Die Wochenend-Meinung
Nach Corona sind wir wieder in den alten Trott verfallen
Manchmal kommt es mir dieser Tage vor, als habe es die vergangenen zweieinhalb Jahre nicht gegeben. Als seien es 30 Monate gewesen, die wir in einem Paralleluniversum verbracht haben, bis es „puff“ gemacht hat und wir wieder in unserer wirklichen Welt gelandet sind.
Ich habe nicht vergessen, wie schwer die Zeit seit Frühjahr 2020 für viele war. Mit den ganzen Einschränkungen, den Entlassungen, den fehlenden Einnahmen, den Absagen von Konzerten, den geschlossenen Kinos, dem Unterricht zuhause über den Computer, geschlossenen Kindergärten, den Videokonferenzen, den Reisen, die unmöglich wurden. Ich weiß, dass viele gelitten haben unter den Besuchsverboten in Krankenhäusern und Altenheimen. Dass Patienten auf der Intensivstation beatmet werden mussten und dass manche heute noch an den Folgen der Krankheit leiden. Und ich kenne Menschen, die nahe Angehörige und Freunde durch die Krankheit verloren haben.
Zweibrücken wird aus allen Nähten platzen
Ich bin auch froh, dass wir wieder ohne Maske einkaufen können. Dass wir wieder reisen dürfen. Dass sich die Menschen wieder treffen und feiern. Wie heiß sie darauf waren, hat vor einer Woche das Dorffest in Contwig gezeigt, wo so viel los war, dass es wie ein kleines Stadtfest wirkte. Ich bin mir sicher, dass Zweibrücken Ende Juli aus allen Nähten platzen wird, wenn das richtige Stadtfest wieder über die Bühne geht.
Aber es gibt auch die Momente, in denen ich mir wünsche, wir hätten aus der Coronazeit mehr mitgenommen als die Erkenntnis, dass Besprechungen auch per Videokonferenz möglich sind und dass die Schulen bessere Computerausstattungen brauchen. Diese Woche war so ein Moment, als ich an der Kasse stand und die Kundin hinter mir offenbar meinte, es ginge drei Sekunden schneller, wenn sie mir so nah auf die Pelle rückt, dass ich sie quasi schon huckepack nehme. Und ich muss zugeben: Es hat mir gefallen, wie das Leben zur Zeit der Ausgangsbeschränkungen etwas langsamer schien, wie es weniger laut, weniger hektisch war. Wie man in der Fußgängerzone den wildfremden Mann grüßte, den einzigen, der auch noch unterwegs war.
Zu wenig neue Ideen
Natürlich ist es besser, dass das Leben wieder pulsiert. Aber es wundert mich doch, wie schnell wir wieder in unseren alten Trott gefallen sind. Ich hätte gedacht, dass sich manches gesundschrumpfen würde. Hätte mir gewünscht, dass manches, was man am Ende nur noch gemacht hat, weil man es schon immer so gemacht hat, eben nicht genau so wiederkommt, sondern durch neue Ideen ersetzt oder angereichert wird. Das sehe ich aber zumindest in diesem Sommer, dem ersten seit zwei Jahren ohne große Corona-Auflagen, noch nicht. Stattdessen kommt es mir vor, als wäre 2022 das Jahr nach 2019.