Hardrock
Neues von der Band Thundermother – CD und Konzert in der Region
Sie haben 2021 in der Zweibrücker ACH-Halle gespielt und bereits drei Jahre zuvor beim Stadtfest. Erinnern Sie sich daran?
Oh ja, daran erinnere ich mich noch sehr gut. Die Auftritte hatte damals Lars Lunova von der Band Sin City organisiert – ein guter Freund von mir.
Sie haben die Band Thundermother 2009 gegründet, also vor 16 Jahren. Wie hat sich die Band seither entwickelt?
Als ich angefangen habe, als Teenager Songs zu schreiben, war das im Stil der Singer/Songwriter. Aber dann habe ich mich gefragt, ob ich mir das selbst anhören würde und habe mich für einen härteren Weg entschieden. Ich hatte immer die gleiche Vision von dem, was wir als Band sind: eine raue Rock'n'Roll-Band mit Power, die eine höllische Show hinlegt. Je länger es die Band gibt, desto mehr haben wir uns musikalisch entwickelt. Wir grooven mehr als je zuvor und haben dabei eine unheimliche Bandbreite von Heavy Metal bis hin zu fast poppigen Liedern. Und es ist immer noch die Musik, die wir auch selbst gerne hören.
Sie haben 2023 die Tour der Scorpions im Vorprogramm begleitet, unter anderem beim Konzert in Mannheim, und haben dann zusammen mit den Scorpions und Whitesnake in den USA gespielt. Welchen Eindruck hat das bei Ihnen hinterlassen?
Diese Konzerte waren unglaublich. Es war ein wahr gewordener Traum, in Arenen in ganz Nordamerika und Europa zu touren. Wir haben unglaublich viel darüber gelernt, wie man in einem großen Rahmen tourt und was als Gruppe wichtig ist. Es war jedes Mal ein bisschen beängstigend, bevor wir auf die Bühne gingen, aber es hat immer Spaß gemacht. Die Scorpions haben uns sehr nett aufgenommen und uns immer das Gefühl gegeben, ein Teil ihrer Familie zu sein. Das zeigt auch, wie bescheiden die Jungs trotz ihres Erfolgs sind. Wir haben zusammen gegessen und Zeit miteinander verbracht. Wir hatten einen sehr engen Kontakt vor allem zu Mikkey Dee, dem Schlagzeuger der Scorpions, der wie wir aus Schweden stammt. Es war außerdem unsere erste Tour mit neuer Sängerin und neuer Drummerin und ich erinnere mich, wie viel Spaß uns diese neue Besetzung von Anfang an gemacht hat, obwohl wir uns erst noch richtig kennenlernen mussten.
Wie war es für Sie, in diesen großen Arenen zu spielen?
Ich habe zuvor noch nie solch große Dimensionen gesehen. Absolut fantastisches Licht, 100 Leute die sich um alles kümmern, damit die Show zu einem Erlebnis wird. Das ist richtig cool. Die Trucks fahren vor und nach der Show in die Hallen rein, dort, wo während des Gigs die Fans stehen. Das ist völlig verrückt, wenn man sieht, wie groß und teuer der ganze Tross ist. Unser neues Ziel ist es seitdem, selbst auf einem höheren Level zu spielen, wofür wir auch sehr viel Geld ausgeben – auch mein eigenes.
Sie haben vorhin die Umbesetzungen in der Band angesprochen. War es schwer, neues Personal zu finden?
Nein. Die Bassistin hat schon früher bei uns gespielt. Außerdem sind wir durch ein paar Hits recht bekannt und ich habe viele Freunde in der Szene. Mit der Sängerin Linnéa Vikström bin ich schon lange befreundet. Letztlich war es nur schwierig, einen neuen Drummer zu finden. Das ging dann über Instagram. Joan Massing ist Französin und lebt kurz hinter der Grenze bei Saarbrücken. Dort hat sie auch eine andere Band: Honey Creek. In der spielt auch James Boyle, der einige Zeit in Zweibrücken gelebt hat.
Trotz einiger Umbesetzungen ist Thundermother immer eine reine Frauenband geblieben. Ist das ihr Markenzeichen?
Es ist insoweit unser Markenzeichen, als dass wir damit zeigen, dass es völlig egal ist, ob du Mann oder Frau bist, solange du guten Rock’n’Roll spielst.
Spielt in einer Band das Aussehen einer Frau eine wichtigere Rolle als das eines Mannes?
Ich glaube, dass wir leider tatsächlich in einer anderen Art beurteilt werden, was mir aber egal ist. Die anderen in der Band empfinden da schon größeren Druck – vor allem durch die sozialen Medien. Ich ignoriere das, aber für die anderen ist das grauenhaft.
Sie spielen sehr viel in Deutschland. Wie wichtig ist dieser Markt eigentlich für die Band Thundermother?
Er ist alles für uns. Ohne das deutsche Publikum könnten wir nicht von der Musik leben und dafür sind wir sehr dankbar.
Bei der aktuellen Tournee haben Sie mit „Dirty & Devine“ eine neue CD im Gepäck, die gerade erst gestern erschienen ist...
... und es ist unsere bisher beste. Zwei der zehn Songs stammen aus meinem Songpool, den Rest haben unsere Sängerin Linnéa und ich eigens für das Album geschrieben.
Hatten Sie im Vorfeld einen Plan, wie das Album einmal klingen soll?
Absolut. Wir haben den Songs Arbeitstitel sogar gegeben. Da gab es den „AC/DC-Song“, den „Darkness-Song“ oder den „DAD-Song“. Insoweit haben wir immer das fertige Album im Hinterkopf gehabt. Wir haben es dann auch live im Studio in nur vier Tagen aufgenommen.
Es ist bereits das dritte Album, das Sie mit dem Produzenten Sören Andersen aufgenommen haben. Welchen Einfluss hat er auf die Musik von Thundermother?
Er ist ein großartiger Produzent. Wenn ich manchmal dachte, wir hätte einen perfekten Song aufgenommen, hat er ihn noch einmal völlig auf den Kopf gestellt, um letztlich dann aber doch zu sagen, dass er sich geirrt hat und meine Version besser ist. Er hat wirklich einen guten Draht zu unserer Musik.
Es ist auffällig, wie viele gute Musiker genreübergreifend aus Skandinavien und besonders aus Schweden kommen. Woran liegt das?
Bei uns werden schon kleine Kinder gefördert, ein Instrument zu lernen. Der Unterricht ist sehr preiswert und zum Teil sogar kostenlos. Deshalb lernt in Schweden fast jedes Kind ein Instrument. Außerdem haben wir sehr viele Möglichkeiten, in einem Orchester, einer Band oder einem sonstigen Ensemble zu spielen. Und die meisten Proberäume stehen kostenlos zur Verfügung. Das alles fördert natürlich sehr das Interesse an Musik.
Sie waren selbst auf einem Konservatorium. Welche Erfahrungen haben Sie da gesammelt?
Dort war ich neben 19 Gitarristen die einzige Frau, weshalb alle auf mich geschaut haben. Und egal, was ich gemacht habe, habe ich immer mehr Feedback der Lehrer bekommen als all die anderen. Das hat mich manchmal sehr unter Druck gesetzt, weshalb ich irgendwann mal müde war und zwei Jahre keine Gitarre angefasst habe.
Infos
- Das Konzert: Saarbrücken, Garage. Dienstag, 18. Februar, 18.30 Uhr. Vorprogramm: Cobra Spell und Vulvarine.
- Die CD: Thundermother: „Dirty & Devine“. AFM-Records.
han