Leichtathletik Mit Nervenstärke zum Titel: David Könsgen springt zu DM-Gold
Was war das für ein Wettkampf am Sonntag für Stabhochspringer David Könsgen vom LAZ Zweibrücken! Erst begann die U16-Klasse bei den deutschen Meisterschaften in Ulm mit fast einer Stunde Verspätung, dann dauerte der spannende Wettkampf mit zwölf Teilnehmern bis nach 18 Uhr. In der Schlussphase hielt ein Quartett die verbliebenen Zuschauer aber mit klasse Sprüngen bei Laune und sorgte für tolle Stimmung auf den Rängen. Am Ende stand der 15-jährige Zweibrücker ganz oben auf dem Treppchen: David Könsgen wurde mit übersprungenen 4,35 Meter deutscher Meister.
„Ich war schon ziemlich aufgeregt und konnte beim Frühstück kaum was essen“, gestand der Bexbacher, wie es ihm morgens vor seinen allerersten deutschen Meisterschaften ging. Und ein Fehlversuch bei 3,80 Meter – im Gegensatz zu Tim Behovits (LG Olympia Dortmund), Johann Fichtner (SC Rönnau) und Nils Bubeck (LG Filder) – sorgte dafür, dass er sich erstmal auf dem undankbaren vierten Platz wiederfand. „Eigentlich wollten wir anders steigern, mussten dann aber einige Sicherheitssprünge machen“, sagte dazu Trainer Alexander Gakstädter. Besagtes Trio hatte die Höhen bis 3,90 Meter immer im ersten Versuch genommen. Könsgen aber wusste: „Ich habe mich gut eingesprungen, und ich kann diese Höhen springen.“ Er war ja auch mit der besten Vorleistung angereist.
Noch schnell eine Banane vor wichtigem Versuch
Aber beim dritten Versuch über 4,10 Meter war der Schüler des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums, der im neuen Schuljahr in die zehnte Klasse kommt, dann doch ziemlich nervös. Vielleicht war’s die Banane, die er vor diesem letzten Versuch noch schnell vertilgte, die ihm schließlich drüberhalf. „Meine Trainer haben mir gesagt, dass ich was essen soll, weil ich ein bisschen platt wirke“, erzählte Könsgen, was ihm Papa Patrick und die LAZ-Coaches Gakstädter und Andrei Tivontchik in der Situation rieten.
Dann begann die Pokerrunde: Könsgen setzte die Konkurrenz in Absprache mit seinen Trainern unter Druck, indem er erst die 4,15 und dann die 4,25 Meter ausließ. Das klappte: Erst schied Bubeck bei 4,20 Meter aus, dann Fichtner bei 4,25. Der wurde in Ulm nach Absprache ebenfalls von Gakstädter gecoacht, weil sein Heimtrainer nicht dabeisein konnte. Der Dortmunder Behovits hob sich seinen dritten Versuch dann allerdings für 4,25 Meter aus – und sprang drüber. Aber Könsgen machte mit seinen Sprüngen über 4,30 und 4,35 Meter – jeweils im ersten – alles klar. „Das hat er mental super gemacht und hat richtig einen ausgepackt“, lobte Gakstädter seinen Schützling, dessen Papa als früherer Stabhochspringer ihn immer bei seiner Trainingsgruppe unterstützt. „Meine rechte Hand“, sagt Gakstädter lachend.
Zernikels Pfalzrekord ist noch ’ne Nummer zu groß
Danach versuchte sich Könsgen gleich noch an 4,62 Meter – dem Pfalzrekord von Oleg Zernikel. „Da hab’ ich zum ersten Mal die härteren und längeren 4,70er-Stäbe benutzt“, sagte der junge Mann. „Das kann er in diesem Jahr noch springen“, glaubt Gakstädter, vor allem nach einem guten letzten Versuch. „Aber da hat mir dann die Energie gefehlt“, berichtete Könsgen.
So ging es am Samstag auch Disziplin- und Vereinskollegin Paula Legner in der U23-Altersklasse: „Da waren Kopf und Körper raus“, sagte die Zweibrückerin zu 4,10 Meter. Das konnte die 18-Jährige aber gut verschmerzen, denn da hatte sie die Silbermedaille schon sicher. Und noch viel wichtiger: Mit ihrem Satz über 4,05 Meter hat sie die Norm für die U20-Europameisterschaften im finnischen Tampere (7. bis 10. August) in der Tasche. „Endlich, nach dem sehr langen, harten Training. Das hätte nicht besser laufen können“, sagte sie hinterher zufrieden. „Stark gemacht“, attestierte ihr Gakstädter.
Paula Legner jubelt über EM-Norm und U23-Silber
Und das obwohl sie vor eineinhalb Wochen im Training umgeknickt war, Fuß und Knie am rechten Bein waren daher getaped. „Aber ich kann das gut ausblenden und den Schmerz ignorieren“, stellt die Schülerin der bald 13. Klasse des Zweibrücker Helmholtz-Gymnasiums fest, die im Januar 2026 in den Fächern Biologie, Deutsch und Sport ihr Abitur ablegen will. Nach einem kleinen „Wackler“ bei 3,90 Meter mit dem nötigen dritten Versuch – „da hat’s technisch ein bisschen gehakt“ – sahen auch die Versuche über 4,10 Meter mit einem härteren Stab gut aus, weshalb sie zuversichtlich auf die deutschen U20-Meisterschaften (samt U18) am Wochenende in Bochum blickt. Eine Medaille hätte sie da schon gerne, vielleicht sogar Gold – und die Nominierung für die U20-EM natürlich.
Auch für Lars Urich lief der erste Wettkampf in der U23-Klasse nach seinem Zehenbruch im linken Fuß Anfang Juni gut. „Er ist sehr stabil gesprungen“, sagte Gakstädter zu übersprungenen 5,10 Meter und Platz vier (zwei Zentimeter unter seiner Bestmarke). „Im zweiten Versuch über 5,20 Meter war er schon hoch drüber“, berichtete Gakstädter. Für Ben Silas Kribelbauer kam der Wettkampf in Ulm nach seiner Fersenprellung noch zu früh. „Er hat’s versucht, aber das Stabgefühl hat ihm beim Einspringen gefehlt“, sagte der Coach.
Gar nicht lief es am Samstag für Tamineh Steinmeyer. Für die 20-jährige Sportstudentin (Bestmarke 4,25m) und Wahl-Saarbrückerin war mit übersprungenen 3,90 Metern und Platz sechs schon Schluss. „Sie hat die Sprünge nicht aktiv gestaltet, es war ein bisschen mit Handbremse drin. Vielleicht eine Kopfsache“, kommentierte Gakstädter die Vorstellung des Schützlings seines Trainerkollegen Andrei Tivontchik. Damit hat die 20-jährige süddeutsche Meisterin keine Chance mehr auf eine Teilnahme an der U23-EM Mitte Juli in Norwegen.