Handball
Mit ganz viel Wille: SV 64-A-Jugend schafft auf Zielgerade Titelgewinn in Oberliga
„Unglaublich, es war ein ganz enges Rennen, und kurz vor Saisonende waren wir nicht unbedingt in der besten Ausgangsposition“, resümiert Meistertrainer Lasse Finck, der zugleich in der ersten Mannschaft des SV 64 spielte. Sein Team steckte Rückschläge jeglicher Art weg und erarbeitete sich selbst wieder die Chance auf den Titel.
Als Finck die Trainingsleitung übernahm, hatte mit Gil Kunkel gerade ein Unterschiedsspieler das Team verlassen. Kunkels Klasse zeigt sich darin, dass er zwischenzeitlich in Minden bei den Herren schon Erstliga-Einsätze hatte. Mit Kreisläufer Jan-Ole Schimmel verabschiedete sich in der Weihnachtspause – aus heiterem Himmel – ein weiterer Stammspieler.
Drei heiße Spieltage am Saisonende
Am 1. April schien die Meisterschaft erledigt. Hauchdünn unterlag das SV-Team bei Meisterschaftskonkurrent Mülheim-Urmitz, dem man auch in der Vorrunde zu Hause mit 26:29 unterlegen war. Drei Spieltage standen noch an, allesamt gegen weitere Meisterschaftsaspiranten. Verlieren war nicht mehr erlaubt.
Die JSG Hunsrück wurde in Entscheidungsspiel eins samstags in der Westpfalzhalle geschlagen. Bereits zwei Tage später stand das Spiel gegen die HG Saarlouis auf dem Plan. „Das war ein unglaublicher Abend“, sagt Finck. Der 26-Jährige erlebte auf der Bank in der Ignaz-Roth-Halle bestes SV-Vereinsgefühl. „Wie frieher“, konstatierte mancher SV-Fan. Knapp 200 Zuschauer fanden den Weg in die Halle, feuerten die Zweibrücker an.
Kroner dreht gegen Saarlouis mächtig auf
Dabei sah es bis fünf Minuten vor dem Ende noch nicht unbedingt nach einem SV-Erfolg aus. In einem ausgeglichenen Spiel hatten meist die Saarlouiser knapp die Nase vorn. Aber Spielmacher Max Kroner, der bei den Herren in der Oberliga auf der linken Außenbahn regelmäßig Einsatzzeiten bekommt, bei der A-Jugend im Rückraum zu Hause war, dirigierte seine Mitspieler zum Erfolg, traf selbst. Zwölfmal allein in diesem Spiel. Mit insgesamt 194 Toren, davon 162 aus dem Spiel heraus, war Kroner der überragende Torschütze in der Liga und ein Grund für den Meisterschaftsgewinn.
„Nach dem Abend haben wir absolut wieder an uns geglaubt“, sagt Finck, der auf der Trainerbank von Oberliga-Teamkollege Joshua Eberhard unterstützt wurde. Auch weil Saarlouis seinerseits tags zuvor Mülheim-Urmitz geschlagen hatte. Mit einem Punkt Vorsprung gingen die Zweibrücker ins abschließende Spiel beim Tabellendritten JSG Osthofen/Worms. Da überzeugte neben Kroner im Angriff auch sein Mitspieler auf der halblinken Angriffsseite, Silas Möhlecke. Zusammen warf das Duo 17 der 29 Zweibrücker Tore, die den 29:26-Sieg und die Meisterschaft brachten. „In diesem Spiel hat die Mannschaft, die in der Runde einiges wegstecken musste, einmal mehr Nervenstärke bewiesen“, lobte Finck. 14:11 hatte das Team zur Pause geführt und die JSG doch noch mal rankommen lassen. Wie gegen Saarlouis gaben der absolute Wille und eine bessere Physis in den Schlussminuten den Ausschlag zugunsten des SV 64.
Finck gleich auf der ersten Trainerstation Meister
„Gleich auf meiner ersten Trainerstation Meister werden, das war für mich persönlich natürlich eine tolle Erfahrung, ein großartiges Erlebnis“, sagt Finck und bekennt, dass es ihm so viel Spaß gemacht habe, dass er sich vorstellen könne, mal wieder ein Traineramt zu übernehmen. „Würde ich nicht ausschließen“, sagt er lachend. Schwerpunkt seiner Traineraufgabe: die jungen SV-Spieler wieder ein Stück weiter an die Herren-Oberliga heranzuführen, sie damit zu Teamkollegen zu machen. „Das war überhaupt kein Problem. Die Jungs haben bei der A-Jugend immer den Trainer in mir gesehen“, sagt Finck zur zeitweisen Doppelrolle als Mitspieler und Coach.
Systemübergreifend setzten die A-Junioren auf die bewährte 3:2:1-Deckung des SV. „Wichtig für den Gewinn der Meisterschaft war, dass wir im Saisonverlauf mit der 6:0-Deckung eine zweite Abwehrvariante immer besser beherrscht haben“, sagt Finck. Überhaupt sei die Defensive um Julian Hügel im Innenblock– in Verbund mit den Torhütern – ein entscheidender Faktor für den Gewinn der Meisterschaft gewesen. Mit 512 Gegentoren kassierten die Zweibrücker mit Abstand die wenigsten Gegentore.
Meisterschaft in Zahlen
Tabelle: Platz 1, 28:12 Punkte, 598:512 Tore; 13 Siege, fünf Niederlagen, zwei Unentschieden; beste Torschützen: Kroner (194/32), Schimmel (78/7), Möhlecke (56).
Kader
Tor: Dennis Buchner, Jonas Eschbacher, Simon Backes
Feld: Max Kroner, Silas Möhlecke, Jonathan Becker, Tim Eisel, Leo Roller, Julian Hügel, Jakob Schaum, Evan Gordon, Philipp Abel, Marwin Bingert, Samuel Reitz, Marlon Werner Zell, Mathias Knoll, Jan-Ole Schimmel
Trainer: Lasse Finck, Co-Trainer: Joshua Eberhard.