Zweibrücken-Ernstweiler
Neues Kirchendach ist fertig, doch noch mehr muss getan werden
Pfarrer Reinhard Scheller zeigt sich von der Sanierung des Daches angetan, auf die die Kirchengemeinde seit zehn Jahren gewartet hatte. Weil das nötige Geld fehlte, hatte man das Projekt immer wieder aufschieben müssen. Umso mehr freut sich Reinhard Scheller, dass es mit der Finanzierung jetzt endlich geklappt hat und der beauftragte Dachdecker einen „mehr als fairen Preis“ aufgerufen habe.
Vor wenigen Tagen wurde das letzte Gerüstteil abgebaut. Doch damit ist die Sanierung der Kirche noch immer nicht abgeschlossen. Denn man wird auch noch dem weißen Schimmel zu Leibe rücken müssen, der sich im Kirchenschiff breitgemacht und auch die Orgel befallen hat.
Turm stammt aus dem Jahr 1263
„Der Ringgraben für den Blitzableiter muss noch gemacht werden, ansonsten ist die Dachsanierung erledigt“, erklärt Scheller. Vorher waren ein oder zwei Blitzableiter installiert, inzwischen ist aber Vorschrift, dass mehrere Massepunkte ringförmig in die Erde abgeleitet werden. Dies sind jedoch Details, die man von außen kaum sehen kann.
Gut sichtbar ist hingegen das neue, rot leuchtende Dach von Kirchenschiff und Turm. Das Kirchenschiff wurde 1955 neu aufgebaut, nachdem Bomben das ursprüngliche Gebäude im Krieg zerstört hatten. Der Turm stammt noch aus dem Jahr 1263 und ist somit der älteste Teil der protestantischen Kirche gegenüber des Prinzenparks. Vor der Sanierung war das Dach nicht mehr ganz dicht, auch wenn die ganze Zeit Gottesdienste noch stattfinden konnten.
Preissteigerung umgangen
„Der Architekt hat einen sehr trockenen Humor und sagt, es wird nur dann richtig teuer, wenn das Dach einstürzt“, erinnert sich Pfarrer Reinhard Scheller. Aber davon sei die Kirche trotz allem weit entfernt gewesen. Man sei auch bei Starkregen und beim plötzlichen Wintereinbruch im April glimpflich davongekommen. Und habe mit Dachdecker Hitschler einem Unternehmen den Zuschlag gegeben, das laut Scheller „ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis“ geboten habe. Zum einen habe sich die Zweibrücker Firma in der Ausschreibung mit dem wirtschaftlichsten Angebot gegen elf Mitbewerber durchgesetzt, zum anderen habe Hitschler die benötigten Dachschindeln noch auf Lager gehabt. Somit habe man die enormen Preissteigerungen beim Baumaterial umgehen können.
Bereits vor zehn Jahren hätte das marode Dach der Christuskirche an der Ampelkreuzung in Ernstweiler saniert werden sollen. Doch Preiserhöhungen bei anderen Bauvorhaben hätten die Finanzausstattung der Kirchengemeinde massiv belastet. „Es war einfach kein Geld da für die Dachsanierung. Wir haben allen Geldgebern Bescheid gesagt, dass uns das Wasser bis zum Hals steht. Am Jahresanfang 2022 ergab sich dann endlich die Gelegenheit, das Dach zu sanieren“, erklärt der Pfarrer. Im Februar begannen die ersten Arbeiten.
Zwei neue Glockenklöppel
In den Jahren zuvor wurden bereits die Dachwohnung des Pfarrhauses saniert sowie die beiden Kindergärten der Kirchengemeinde Bubenhausen-Ernstweiler. Insgesamt haben die Kirchengemeinde, Spender, die Landeskirche sowie die Herzog-Wolfgang-Stiftung rund 140.000 Euro investiert. Neben dem Dach wurden der Turm renoviert, der einen Riss hatte, zwei neue Glockenklöppel eingebaut und etliche Fenster an der Westseite des Gotteshauses erneuert.
Auch die Glasmosaik-Gedenkstätte für die Opfer der beiden Weltkriege, die die Kirche und das Pfarrhaus über einen Gang miteinander verbindet, konnte renoviert werden: Das dafür nötige Gerüst stand ja ohnehin zur Verfügung.
Hoffen auf neue Geldzuflüsse
Noch nicht gelöst ist derzeit die Schimmelfrage in der Ernstweiler Kirche. „In der Zwischendecke haben wir ein großes Problem. Der Dachstuhl ist nicht isoliert. Die feuchtwarme Luft, beispielsweise von Kirchenbesuchern, zieht nach oben, wo sie kondensiert. Daher hat sich dort Schimmel gebildet, von dem auch bereits die Orgel betroffen ist“, erläutert Reinhard Scheller. Die Landeskirche gebe hier zwar einen kleinen Zuschuss, doch die geschätzten Kosten hätten sich von anfangs 35.000 Euro auf mittlerweile 50.000 Euro gesteigert. Und das allein schon für die Orgelsanierung, also ohne Schimmelsanierung der Zwischendecke.
Diese Sanierung wird wohl noch mindestens zwei Jahre warten müssen. „Wir können uns das zurzeit nicht leisten. Wir erwarten in den kommenden beiden Jahren aber Geldzuflüsse“, sagt Scheller. Sanierungsbeginn im Innern der Kirche könnte dann in zwei Jahren sein. „Eventuell“, wie er einschränkt.