Karate
Mitbegründer des Karate Dojos Kyohan Zweibrücken will Vorstandsamt abgeben
Zum Jubiläum hatte Weppler Ende Juni zum wiederholten Mal den italienischen Karatemeister Carlo Fugazza aus Mailand in die Turnhalle der Canadaschule geholt, wo der bekannte Karatelehrer einen Tag lang rund 40 Karatekas aus ganz Deutschland und darüber hinaus trainierte.
Am 5. Februar 1994 gründeten sieben Karatebegeisterte aus Zweibrücken und Umgebung das Dojo Kyohan. Dojo nennt man den Raum, in dem sich Schüler einer Kampfkunst treffen, um zu trainieren. „Karatedo Kyohan – Lehrmuster des Weges der leeren Hand“ ist der Titel eines Klassikers der Kampfkunstliteratur aus dem Jahr 1935. Von den damaligen Gründungsmitgliedern ist heute laut Christian Weppler außer ihm selbst keiner mehr an Bord. Der Verein bietet in der Halle der Canadaschule dreimal pro Woche Training für Erwachsene, Jugendliche und Kinder an. Weppler selbst ist einer der Trainer. Der Schulleiter ist Inhaber des sechsten Dan, eine Art Meistergrad, deren Skala von eins bis zehn reicht. Unterhalb dieser Meistergrade gibt es neun sogenannte Kyu- oder auch Schülergrade.
50 Mitglieder
Rund 50 Mitglieder hat der Karateverein laut Weppler derzeit. Es waren zu Hochzeiten auch schon mal 150, damit war man einer der größeren Karatevereine in Rheinland-Pfalz. Aber das sei lange her, so der Vorsitzende, nämlich rund 20 Jahre. Im Laufe der Zeit habe sich die Mitgliederzahl verringert. „Durch die Vielzahl der anderen Angebote hat sich das geändert. Auch das Freizeitverhalten insgesamt hat sich in 20 Jahren stark geändert“, hat der Leiter der Hilgard-Grundschule in Niederauerbach beobachtet. Gleichzeitig sei regelmäßiges Training nicht mehr so gefragt wie damals.
An der Sportart selbst liege das nicht. „Karate ist immer interessant“, sagt Weppler aus voller Überzeugung. Aber im Zweibrücker Raum seien nach und nach andere Kampfsportarten dazugekommen – wie Kickboxen, Taekwondo, Wing-Tsun oder Jiu-Jitsu ist. Auch zwei weitere Vereine bieten Karatetraining in Zweibrücken an.
Und schließlich sei Karate kein Sport, bei dem sich schnell Erfolge einstellten. Man brauche einen langen Atem, der immer seltener vorhanden sei. „Wenn nicht direkt die nächste Gürtelfarbe erreicht wird, geben gerade Kinder eher auf“, hat der Pädagoge beobachtet. Kinder ab sieben Jahre können im Verein trainieren. Rundenkämpfe betreiben die Zweibrücker Karatekas nicht, „dazu haben wir nicht die Kapazität“, so Weppler. Karate im Dojo Kyohan ist und bleibt Freizeitsport. Generell gebe es in Deutschland nur sehr wenige Karatekas, die ihren Sport auf Leistungssportniveau betreiben.
Aus Mailand in die Westpfalz
Seit 20 Jahren kommt der italienische Karatetrainer Carlo Fugazza einmal im Jahr aus Mailand in die Westpfalz, um mit Gleichgesinnten zu trainieren. „Es ist faszinierend, welches Feuer er noch hat und wie schnell er noch ist“, ist Weppler jedes Jahr wieder begeistert. Fugazza ist immerhin schon 72 Jahre alt, trägt aber den achten Dan und ist selbst Schüler von Meister Hiroshi Shirai, einer japanischen Karate-Legende, die inzwischen in Mailand lebt. Als Handelsreisender in Sachen Karate gibt Fugazza sein Wissen an Karatekas in ganz Europa weiter. Die kamen Ende Juni aus dem Saarland, der Pfalz, aber auch dem Kölner Raum nach Zweibrücken, um vom Meister zu lernen.
Christian Weppler steht in der Regel viermal pro Woche zum Training in der Turnhalle. Das will er auch weiterhin tun und als Trainer der Fortgeschrittenengruppe mit braunem oder schwarzem Gürtel zur Verfügung stehen. Weil ihn sein Beruf aber immer mehr fordert – seit 19 Jahren leitet er die Hilgardschule – will der Mitbegründer sein Vorstandsamt bis zum Jahresende abgeben. „Nach 30 Jahren kann das mal jemand Jüngeres machen. Ein wenig frischer Wind wäre nicht schlecht“, sagt er.