Zweibrücken Nichts für Harmoniesüchtige

91-75172054.jpg

Zweibrücken. „Schiedsrichter, Telefon!“ Manfred Stock hat sich vielleicht unbewusst auf diese oft benutzte Schiri-Schmähung bezogen, als er sich ins Telefonbuch eintragen ließ. Dort steht nämlich: „Manfred Stock, Schiedsrichter.“ Der 72-jährige Referee liebt den Fußballsport, und da ohne Unparteiische kein regulärer Ball rollen würde, schiebt er den Dienst an der Pfeife auch im reiferen Alter mit Leidenschaft.

Seit 1972 leitet er Fußballspiele, in den mehr als vier Jahrzehnten hat er sich auf den Plätzen der Region schon Schlimmeres anhören müssen als „Schiedsrichter, Telefon!“. „Man ist natürlich eine Reizfigur“, weiß er. So mancher Zuschauer habe mehr Freude daran, sich mit dem Schiedsrichter anzulegen, als beim Betrachten der Partie. Fußball sei nun mal eine sehr emotionale Angelegenheit. „Bestimmt fünf Prozent kommen gar nicht wegen des Spiels, sondern wegen des Schiedsrichters“, schätzt der Routinier. Stock habe sich stets an die Regel „auch mal auf Durchzug stellen“ gehalten. Nicht auf jede unflätige Bemerkung müsse man reagieren. Vergleicht Stock das Hier und Heute mit den Anfängen seiner Laufbahn, stellt er von Seiten der Spieler ein etwas gemäßigteres Verhalten fest. „Man ist nicht mehr so beleidigend“, sagt er. Der Job an der Pfeife sei aber nach wie vor nichts für Harmoniesüchtige, viele Zuschauer nutzen immer noch den Schiri als Sündenbock. „Dann wird es schnell unsachlich“, weiß der ehemalige Schiedsrichter- Obmann und langjährige Lehrwart. Den Umgang mit schwierigen Charakteren ist Manfred Stock freilich gewohnt, schließlich spielte sich sein Berufsleben im Zweibrücker Gefängnis ab. „Dort war ich Ausbilder in der Buchbinderei, man lernt viel über Menschenführung“, erzählt er. Wie man als Schiri auf eine Anmache durch Zuschauer besonnen reagieren kann, macht er an einem Beispiel deutlich. Vor Jahren habe ihn ein älterer Mann während einer Partie mal als „Pfeifenkopf“ und „Depp“ beschimpft. Manfred Stock hat dem Zuschauer nachher gesagt, er solle sich mal vorstellen, dass sein Sohn ein Schiedsrichter sei, der übel beschimpft werde. „Ob er das wolle, hab’ ich ihn gefragt.“ Da habe sich der Mann mehrfach bei ihm entschuldigt. Auch im Umgang mit den Spielern setzt Stock auf Besonnenheit. „Während der drei zurückliegenden Spielzeiten habe ich nur drei Rote und zwei Gelbe Karten gezogen“, sagt er. Viel besser sei es, energische Ermahnungen auszusprechen, statt zu schnell einen Karton zu zücken. „Der Schiedsrichter sollte sich nicht wie ein König aufführen. Eigentlich sollte er die unauffälligste Person auf dem Feld sein“, findet er. Selbstherrliches Auftreten provoziere Spieler wie Zuschauer nur unnötig. Ein gutes Verhältnis zu den Mannschaften war und ist Manfred Stock immer wichtig. Im besten Fall verstehe man sich als Sportkamerad, das könne sich auch mal in einer netten Geste äußern. In seiner Küche hat der Schiedsrichter, der ans Aufhören noch länger nicht denken will, zum Beispiel einen besonderen Fußball liegen. Der stammt aus der Partie der Bezirksklasse Mitte zwischen dem VfB Reichenbach und dem FV Kindsbach, das Reichenbach am 28. April 2013 mit 12:0 gewann. Für Manfred Stock war es das letzte A-Klassen-Spiel, das er leitete, Reichenbach stieg in die Bezirksliga auf, sämtliche VfB-Kicker haben sich auf dem Ball mit ihren Unterschriften verewigt.

x