Zweibrücken
Pfälzerwald-Verein beschreitet neue Wege
Die Fritz-Claus-Hütte des Pfälzerwaldvereins (PWV) in Münchweiler ist bereits verkauft, der Ortsverein selbst wird aufgelöst – es wurde kein neuer Vorstand gefunden. Beim PWV in Merzalben konnte nach monatelanger Suche doch noch ein neuer Pächter für die Vereinshütte im Hafertal gefunden werden. Zwei Anlässe, um bei der PWV-Ortsgruppe Zweibrücken nachzuhören, wie es dort um den Verein und die Hahnberghütte aktuell so bestellt ist.
„Zunächst macht es traurig zu hören, was da in Münchweiler gerade passiert ist“, zeigt sich Jürgen Grauwickel, der Vorsitzende der Ortsgruppe Zweibrücken, betroffen. Die Hütte, die Vorstandschefs und viele Mitglieder kenne er persönlich. „Das sind alles liebe und nette Leute im Verein.“ In seiner Ortsgruppe laufe es aktuell viel besser. Im vergangenen Sommer feierte der PWV das hundertjährige Bestehen seiner Hütte auf dem Hahnberg bei Contwig. Über mehrere Tage war das Sommerfest gut besucht.
Platz für Übernachtungsgäste
Aktuell sind freiwillige Helfer dabei, im oberen Stockwerk alles den aktuellen Brandschutz- und Fluchtweg-Leitlinien anzupassen. Zudem wird der Damenwaschraum neu gefliest. Der Verein möchte sich darauf vorbereiten, in absehbarer Zeit wieder Übernachtungsgäste zu beherbergen: „Wir möchten, so wie es vor Jahren mal war, wieder Jugend- und Wandergruppen oder den Gästen größerer Familienfeiern eine Übernachtungsmöglichkeit bieten“, erzählt Grauwickel über die Pläne der Ortsgruppe.
Die Vereinshütte zu verpachten, das funktioniere einfach in der heutigen Zeit nicht mehr: „Unter der Woche kommt da keiner hoch, das muss man ehrlich sagen; und nur von den Einnahmen aus dem Wochenende kann kein Pächter überleben. Darum haben wir vor drei Jahren gesagt: Wir verpachten nicht mehr und nehmen das wieder selbst in die Hand.“ Mit „wir“ meint Grauwickel einen festen Stamm aus 25 Mitgliedern, die regelmäßig Hüttendienste übernehmen. Alle 14 Tage hat die Hütte an Sonntagen geöffnet. Leberknödel, Bratwurst, Sauerkraut, Soße, Brot, Hausmacherplatte und ein Überraschungsessen zu moderaten Familienpreisen werden in der urigen Holzhütte serviert. Viele weitere Mitglieder erklärten sich immer bereit, selbst gebackenen Kuchen vorbeizubringen, die den Gästen dann auch noch angeboten werden, so Grauwickel.
So wie früher geht es nicht mehr
Während der eine Ortsverein keinen Vorstand zusammenbringt und andere drastische Mitgliederrückgänge verzeichnen, hat der Zweibrücker Wanderverein aktuell 350 Mitglieder, alle 13 Vorstandsposten sind von unterschiedlichen Mitgliedern besetzt. Was macht die Ortsgruppe anders, warum läuft es bei ihr so verhältnismäßig gut? „So wie früher, als es eine Verständlichkeit war, im Verein Mitglied zu sein, so geht das nicht mehr“, leitet der Vorsitzende seine Ausführung ein. Ein „weiter so, wie wir es immer gemacht haben, das ist überholt“, betont der 66-jährige.
„Die persönliche Ansprache ist wichtig, um Mitglieder anzuwerben. Wir setzen uns zu ihnen und kommen so ins lockere Gespräch, das machen wir, wenn jemand in die Hütte kommt, auf den Wanderungen oder bei den Festen.“ Nur so könne man gegenüber den heutzutage unzähligen Freizeitangeboten mithalten. Auch die sozialen Medien bespielen die PWV-Mitglieder regelmäßig. „Es hat ja jeder mittlerweile sein Smartphone, und da ist es wichtig, dieses Instrument zu nutzen, um Werbung für sich zu machen. Davor darf man sich heutzutage nicht mehr verschließen.“
Ziel: Jeden Sonntag öffnen
Ein weiteres Credo des Vorsitzenden lautet: „Es muss einfach sein, damit es einfach ist.“ Darum wurden intern Whatsapp-Gruppen angelegt, um sich gegenseitig zu informieren, hinzuweisen oder um einen Aufruf zu starten. Vor ein paar Jahrzehnten habe man dies nicht gebraucht, weil man sich öfters gehen hat, jeder hatte schlichtweg mehr Zeit. „Heute kann man davon ausgehen, dass wenn ich hundert Leute frage, dann sagen etwa zehn zu.“ Aber das sei auch okay, denn es funktioniere auch so. Keiner solle sich gezwungen fühlen.
„Der Hüttendienst fragt in der Infogruppe, ob jemand Lust hat, einen Kuchen für Sonntag zu backen, und dann kommt da auch immer etwas“, lobt Jürgen Grauwickel, der selbst als 14-Jähriger zur Ortsgruppe kam. Ein Wunschziel hat der Verein trotzdem noch: „Das wäre, wenn wir noch ein paar Helfer finden, damit wir genügend Hüttenteams zusammen bekommen, um jeden Sonntag aufzumachen.“
Info
Am Sonntag, 19. März , von 10 bis 18 Uhr, hat die Hahnberghütte wieder geöffnet. Danach alle 14 Tage.
