Zweibrücken
Neuer Besitzer gründet Entwicklungsgesellschaft für denkmalgeschützte Villa
Im Handelsregister wurden zwei neue Firmen eingetragen: die Villa Schwinn GmbH & Co. KG, die „die Bewirtschaftung und Entwicklung der Gebäude und Freiflächen der Villa Schwinn in Zweibrücken“ zum Ziel hat, und die Villa Schwinn Projektentwicklungs GmbH. „Gegenstand: der Erwerb, die Entwicklung und Bewirtschaftung von Grundbesitz auf eigene Rechnung, insbesondere im räumlichen Bereich der Immobilie Villa Schwinn in Zweibrücken und das Halten von Beteiligungen, insbesondere als Komplementär an der Villa Schwinn GmbH & Co. KG mit dem Sitz in Zweibrücken“, wie es im Handelsregister heißt.
Willi Geßner ist Geschäftsführer der Projektentwicklungsgesellschaft, die wiederum Gesellschafter der Villa Schwinn GmbH & Co. KG ist. Was er mit der denkmalgeschützen Villa vorhat, ist nicht bekannt. Der Bitte um Rückruf kam Geßner am Freitagmittag nicht nach. Dass zwei neue Gesellschaften gegründet wurden, deutet zumindest darauf hin, dass Geßner die Villa und das Umfeld weiterentwickeln möchte. Weitere Rückschlüsse sind aber nicht möglich.
„Positive Entwicklung kann beginnen“
Die Villa Schwinn am nördlichen Ende der Zweibrücker Innenstadt, schräg gegenüber dem früheren Parkbrauerei-Gelände, hatte einer Erbengemeinschaft gehört. Die hatte vor zehn Tagen mitgeteilt, dass die die Villa samt Gelände an den Immobilienmakler verkauft hat. „Willi Geßner ist Zweibrücker, und er hat viel Erfahrung auch mit größeren Objekten in Zweibrücken wie beispielsweise dem ehemaligen Evangelischen Krankenhaus und dem ehemaligen Finanzamt Zweibrücken. Er weiß um die prominente Lage der Villa und um die Bedeutung der denkmal-geschützten Teile für die Stadt Zweibrücken. Eine positive Entwicklung der Liegenschaft kann beginnen“, hieß es in der Mitteilung. Der Kaufvertrag sei unterzeichnet, die Eigentumsübertragung werde aber erst in der Jahresmitte 2022 stattfinden. Bis dahin blieben die Erben Ansprechpartner der Mieter.
Die in der Pressemitteilung genannten Gebäude gehören Geßner aber nicht mehr: Das frühere Evangelische Krankenhaus hat er an die Firma Helexier verkauft, das Finanzamt an die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau. Die hat auch das Gebäude des Zweibrücker Hauptbahnhofs gekauft, das zwischendurch Geßner gehört hatte. Der Zweibrücker war auch im Umland tätig: Ihm gehörte das Dellfelder Neubaugebiet am Ortseingang von Falkenbusch, das nun die Schmitshauser Firma Staab erschließt, und vor fünf Jahren hatte er den Kiosk im Contwiger Freibad gepachtet. Willi Geßners Immobilia GmbH, die ihr Büro in der Zweibrücker Poststraße hat, lässt auch Häuser bauen, die sie dann vermarktet, und sie vermietet und verkauft Wohnungen, Häuser und Geschäftsräume – unter anderem die Räume des ehemaligen Musikhauses Müller am Hallplatz.
Dreizimmerwohnung in der Villa zu mieten
Seit Freitag bietet Immobilia auch eine Drei-Zimmer-Wohnung in der Villa Schwinn an. Die Villa beherbergt einige Mietwohnungen, außerdem befindet sich die KFZ-Werkstatt Steinberger auf dem Gelände. In der früheren Remise, dem einstöckigen Gebäude in der Gutenbergstraße, hat die Fahrschule Frank ihre Räume. Um dieses ehemalige Kutschenhaus hatte es in den vergangenen drei Jahren heftigen Streit gegeben. Die Firma Irus, ein Investor aus Saarbrücken, wollte neben der Villa drei große Wohnblocks mit 86 Wohnungen bauen und dafür die Remise abreißen. Dagegen waren Zweibrücker Denkmalschützer Sturm gelaufen. Einer Bauvoranfrage hat die Stadt zugestimmt, aber im November zog sich der Investor zurück. Die Firma hatte die Villa noch nicht gekauft und noch keinen Bauantrag gestellt. Die Bauvoranfrage ist weiterhin gültig.