gefühl ganz genau. „Ich bin so ein Fall“, rief sie in der Redaktion an, als die RHEINPFALZ jüngst über mysteriöse Autoaufbrüche in Zweibrücken und Umgebung berichtete, bei denen verschlossene Autos plötzlich ohne Erklärung offenstanden.
Das erlebte die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, nach eigenen Worten fünf Mal: Anfang 2013, im Dezember 2014, im Frühsommer 2015 sowie im April und im Dezember 2016. Am Tag vor Heiligabend 2013 wurde außerdem bei ihr eingebrochen. Die 44-Jährige lebt mittlerweile in Hornbach. „Ich habe mich nicht mehr sicher gefühlt“, erzählt sie. „Ich bin bewusst in eine Sackgasse gezogen“, und bewusst in den ersten Stock, denn im Erdgeschoss wollte sie auch nicht mehr wohnen. „Ich hoffe, auf dem Land Ruhe zu finden und wieder ohne Angst leben zu können“, sagt sie. Die Frau fährt einen Golf VI, Baujahr 2012, dessen Schlüssel − wie heutzutage üblich − wie eine kleine Fernbedienung funktioniert. Das Auto öffnet und schließt auf Knopfdruck; zudem kann man händisch auf- und zusperren. Wieso ihr Wagen mehrfach offenstand, als sie aus dem Haus kam − die Frau hat keine Erklärung. Wie am 15. Februar berichtet, gab es jüngst in und um Zweibrücken weitere solche Vorfälle, unter anderem im Bereich Steinhauser Straße und Fasanerieberg, aber auch in Contwig und Stambach. Möglich, dass die Fälle etwas mit der Schlüsseltechnik zu tun haben. Autoknacker können die als Fernbedienung funktionierenden Schlüssel mit einer Art Funkgerät − einem „Jammer“ − lahmlegen. Das Auto schließt dann nicht ab, und der Täter kann die Tür öffnen. Darüber hinaus können, mit etwas Aufwand, Schlüssel-Rohlinge auf fremde Autos programmiert werden. Einmal sei ihr die Handtasche aus dem Kofferraum gestohlen worden, erzählt die 44-Jährige, die anderen Male sei das Auto nur durchwühlt worden. Ihr eingebautes Navigationsgerät sei unangetastet geblieben. Mal waren die Scheiben heruntergelassen, mal stand eine Tür offen, mal war äußerlich gar nichts zu sehen. „Wenn ich morgens die Zeitung hereinholte, ging mein Blick immer erst zum Auto“, erzählt sie. Nach dem ersten spurlosen Aufbruch fing sie an, nach dem Absperren noch mal am Autogriff zu rütteln, berichtet sie − um zu prüfen, ob der Wagen auch wirklich verschlossen ist. 2016 ließ sie außerdem ihren Autoschlüssel neu codieren − für den Fall, dass tatsächlich jemand ihren Schlüssel quasi digital kopiert hätte. Doch auch das half nichts; kurz vorm Jahreswechsel stand das durchsuchte Auto erneut offen. Wieder Herzrasen, wieder eine Anzeige bei der Polizei, wieder tagelang ein flaues Gefühl. „Ich war jedes Mal geschockt“, sagt sie. Die Frau fing an, am Schlüssel zu zweifeln, auch am Auto, das sie aber nicht verkaufte, weil es geleast ist. Sie zweifelte an sich und forschte auch in ihrem Umfeld nach, jedoch ohne Ergebnis. Auch seitens der Polizei spürte sie Zweifel. „Es wurde nach Fingerabdrücken gesucht, vergeblich. Man wollte mir einreden, dass ich wahrscheinlich vergessen hatte, mein Auto abzuschließen, oder dass der Funkschlüssel vielleicht defekt ist“, schildert sie ihre Erfahrungen mit den Zweibrücker Beamten. Teilweise fühlte sie sich nicht ernst genommen. Mehrfach erstattete sie Anzeige wegen der mysteriösen Autoöffnungen, herausgekommen ist nichts, außer einem „Merkblatt für Opfer einer Straftat“, das ihr die Polizei gab. Auch der Wohnungseinbruch im Dezember 2013 blieb unaufgeklärt. Die Einbrecher seien durch den Keller ins Drei-Parteien-Haus in der Wilhelm-Schultz-Straße eingedrungen, seien in alle Wohnungen eingebrochen und hätten unter anderem Elektronik, auch große Fernseher, mitgehen lassen. „Die müssen mit einem Lastwagen oder mehreren Autos dagewesen sein, in ein Auto hätte das nie gepasst“, meint sie. Die Elektronik war weg, das flaue Gefühl blieb: „Ich hab’ mich jeden Abend eingesperrt, weil ich Angst hatte, dass sowas noch mal passiert, wenn ich zu Hause bin.“ Die Frau weiß aus ihrer Zeit am Fasanerieberg von mehreren Einbrüchen in dem Wohngebiet. Ein Nachbar habe sich, aus Angst vor Einbrechern, eine regelrechte Flutlichtanlage zugelegt. „Ich weiß von der ehemaligen Nachbarschaft, dass alle Angst haben. Dort kommt es immer wieder zu Wohnungseinbrüchen, dort werden immer wieder herumschleichende Personen gesichtet.“ In ihren Augen ist die Zweibrücker Polizei unterbesetzt und kann auf solche Vorfälle kaum reagieren. „Ich habe all die Jahre nicht beobachten können, dass an einem solchen Brennpunkt wie dem Fasanerieberg vermehrt Streife gefahren wird“, erklärt sie. „Oder sehe ich das falsch, und es ist gar kein Brennpunkt? Ist diese Masse an Auf- und Einbrüchen als normal zu betrachten?“ Die Polizei bestätigt die Aufbrüche bei der Frau, hat aber keine Erklärung dafür und reagiert auf weitere Fragen äußerst zurückhaltend. Wo in der Stadt besonders viele Autoaufbrüche und Wohnungseinbrüche gezählt werden, sagt sie nicht. Auch nicht, wie oft sie irgendwo Streife fährt. Sobald jedoch ein Schwerpunkt zu erkennen sei, „reagieren wir und fahren verstärkt Streife“, versichert Polizeisprecher Klaus von Rohden. Die 44-Jährige ist nach ihrem Umzug etwas zur Ruhe gekommen: „In Hornbach fühle ich mich sicher.“