Handball
Ohne Sportgruß, dafür mit „Glückwunsch-Winken“ in Zweibrücken
Während der Aufwärmphase gab es kein übliches Gewusel am Spielfeldrand. Musik zur Motivation blieb aber erlaubt. Dass die Schiedsrichter bis zum Anpfiff Maske tragen, ist ebenfalls den ungewöhnlichen Zeiten geschuldet. Sportgruß an der Mittellinie: Fehlanzeige wegen Corona. Mit dem Anpfiff kehrte dann aber die Normalität zurück. Am Ende gewannen die Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken gegen die TG Waldsee mit 27:21 (14:9).
Gäste körperlich über-, aber spielerisch unterlegen
Dass sie über ein halbes Jahr kein Pflichtspiel mehr bestritten hatten, war beiden Mannschaften anzumerken. Es holperte hin und wieder. Die einzige Gästeführung – das 1:0 durch Nadine Fischer – machten Lucie Krein mit einem Doppelschlag und Annalena Frank, die zum 3:1 traf, schnell wett. Aber die Führung verlieh noch nicht die letzte Sicherheit gegen die körperlich überlegenen, spielerisch unterlegenen Südpfälzerinnen. Die nutzten Abstimmungsprobleme in der SV-Defensive, um im Spiel zu bleiben. So durfte Tatjana König aus dem linken Rückraum aus zwölf Metern ungehindert mit einem halbhohen Wurf auf 5:6 verkürzen.
Auf die Zweibrücker Abwehr zulaufen, diese auf den Außenpositionen auseinanderziehen, „und dann immer wieder in die Lücken, die reichlich vorhanden sind, reinstoßen“, forderte TG-Trainer Yannick Adrian von seiner Mannschaft. Das setzte sie in Hälfte eins mehrfach um und zeigte damit auf, woran die Zweibrückerinnen noch feilen müssen. Die neue, ordentlich haltende Torfrau Annalena Zahm war mehrmals gefordert, um den Ausgleich zu verhindern.
Lydorfs Wechsel bringen Schwung in die Sache
„Wir haben ganz gut begonnen, dann etwas Schwung verloren“, analysierte SV-Trainer Rüdiger Lydorf. Die Auszeit in der 21. Minute nutzte er, um einige Wechsel vorzunehmen. Im linken Rückraum feierte Neuzugang Marie Kiefer Premiere, im rechten Rückraum Rückkehrerin Renatá Szabó. Auf der linken Außenbahn machte nach langer Verletzungspause Lucie Dzialoszynski Druck. Alle drei belebten das SV-Angriffsspiel.
Kiefer tat das, was beim 8:6 sich der SV von ihr erhofft: einfache Tore aus dem Rückraum werfen. Dzialoszynski löste an den Kreis auf: 9:7. Dzialoszynski von Außen: 10:8. Nachdem Krein kurz vom Feld musste, dirigierte Dzialoszynski sogar. Jetzt fasste sich auch mal Kim Pfeifer auf rechts ein Herz, erzielte das 12:9.
Gegen den agilen SV-Rückraum war die Waldee-Defensive nun meist zu spät dran. „Ihr müsst das viel schneller entscheiden“, forderte Yannick Adrian. Es ging nicht; zu schnell, auch gedanklich, waren die SV-Angreiferinnen. Wie beim Klasse-Heber von Szabó zum 14:9-Pausenstand.
Perfekte SV-Diagonalpässe
Lydorf beließ es nach dem Wechsel weitgehend bei der erfolgreichen Formation, die den Vorsprung ausbaute. Dass er viel durchwechselte, „hat uns am Ende sicher einen höheren Sieg gekostet, aber ich bin alles in allem zufrieden“, bilanzierte er. Sein Team setzte einige Glanzpunkte: perfekte Diagonalpässe durch die gegnerische Abwehr, die unter anderem Levke Worm in Tore ummünzte. Corona war vergessen, Handball machte einfach Spaß. Die tatsächlichen Kräfteverhältnisse spiegelten sich zusehends im Ergebnis wieder.
In der Schlussviertelstunde ging bei den Gastgebern etwas die Konzentration flöten. Am verdienten Erfolg gab es keinen Zweifel. Das sah auch Waldsee so, das gerne gratuliert hätte, was die Schiedsrichter wegen Corona aber nicht zuließen. Stattdessen gab es von TG-Seite ein freundliches „Glückwunsch-zum-Sieg“-Winken in Richtung der Zweibrückerinnen.
So spielten sie
SV 64 Zweibrücken: Zahm, Schillo (ab 52.) - Schlicker (1), Krein (5/1), Frank (6/3) - Pfeifer (2), Zimmermann - Worm (2) - Dzialoszynski (4), Kiefer (4/1), Szabó (3), Baus, Wagner
TG Waldsee: Bechtel - Demski (3), Eckrich, Steffens - Fischer (2), Schall (6) - Rößler (1) - König (6/2), Gabor, Bringsken, Lübge, Kögel (2), Karl (1)
Spielfilm: 3:1 (5.), 7:5 (15.), 10:9 (25.), 14:9 (Halbzeit), 17:10 (33.), 22:14 (45.), 27:21 (Ende) - Zeitstrafen: 4:3 - Siebenmeter: 5/5 - 3/2 - Beste Spieler: Dzialoszynski, Kiefer, Szabó - König, Schall - Zuschauer: 50 - Schiedsrichter: Kull/Hoffmann (Bingen/Mainz-Bretzenheim).