Reportage
Mittelbacher Chor Gospel & Praise probt auf der grünen Wiese
Auf der grünen Wiese vor dem Sängerheim in Contwig saßen die Chordamen von Gospel & Praise am Sonntagnachmittag in weiten Abständen auf nummerierten Stühlen. Chorleiter Wolf-Rüdiger Schreiweis traf auf einer kleinen Anhöhe hinter seinem Stage-Piano und den Lautsprecherboxen derweil letzte Vorbereitungen.
Es war die erste gemeinsame Live-Probe des Chores seit dem Corona-Lockdown. Die Stimmung an dem sonnigen Frühsommer-Nachmittag hätte daher nicht besser sein können, viele machten gut gelaunt Witze, Scherzworte flogen hin und her. Die Sängerinnen genossen es sichtlich, nach dieser langen Pause wieder gemeinsam proben zu können, auch wenn die Zeit auf 30 Minuten begrenzt war und man sich von Stuhl zu Stuhl unterhielt. Den obligatorischen Mund-Nasen-Schutz hatten alle dabei. Nur drei Chormitglieder fehlten.
Beim Start noch ein wenig unsicher
Die ersten Takte klangen noch etwas unsicher, immerhin waren Proben im letzten Vierteljahr nur über die Plattform Zoom im Internet möglich gewesen. Doch die Sängerinnen fanden sehr schnell wieder zu einem einheitlichen Chorklang. „Ah, es klappt schon“, kommentierte eine spontan. Diese Zuversicht merkte man auch den anderen an. „Lasst uns nun auf eins und drei klatschen“, forderte Chorleiter Schreiweis seine Damen auf. Auch das funktionierte nach einer kurzen Anlaufpanne gut. „Wir waren alle schon so lange nicht mehr dabei“, meinte er entschuldigend.
Beim nächsten Stück, dem neu einzustudierenden Gospel „Lift your Hands“ ging Wolf-Rüdiger Schreiweis sogar noch einen Schritt weiter und studierte mit seinen Chordamen Tanzschritte am Platz ein. Er zeigte die Bewegungen, der Chor fiel mit leisem Sprechgesang ein – immer unter sorgfältiger Einhaltung des Sicherheitsabstandes. Einige Sängerinnen drehten ihre Stühle um, so dass sie ihre Noten darauf ablegen und einsehen konnten, während sie am Platz sangen und tanzten. „Hat jemand auf die Uhr geschaut, wann wir angefangen haben?“, vergewisserte sich der Chorleiter zwischendurch mal.
Wasser mit Sektgeschmack
Bei einem der folgenden Songs, „Bring me a little Water“ sorgte der übermütige Zwischenruf „Kann man da ein bisschen Sektgeschmack reinmachen?“ für Stimmung. Auch zu diesem Lied hatte sich Schreiweis eine kleine Choreografie überlegt, die die Damen begeistert umsetzten. „Der Oberkörper geht auch mit, nicht so marionettenhaft wie ein Nussknacker bitte“, spornte er seine Sängerinnen an.
„Es war super, wieder singen zu dürfen, zumal ich bei den Zoom-Proben nicht dabei war“, meinte eine Sängerin spontan. „Und im Freien zu singen war ganz toll. Aber es war auch schwierig, sich in die Akustik hineinzuhören.“
Gemeinsam singen ist für manche Chordame essenziell
„Bei den Zoom-Proben haben wir jede Stimme aufgenommen und über Social Media versendet“, berichtet Chorleiter Schreiweis. „Dann haben wir online gesungen, teilweise haben die Leute mir auch online vorgesungen. Fast alle haben das gemacht“, lobte er die Disziplin seines Chores. „Als Sänger verlässt man sich oft auf den Nachbarn, online ging das nicht. Da konnte ich feststellen, was für gute Sängerinnen im Chor sind. Die Online-Proben von Gospel & Praise waren auch rege frequentiert, bei meinen anderen Chören lag die Auslastung bei etwa 50 bis 60 Prozent.“
Die Live-Probe jetzt bedeutete den Sängerinnen als auch dem Chorleiter sehr viel. „Uns war es wichtig, so schnell wie möglich wieder zusammen zu kommen, ein Chor lebt von der Gemeinschaft.“
Hoffen auf weitere Proben in Kirchen
„Dieses ,Jeder für sich’ bei einer Zoom-Probe, das kann man machen“, meinte Sängerin Connie Haller. „Aber nicht einen Akkord aufbauen. Das setzt in der Gemeinschaft eine unglaubliche energetische Kraft frei, das hat mir total gefehlt. Singen ist essenziell wichtig für mich, vor allem etwas gemeinsam zu kreieren.“ Eine andere Sängerin feierte ausgerechnet bei dieser ersten Chorprobe nach so langer Zeit gleich auch ihren Geburtstag. „Ich genieße das so, mit euch zusammen hier zu sein“, freute sie sich.
„Vielleicht können wir in zehn Tagen in einer Kirche proben“, hoffte Chorleiter Schreiweis. „Es muss ja weitergehen.“ Auf genaue Planungen will er sich aber noch nicht festlegen. „Wir singen mit der Haltung, dass vieles nicht geht, definitiv absagen wollen wir aber nach Möglichkeit nicht“, betonte auch die Vorsitzende Simone Blatt. „Die Abstandsregeln werden sicher noch reduziert“, zeigte sich Schreiweis zuversichtlich. „Im Saarland darf man jetzt schon mit zwei Meter Abstand proben. Wir warten ab. Wichtig ist, dass wir als Chor wieder so zusammen stehen können, dass wir uns selber hören.“