Zweibrücken Pfarrer: „Katholische Kirche war nicht laut genug bei Judenverfolgung“

Die Stadtführerin Tanja Schwab führt am 85. Jahrestag der Reichspogromnacht rund 50 Teilnehmer auf die Spuren jüdischen Lebens i
Die Stadtführerin Tanja Schwab führt am 85. Jahrestag der Reichspogromnacht rund 50 Teilnehmer auf die Spuren jüdischen Lebens in Zweibrücken.

Mehr als 50 Menschen nahmen am Donnerstag, am 85. Jahrestag der Reichspogromnacht, an der Stadtführung auf den Spuren jüdischen Lebens teil.

Fast doppelt so viele Teilnehmer gedachten anschließend am Standort der ehemaligen Zweibrücker Synagoge in der Ritterstraße den Opfern des Judenhasses im Dritten Reich und der Zerstörung der Synagoge 1938. „Die Feuerwehr schützte die Häuser rechts und links der Synagoge mit Wasser, nicht jedoch die Synagoge selbst. Hier hieß das Motto: ,Lasst sie brennen’“, erklärte Stadtführerin Tanja Schwab. Sie machte unter anderem an der Judengasse, die in einen privaten Hinterhof führt, und an Stolpersteinen in der Mühlstraße Halt und erzählte über die Vorkommnisse und Verbrechen der Pogromnacht.

Nach dem einstündigen Rundgang, dem ein bekannter Zweibrücker Neonazi im Pullover mit aufgedruckter Palästinenserfahne sowie in einigem Abstand eine Polizeistreife folgte, gedachten die Teilnehmer am ehemaligen Synagogenstandort. Eingeladen hatten der Ökumenische Arbeitskreis, der Historische Verein, der Aktionskreis Buntes Zweibrücken und die Stadt Zweibrücken. „Wir sagen gemeinsam: Nie wieder! Wir alle wissen um die erneuten Gefahren von Rassismus und Nationalismus“, erklärte die Zweibrücker Beigeordnete Christina Rauch in ihrer kurzen Rede. Jeder von uns müsse sich für jüdisches Leben einsetzen, forderte sie. Auch Schüler des Helmholtz-Gymnasiums, des Hofenfelsgymnasiums und der Berufsschule nahmen am stillen Gedenken teil. Sie präsentierten Zahlen des antijüdischen Terrors, erinnerten daran, dass bereits 15 Jahre vor der Reichspogromnacht in Berlin jüdische Geschäfte geplündert wurden und stellten die Frage, wie Deutschland in Zukunft leben wird. Zusammen sprachen der katholische Pfarrer Wolfgang Emanuel und sein evangelischer Kollege Günter Sifft den Segen. Emanuel bekannte zuvor, dass die katholische Kirche während des Dritten Reiches nicht laut genug gewesen sei, als es um die Judenverfolgung gegangen sei.

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