Zweibrücken „Nix Scheenes is vum Scheenhof ze heere“

„Heit hann ich de ledschde Fuchzichjährische beim Dingler fotografiert. So lang schaffd jedzd kenner meh dord!“ Einmal mehr hatte Walter Rinner, mit seiner Sofortkamera einen Arbeitsjubilar fotografiert. Ihn und seine Polaroidkamera kannte man in der Stadt, und man kannte ihn in den Dingler-Werken. Die langjährigen Firmenchefs „de Kuhn un de Hans Ludwich“, legten Wert auf das Foto in der Zeitung: Dingler war stolz auf seine guten Mitarbeiter. Vor allem dann, wenn sie dem Maschinenbetrieb jahrzehntelang die Treue hielten. Auch andere Einrichtungen dachten so: „De Fawer Fritz aus de Kreditabteilung vun de Schdadtschbarkass is beruhischd, wann eener saad, er schaffd schunn Johr un Daa beim Dingler!“ Wen wundert’s, dass man an diese Heimatgeschichte denkt, wenn nun in der RHEINPFALZ zu lesen ist, dass Terex, wie das Unternehmen inzwischen heißt, bald bis zu 500 Stellen streichen will. Aus Dingler wurde Mannesmann, wurde Demag, wurde Dematic, wurde Terex – und in Zweibrücken gibt es immer noch eine Menge Leute, vor allem bei denen, die dort gearbeitet haben, die wissen, dass „de Scheenhof“ viel in der Stadt bedeutet hat. Der Schönhof war einst ein Bahnhof, und hier wurde das Unternehmen aus kleinsten Anfängen gestartet. Weltweit sollte es dann tätig sein und hatte auf vielen Gebieten einen ausgezeichneten Ruf: ob beim Kraftwerksbau, bei Wasserkraftwerken, beim Tunnelbau oder bei Fördermaschinen für die Gruben im nahen Saarland. Jeden hat es gefreut, wenn er sah, wie eine Dingler-Maschine einen Förderkorb ans Tageslicht brachte und vom Bediener der Maschine hörte: „Die laafd noch wie am erschde Daa!“ Viele hatten irgendeinen Verwandten, der in dem Werk arbeitete und der zwischendurch immer mal wieder „uff Mondaasch“ war. In anderen Ländern – und längst nicht nur in Europa – vermehrten sie den guten Ruf des Zweibrücker Werkes. Viele ärgerten sich, weil sie warten mussten, wenn wieder mal ein Zug „vun unne no owwe ins Nordwerk“ fuhr und ein Mitarbeiter die Weiterfahrt in der Dingler-Straße mit einem roten Fähnchen untersagte. Aber es fehlte beim Wartenden auch nie der Gedanke: „Scheen, die hann viel ze duun!“ Auch wenn es einen nichts anging, so war man doch erfreut, wenn die vorbildliche Betriebskrankenkasse und „de Arxe Hansi, der guude Fußballer“, der dort tätig war, gelobt wurden. Zuerst gab es nahe der Betriebskrankenkasse einen neuen Speisesaal und dann am Fahrenberg ein neues Kantinengebäude, welches dann nicht nur vom Werk selbst genutzt wurde. Und hier gab es die traditionellen Betriebsfeiern. So wurde hinterher immer wieder behauptet, auch wenn es vielleicht gar nicht so stimmte: „Am hinnerschde Disch nei de Kesselschmidd hannse laud gekrisch – die sinn nämlich all beim Dingler schwerheerisch worr!“ Bessere Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit sollte die Verlagerung eines Werksteiles an den Wallerscheid bringen. Aber Produktion und Verwaltung an der Schillerstraße, am traditionsreichen Platz des Unternehmens, wurden weiterhin gebraucht. Gerade wird in der Reformationsausstellung des Stadtmuseums auf die große Bedeutung der Dingler-Presse verwiesen, gleiches geschieht im Gutenberg-Museum in Mainz. Hoffen wir, dass all diejenigen, die jetzt Unterstützung beim Stellenabbau ankündigen, dies auch tatkräftig tun. Denn das Unternehmen ist seit 1827 ein ganz wichtiger Teil der Stadt Zweibrücken. Und es ist zu schade dafür, zum Spielball zu werden.