Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Moka Efti Orchestra spielt Hits aus der Serie „Babylon Berlin“

Der Funke sprang direkt über: Das Moka Efti Orchestra legte in Zweibrücken einen überzeugenden Auftritt hin.
Der Funke sprang direkt über: Das Moka Efti Orchestra legte in Zweibrücken einen überzeugenden Auftritt hin.

Welche Rhythmen, welche Sounds, welche Tempi! Einfach Wahnsinn, was am Samstag in der Festhalle Zweibrücken mit dem Moka Efti Orchestra über die Bühne ging.

Die Bühne ist in ahnungsvolles Dunkel getaucht. Langsam erscheinen die Akteure. Das Licht richtet sich auf das Orchester. Es legt los – und wie. Der Funke springt sofort über. Die Zuschauer klatschen mit, lassen sich anstecken von der einpeitschenden Musik. Da die Posaune mit Dämpfer, so typisch für den Sound der 20er-Jahre. Das Saxofon übernimmt, nicht weniger treibend. Schlagzeug, Banjo, selbst die Streichinstrumente folgen dem irrwitzigen Takt. Ein audiovisueller Höhenflug. Die Klangstärke der Band haut regelrecht in den Saal, Entrinnen unmöglich.

Fans der Fernsehserie „Babylon Berlin“ wissen sofort, wovon die Rede ist beim Namen Moka Efti. Denn den Auftakt bilden, wie Saxophonist und Arrangeur Sebastian Borkowski später erklären wird, Stücke aus „Babylon Berlin“. Diese Produktion hat das Orchester zusammengebracht. Und weil die Stücke allen Beteiligten so gut gefielen und ankamen, hätten sie beschlossen, zusammenzubleiben und die Musik jener Epoche weiterzutragen.

Die coole Sängerin

Etwas gedämpfter, etwas zurückgenommen wirkt im Vergleich zum Anfang die „Eigenproduktion Rainbow“. Nicht nur Sänger Nikko Weidemann, auch das großartige Posaunensolo erntet kräftigen Einzelapplaus. Schier aus dem Nichts taucht Severija Janušauskaite auf. In ihrem schwarzen Anzug hebt sie sich kaum vom Hintergrund ab. Sie lässt sich auf dem Stuhl vor dem Orchester nieder. Wie in weiteren Beiträgen scheint sie sich in ihre Interpretation hineinzufühlen. „Join the Club!“. Keine Aufforderung, keine Bitte, nein, einfach ein Statement. Der Angesprochene wird nicht ablehnen können. Die Instrumente unterstreichen den Text – mal kräftiger, mal dezenter. Ganz ruhig klingt das Stück aus und geistgleich verlässt die Sängerin die Bühne.

Janušauskaites dunkle Stimme kommt in „Vaskresenje“ abermals perfekt zum Einsatz. Tod und Tristesse, die Morbidität der Epoche, stellen sich hier musikalisch dar. Insbesondere die Streicher untermalen diesen Zustand. Ihre rauchige Stimme füttert die Sängerin wirklich bei „Snake“. Das Bitterböse, das Todessehnsüchtige intoniert sie - schon fast dem Hier und Jetzt entrückt – ideal.

Charleston und Tango

Ein Kontrapunkt: „Chip Chip Chap“, ein echter Charleston, folgt. Wer hat nicht sofort die Damen in ihren Fransenkleidern mit schwarzen Bob und verlängertem Glimmstängel im Mund vor Augen? Gleich werden sie im Ballsaal die Unterschenkel nach außen wegwerfen. Herrlich leichtfüßig und fröhlich kommt die Komposition daher. Ebenso erinnern „Wannsee“ und „Lange Beene“ an die Partystadt Berlin. „Auf diese Hits stürmten die Leute damals die Tanzfläche“, sagt Banjo-Spieler und Sänger Christoph Bernewitz.

Der „Fatalist Tango“ entführt wieder ins verruchte Berlin, in die Unterwelt des „Moka Efti“. Klavier, Schlagzeug, Streichinstrumente, Geige, Bass und Bläser übernehmen nacheinander die Führung. Eine bedrohliche Kulisse baut sich passend zum Inhalt auf, den wiederum Weidemann darbietet. Tempo und Modus wechseln. Die Scheinwerfer schwirren durch den Raum, ziehen über die Zuschauer hinweg. Ein voluminöses Crescendo beendet den Rausch.

Weill und Holländer

Als eine neu arrangierte Hommage an Kurt Weill kündigt Weidemann „Surabaya Johnny“ an. Es ist der traurig-dramatische Song einer Frau, die so stark liebt und dennoch fallengelassen wird. Da stoßen die Posaunen den Jammer aus, dort weinen die Streicher. In einem Tutti wird das Unglück empathisch unterlegt. Das „ich liebe dich so“ verhallt.

Eine Erinnerung an den ersten Jazz-Pianisten Friedrich Holländer soll nicht fehlen. Sämtliche Instrumentalisten zeigen in dem „Holländer Mashup“ die große Bandbreite ihres Könnens.

Todesfurcht und Vergnügen

Kurz vor Schluss intoniert Severija Janušauskaite noch eins der Lieder, die „Babylon Berlin“ symbolisieren: „Zu Asche, zu Staub“. Thematisiert werden Vergänglichkeit, Todesfurcht und - dem entgegengesetzt - der Aufruf, das volle Leben zu genießen. Einzigartig das Schlagzeug-Solo, das diesen Tanz auf dem Vulkan betont.

Nach anderthalb Stunden beendet der „Böse Zwilling“ die Show. Und auch hier wie in den vom Publikum eingeforderten Zugaben geben die Musiker nochmals alles. Es ist eine Freude, den Solisten zuzuhören und zuzusehen. Meisterhaft verstehen sie ihr Metier und gehen in ihm auf.

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