Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Moritz Baumgart: Training mit Ida, Elodie und Hatschi statt Oberliga in Zweibrücken

Als Spielertrainer der TS Rodalben genoss Moritz Baumgart (beim Wurf) 2019 die tolle Atmosphäre beim „1000-plus-Spiel“.
Als Spielertrainer der TS Rodalben genoss Moritz Baumgart (beim Wurf) 2019 die tolle Atmosphäre beim »1000-plus-Spiel«.

Zu Saisonbeginn ist der Rodalber Moritz Baumgart von den TSR-Handballern zum Oberligisten VTZ Saarpfalz zurückgekehrt. Corona und ein Stromausfall haben verhindert, dass er bis dato ein Ligaspiel für die VTZ bestritt. Langweilig wird ihm aber nicht.

31 Jahre alt ist Moritz Baumgart. In eine Rodalber Handballer-Familie geboren, gehörte der Handball von Kindesbeinen an zu seinem Leben. „Die längste Zeit ohne Handball war die, als ich mir die Achillessehne gerissen hatte. Aber auch da gab es Aufbautraining, war man als Zuschauer dabei. So eine Situation wie jetzt habe ich als Handballer noch nie erlebt“, sagt Baumgart. Natürlich sehe er das Infektionsgeschehen, natürlich sei es nachvollziehbar, dass etwas getan werden müsse, „aber es ist natürlich nicht schön, wenn einem das Hobby genommen wird oder bei manchen, was ich mir gar nicht vorzustellen vermag, die Existenz“, beschreibt er seine gemischten Gefühle.

Wiese hat ihn überzeugt

Mitte März war coronabedingt zum ersten Mal in diesem Jahr Schluss mit Handball gewesen. Baumgart war damals noch in der Pfalzliga Spielertrainer bei der TS Rodalben. Die Entscheidung, nach zwei TSR-Jahren zur VTZ zurückzukehren, sei da „schon getroffen gewesen“, erinnert er sich. Mit Philip Wiese, im VTZ-Oberliga-Meisterteam 2018 sein Käpt’n, hatte er sich auf ein Bier getroffen. Wiese, gemeinsam mit Kai Schumann mittlerweile VTZ-Coach, hatte ihm erzählt, was sich das Trainer-Duo so vorstelle. „Was er mir erzählt hat, hat mir gefallen“, begründet Baumgart seine Entscheidung pro VTZ, pro Oberliga-Handball.

Kein Ausstand in Rodalben

„Unsere Runde war ja absolut nicht so verlaufen, wie wir uns das vorgenommen hatten. Von daher war der Saisonabbruch sportlich gesehen nicht so schlimm“, erinnert Baumgart an sein zweites Spielertrainer-Jahr in Rodalben und schiebt ein dickes Aber nach: „Aber wir hatten uns vorgenommen, jedes Spiel bis zum Saisonende mit ganz viel Spaß zu spielen, jedes Spiel als Team zu genießen.“ Daraus wurde nichts mehr. „Ich habe zum Beispiel meinen Ausstand nicht feiern können“, bedauert er.

Gesundheitsberater in Rodalben

Als ab Sommer wieder gemeinsam trainiert werden durfte, die Vorbereitung bei der VTZ begann, sei es „ein gutes Gefühl gewesen, wieder Teil eines Teams zu sein“, sagt Baumgart. Die VTZ hatte er im Meisterjahr als junger Papa verlassen. Als zweifacher Papa kehrt er zurück. Mit Freundin Carina, den Töchter Ida (3) und Elodie (1) lebt er in Pirmasens. Gerade ist er dabei, seine berufliche Selbstständigkeit als Gesundheitsberater in Rodalben vorzubereiten: „Zeitlich kommt mir das Trainingsverbot also ein bisschen entgegen, weil ich viel zu tun habe.“ Für sportlichen Ausgleich sorgen unter anderem seine Töchter. Tragen, schaukeln, in die Luft werfen – das ist Krafttraining im Papa-Alltag, zu dem manchmal auch Windelwechseln gehört. Dass das Laufen nicht zu kurz kommt, dafür sorgt Akito „Hatschi“, der nach dem bekannten Filmhund Hachiko benannt wurde. „Weil er sich vom Wesen her wie ein Bert entwickelt hat, nennen wir ihn meist so“, verrät Baumgart über den Vierbeiner im Haus.

Aufwand unterschätzt

„Wenn man was macht, dann macht man es richtig“, erklärt Baumgart, warum er sich nach dem Oberliga-Meisterjahr, in dem er als Allrounder ein wertvoller Spieler war, gegen Drittliga-Handball in Zweibrücken entschied. Den erforderlichen Aufwand, um in dieser Klasse spielen zu können, mit seinem Leben als junger Papa unter einen Hut zu bringen, erschien ihm „schwierig“. Er beschloss, als Spielertrainer in die Pfalzliga zu wechseln. „Ich muss zugeben, ich habe mich total verschätzt, was den Zeitaufwand betrifft“, bekennt er schmunzelnd. Der Aufwand sei deutlich höher als geplant gewesen. „Aber ich bin froh, dass ich diese Chance bekommen habe. Das hat mich in vielerlei Hinsicht weitergebracht.“

Hoffen auf 2021

Jetzt würde er gerne mit der VTZ noch mal eine schöne Runde spielen. Die Vorbereitung, Tennis-Einheit und Weinprobe inklusive, habe „Spaß gemacht“. Der geplante Oberliga-Saisonauftakt gegen den Titelkandidaten TV Homburg wurde zweieinhalb Stunden vor dem Anpfiff abgesagt. Ein Stromausfall hatte Zweibrücken lahmgelegt. „Da hat man das Gefühl, dass sich alles gegen einen verschworen hat“, sagt er und kann mittlerweile darüber lachen. Dass kurz darauf die Corona-Pandemie dafür sorgte, dass die Saison, die für Baumgart & Co noch gar nicht begonnen hat, schon wieder unterbrochen wurde, habe „dazu gepasst“. Baumgart: „Aber wir müssen das alle so nehmen, wie es kommt.“ Er hofft, 2021 wieder Handball spielen zu dürfen.

Mit der VTZ wurde Moritz Baumgart in der Saison 2017/18 Oberligameister. Jetzt trägt er wieder das VTZ-Trikot.
Mit der VTZ wurde Moritz Baumgart in der Saison 2017/18 Oberligameister. Jetzt trägt er wieder das VTZ-Trikot.
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